Geballte Ladung für Österreichs Frächter:
Wie Transporteure ums Überleben kämpfen
- FORMAT: Rekord-Spritpreise und hohe Steuern
- Auch Konkurrenz aus Osteuropa schwächt Frächter

Oskar Berger fuhr gleich mit fünfzehn Lastwagen vor. Der Chef von Lkw Augustin kam Anfang Juli ebenso wie 2.000 andere Frächter nach Wien, um sich an einer Kundgebung zu beteiligen. Für einige Stunden wurde der Verkehr in der Bundeshauptstadt massiv behindert. Bergers Wut ist allerdings bis heute nicht verflogen. "Seit Jahresbeginn haben wir pro Monat um eine halbe Million Euro höhere Kosten", schimpft der Unternehmer.
Die Brummi-Branche befindet sich in Aufruhr. Attacken von Umweltaktivisten und Proteste transitgeplagter Anrainer ist sie gewohnt. Diesmal sind aber die Lastwagenbetreiber in der Rolle der Demonstranten. Denn sie fahren gefährlich nahe am Abgrund. Der hohe Treibstoffpreis trifft sie in ihrer Existenz. Seit Jänner wurde Diesel um zwanzig Prozent teurer.
Die Preisexplosion ist aber nicht das Einzige, was die Frächter aus der Bahn zu werfen droht: Seit Jahren kämpfen sie gegen den enormen Konkurrenzdruck osteuropäischer Transporteure, die Fahrten zu Dumpingpreisen feilbieten. Dazu kommen höhere Steuern, Mautabgaben und Löhne. "Einige Hundert Unternehmen schlitterten bereits in die Insolvenz. Immer öfter trifft es auch große, alteingesessene Betriebe. Es muss etwas geschehen", warnt Heinz Schierhuber, der Branchenvertreter in der Wirtschaftskammer. 89 Konkursverfahren wurden allein im ersten Halbjahr 2008 eröffnet.
Minister zurückhaltend
Die nachdrückliche Forderung von Schierhuber: Die Steuern müssen zurückgenommen werden. Nach derzeitigem Stand haben die Frächter mit ihrer Demo-Fahrt aber leere Kilometer gemacht. Infrastrukturminister Werner Faymann hat zuletzt klargestellt, nichts von Steuersenkungen zu halten.
Mit Sommerbeginn gingen auch belgische und französische Transporteure auf die Straße. Aber in Österreich ist die Liste der kürzlich erfolgten Preiserhöhungen besonders lang: Im Mai vergangenen Jahres wurde die Lkw-Maut um satte zwanzig Prozent angehoben, heuer nochmals um 2,2 Prozent. Im Juni 2007 wurde die Mineralölsteuer um 17 Prozent nach oben geschraubt. Und neue Arbeitszeitvorschriften machten die Löhne der Fahrer um zehn Prozent teurer.
Das Dilemma: Die meisten der 8.500 Transportbetriebe sind Klein-und Mittelbetriebe. Sie können gegenüber ihren Kunden Preiserhöhungen kaum durchsetzen. Die Auftraggeber - zumeist Speditionen, die selbst keine Lkws besitzen - sind viel mächtiger als die Frächter selbst. Der größte heimische Spediteur, Schenker, erwirtschaftet gut 1,3 Milliarden Euro. Der größte Frächter, Gartner KG, kommt auf 320 Millionen, ein Viertel davon. Wirklich große Transporteure gibt es neben Gartner und Lkw Augustin so gut wie nicht.
Neue Pleitewelle nach dem Sommer Besser werden die Aussichten nicht. Die EU plant derzeit eine weit gehende Öffnung des internationalen Güterverkehrs, was noch mehr Konkurrenz auf Österreichs Straßen bedeutet. "Ich rechne im Herbst mit einer neuen Pleitewelle. Im Sommer ist die Auslastung schwach, und zahlreiche Unternehmen bekommen dann Liquiditätsschwierigkeiten", prognostiziert Sebastian Kummer, Leiter des Instituts für Transportwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Bislang versuchten viele Unternehmen durch Niederlassungen in Osteuropa der Krise zu entkommen. Dort werden günstige Lenker rekrutiert, die Lieferungen nach Österreich fahren. Doch das Potenzial ist ausgeschöpft. Jeder Größere agiert mittlerweile so. Einziger Ausweg sind Brummis, die weniger Sprit brauchen, und Einsicht der Kunden. "Die Spediteure müssen erkennen, wie wichtig der Lkw-Transport ist, und müssen die Frächter leben lassen", sagt Berater Maderner, denn schließlich werden derzeit 77 Prozent der Tonnenkilometer europaweit per Lkw geleistet, und das wird sich laut Experten auch in den nächsten Jahren trotz der Klimadiskussionen kaum ändern. Das ist die einzige gute Nachricht für die Frächter.
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