Bis zu 150.000 Euro für eine Abfindung:
Telekom baut in drei Jahren 2100 Jobs ab
- FORMAT: Konzern will unkündbare Beamte loswerden
- Projekt einer Beamtenagentur vorerst aufs Eis gelegt

Das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Projekt einer Beamtenagentur für die Telekom Austria ist für dieses Jahr gestorben. Die abtretende Regierung wird das heiße Eisen nicht mehr anfassen, überzählige TA-Beamte in eine bei der ÖIAG angesiedelte Arbeitsstiftung zu verlagern, wo sie mit finanzieller Hilfe des Staates betreut werden sollen. Telekom-Boss Boris Nemsic muss warten, ob eine neue Koalition 2009 zustimmt. Für die Investoren muss Nemsic aber schon zuvor Signale zu einer Personalkostensenkung setzen. Die Aktie ist böse abgestürzt.
Das Management verhandelt im Moment daher intensiv mit dem Betriebsrat über Lösungen. 1.500 Stellen will die TA-Führung bis Ende 2009 streichen. Die Zahl hat der für Finanzen und Personal verantwortliche Festnetz-Vorstand Gernot Schieszler FORMAT gegenüber vor rund einem Monat bestätigt - und diese Zahl gilt immer noch. So könnten jene 90 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden, die in einem mit McKinsey erarbeiteten Effizienzprogramm in der Rubrik Personal stehen. Im Schnitt hat die Telekom knapp 60.000 Euro Aufwand pro Mitarbeiter und Jahr.
Spekulationen, wonach der Abbau noch drastischer ausfallen könnte, werden in Unternehmenskreisen nicht bestätigt. Ganz fix ist laut FORMAT-Informationen: Bis Ende 2010 müssen 2.100 Leute weniger auf der Payroll stehen. Wie sich diese Reduktion auf die einzelnen Jahre aufteilt, ist nicht festgeschrieben. Man wolle keine übertriebenen Erwartungen an den Kapitalmärkten wecken, heißt es. Boris Nemsic will Verhandlungen über die Personalstärke derzeit "überhaupt nicht kommentieren".
Reduktion vor allem im Festnetzbereich
Das gesamte Programm betrifft praktisch ausschließlich den Festnetzbereich - und dort zu rund zwei Dritteln Beamte. Dass noch heuer bis zu 1.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie einmal angepeilt war, geht sich ohne ÖIAG-Agentur bei weitem nicht aus. Beamte sind unkündbar und können nur zu einem freiwilligen Abgang bewogen werden. Bis Mitte August wollen Nemsic und Co einen Sozialplan dafür fertig haben.
Zwei Zielgruppen wurden definiert: einerseits die paar Hundert verbliebenen Festnetz-Beamten, die über 55 Jahre alt sind. Ihnen soll der Vorruhestand mit Zahlungen von bis zu 150.000 Euro pro Person schmackhaft gemacht werden, wie aus Kreisen des Betriebsrates zu erfahren ist. Andererseits werden Junge angesprochen, die noch gute Chancen auf einen anderen Job haben. Ihnen soll die Entscheidung mit Summen um die 80.000 Euro erleichtert werden. Michael Kolek, der oberste Belegschaftsvertreter der Telekom, feilscht noch hart um möglichst gute Konditionen.
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