Sonntag, 20. Juli 2008

Medellin-Kartell als Bank Austria Kunde: Kurier machte Geldwäsche in Millionen-Höhe

  • FORMAT: Auch für den Pinochet-Clan tätig gewesen
  • Ermittlungen der Polizei und der Justiz laufen bereits

Oft ging die Mittagspause drauf. Wenn Alfred Dauber die Manhattan-Filiale der Broadway National Bank betrat, machten die Kassiere schon lange Gesichter. Locker trat der Österreicher an den Schalter, schob einen Zettel über den Tisch und deutete auf die Seesäcke, die er neben sich abgestellt hatte: fette Beutel, prall gefüllt mit Fünf-, Zehn- und Zwanzig-Dollar-Noten. Langsam öffneten die Bankangestellten die von dicken Gummibändern zusammengehaltenen Geldbündel, um die abgegriffenen Dollarscheine sorgfältig zu zählen und danach - gemäß Daubers schriftlicher Anweisung - auf Dutzende Bankkonten zu verteilen. Weil für jede Transaktion eine Quittung ausgestellt wurde, dauerte die Abwicklung mehrere Stunden. Nicht selten verließen die Schalterangestellten die Bank mit leerem Magen.

Insgesamt 250-mal wiederholte Alfred Dauber zwischen 1996 und 1998 diese Prozedur. Pro Besuch lieferte er durchschnittlich 178.000 Dollar Cash ab und partizipierte an saftigen Provisionen. Von New York aus wurden so in Summe rund 46 Millionen Dollar nach Beirut, Bogotá, Panama City oder Miami transferiert. Trotz der gigantischen Geldbeträge kam den Geldjongleuren am Broadway nie in den Sinn, eine mögliche Verletzung der Geldwäschebestimmungen anzuzeigen.

Der Spuk rund um die dubiosen Millionentransfers endete erst Mitte 1998, als die illegalen Praktiken von der Taskforce "El Dorado" in die Luft gesprengt wurden. Die Ermittlungen der aus Agenten des FBI, der US-Zollbehörde und der Steuerfahndung IRS (Internal Revenue Service) bestehenden Sonderkommission führten vier Jahre später sogar zur Verurteilung der Broadway Bank wegen Verletzung des Bank Secrecy Act der USA.

Geldbote aus Österreich
"Die Bank hatte es verabsäumt, ein Anti-Geldwäsche-Programm zu etablieren", so ein FORMAT vorliegender Bericht des U.S. Department of Homeland Security (US-DHS) vom 27. November 2002. "Der größte Geldwäscher gemessen am Dollar-Volumen war Alfred Dauber, der von Jänner 1996 bis März 1998 fragwürdige Cash-Einzahlungen von rund 46 Millionen Dollar machte", heißt es in dem Dossier. In Kreisen der organisierten Kriminalität sei Broadway laut Dauber populär gewesen, weil die Banker keine Fragen stellten. "So gab Dauber gegenüber Broadway an, im Electronic Business zu sein. Tatsächlich war er daran beteiligt, Einnahmen aus dem Rauschgifthandel zu waschen." Sein wichtigster Auftraggeber: "Das kolumbianische Drogenkartell."
Exakt zehn Jahre nach Alfred Daubers Überführung als Geldkurier des Medellín-Kartells steht der mittlerweile 72-jährige Pensionist wieder im Visier der Justiz. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien gegen den österreichisch-venezolanischen Doppelstaatsbürger (Aktenzahl 14 St 131/ 08w). Der seit drei Monaten bestehende Verdacht: Dauber soll für südamerikanische Potentaten, darunter Augusto Pinochet (Chile) und Alberto Fujimori (Peru), Geld gewaschen haben. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

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20.7.2008 22:49