Mittwoch, 16. Juli 2008

Höchste Inflation seit 15 Jahren: Heizöl, Nahrungsmittel und Sprit sind Preistreiber

  • Teuerung steigt mit 3,9% auf höchsten Stand seit '93
  • Energiepreise heizen in gesamter EU die Inflation an
    UMFRAGE: Verkraften Sie die Teuerungswelle noch?

Die Inflationsrate hat im Juni in Österreich einen alarmiernd hohen Stand erreicht. Durch die Hauptpreistreiber Treibstoffe, Heizöl und Nahrungsmittel ist die Jahresrate auf 3,9 Prozent angestiegen. Das ist der höchsten Stand seit April 1993, also seit mehr als fünfzehn Jahren. Im Mai hatte die Teuerung im Jahresabstand noch 3,7 Prozent betragen.

Massive Preissteigerungen bei Energie (Treibstoffe und Heizöl) verursachten mehr als zwei Fünftel der Gesamtinflation. Etwa ein Fünftel der Teuerung ging laut Statistik Austria auf die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln zurück, die nach wie vor auf hohem Niveau verharrten.

Preistreiber "Verkehr"
Mehr als ein Drittel der Gesamtinflation machte die Ausgabengruppe "Verkehr" aus. Treibstoffpreise verteuerten sich im Durchschnitt um 32 Prozent, darunter Diesel um 44 Prozent. Damit war der Verkehr im Jahresabstand eindeutig Hauptpreistreiber. "Wohnen, Wasser und Energie" verteuerten sich durchschnittlich um 3,1 Prozent, Nahrungsmittel um 6,8 Prozent. Einziger Inflationsdämpfer war wieder die Gruppe "Nachrichtenübermittlung" mit einem Rückgang von durchschnittlich 3,6 Prozent.

Teure Lebensmittel
Fleisch und Fleischwaren verteuerten sich im Jahresabstand um durchschnittliche 4 Prozent. Die Preise für Speisefette und -öle stiegen um 15 Prozent, für Zucker, Marmelade, Honig und Süßwaren um 6 Prozent. Obst verteuerte sich um 7 Prozent (Zitronen +66 Prozent), Gemüse um 1 Prozent, alkoholfreie Getränke waren um 2,1 Prozent teurer, darunter Orangensaft um 11 Prozent.

54 Prozent teureres Heizöl
Die Verteuerungen bei Haushaltsenergie (+9,0 Prozent) wurden fast ausschließlich durch die Preissteigerungen bei Heizöl verursacht (plus 54 Prozent seit Jahresbeginn). Die Preise für Strom stiegen im Jahresabstand nur um 1 Prozent, für Fernwärme um 2 Prozent und feste Brennstoffe wurden sogar um 2 Prozent und Gas um 1 Prozent billiger.

Billiges Telefonieren
Einziger Inflationsdämpfer im Jahresabstand war wie schon in den Vormonaten die Ausgabengruppe "Nachrichtenübermittlung" (-3,6 Prozent), wofür vor allem die Preisrückgänge bei Telefon- und Telefaxdiensten (insgesamt -2,9 Prozent; Internetentgelt -18 Prozent, Gesprächsentgelt Mobiltelefon -2 Prozent) verantwortlich waren. Aktionen einiger Mobilfunkanbieter beim Aktivierungsentgelt führten im Jahresabstand insgesamt zu starken Preisrückgängen in der Gruppe der Telefonapparate und Telefaxgeräte (insgesamt: -39,2 Prozent, Mobiltelefongerät -50 Prozent).

Massiver Anstieg in der EU-Zone
Der dramatische Anstieg der Energiepreise heizt auch in den übrigen EU-Ländern die Inflation stark an: Im Juni kletterte die jährliche Teuerungsrate der Eurozone auf 4,0 Prozent - der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen zum harmonisierten Verbraucherpreisindex 1997. Im Mai war sie bei 3,7 Prozent gelegen, im Juni 2007 noch bei 1,9 Prozent. In der gesamten EU stieg die Teuerung im Juni 2008 auf 4,3 Prozent, gegenüber 4,0 Prozent im Mai und 2,1 Prozent ein Jahr zuvor, teilte das EU-Statistikamt Eurostat mit.
(apa/red)

16.7.2008 14:49