Dienstag, 15. Juli 2008

Euro erreicht neuen Rekordhöchststand:
Gemeinschaftswährung schon über 1,6 US-$

  • Furcht vor neuen Hiobsbotschaften der US-Wirtschaft
  • Starker Euro bringt Europa in Export-Schwierigkeiten

Der Euro hat ein neues Rekordhoch erreicht. Für die Gemeinschaftswährung mussten zeitweise bis zu 1,6038 Dollar gezahlt werden - so viel wie noch nie seit der Einführung an den Finanzmärkten 1999. Experten machten dafür vor allem die Furcht vor neuen Hiobsbotschaften zur Lage der US-Wirtschaft verantwortlich, die dem Dollar zusetze.

Selbst das Rettungspaket für die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wurde am Markt zunehmend skeptisch gesehen, was auch die Aktienkurse weltweit unter Druck setzte. Die US-Regierung und die US-Notenbank Federal Reserve hatten den beiden Instituten einen größeren Kreditrahmen eingeräumt und angekündigt, im schlimmsten Fall auch Anteile der beiden Unternehmen zu übernehmen. Doch viele Anleger sähen darin nur eine Verlagerung der Risiken von den Unternehmen zum US-Finanzministerium, sagte ein Händler. Das dürfte zu einem deutlich höheren US-Defizit führen und wäre damit schlecht für den Dollar.

Die erste Freude über die Rettungsmaßnahmen, die den Euro am Montag noch unter 1,5850 Dollar gedrückt hatte, verflog daher rasch. Am Dienstagmittag notierte die Gemeinschaftswährung um 1,60 Dollar.

In der Zwischenzeit wird der starke Euro immer kritischer gesehen. "So langsam sollte der Anstieg enden - schließlich wollen wir noch etwas exportieren", sagte ein Marktteilnehmer. Dem deutsche Exportverband BGA zufolge wird der Anstieg Spuren hinterlassen: Nachdem die Exporte Deutschlands 2007 noch um 8,5 Prozent gestiegen waren, werde nun für das laufende Jahr nur noch "mit einer Sechs vor dem Komma" gerechnet, sagte ein Verbandssprecher.
(apa/red)

15.7.2008 15:47