Olympia 2008

Alle Kanäle  

30.7.2008 09:18

China freut sich auf olympische Spiele: Nur ein Außenpolitik-Experte runzelt die Stirn

  • Beziehungen Chinas zur Welt sind schlechter als zuvor
  • Europas Reaktion bei Tibet-Krise enttäuschte China

Ganz China freut sich auf die Olympischen Spiele in Peking, doch der Außenpolitikexperte Yan Xuetong runzelt die Stirn. "Ich sehe nicht, dass diese Olympischen Spiele China in irgendeiner Weise geholfen hätten", sagte der Leiter des Instituts für internationale Politik an der Tsinghua-Universität in Peking. "Bis jetzt haben sie die Beziehungen Chinas zur Welt eher unterminiert als verbessert."

"China hat sich mit den Olympischen Spielen viele politische Unannehmlichkeiten und wirtschaftlichen Druck eingehandelt", sagte Yan in Anspielung auf die Tibet-Krise. Es könnte zwei Jahre dauern, bis die Beziehungen mit dem Westen wieder besser werden. China sei vor allem von Europa enttäuscht, das in der Tibet-Krise eine ähnliche Politik wie die USA verfolgt habe. "Vor den Ereignissen in Tibet glaubte China, dass die europäische Politik gegenüber China gemäßigter ist als die amerikanische", sagte Yan.

Da es jetzt kaum noch Unterschiede zwischen der europäischen und amerikanischen China-Politik gebe, werde sich Peking künftig eher an Washington halten. "Mit Amerika kann man leichter umgehen, weil es sich um einen Staat mit einer Regierung handelt, während Europa aus einer Gruppe von Nationalstaaten besteht. China denkt daher, dass die Beziehungen mit Europa schwerer zu verbessern sind als jene mit den USA", erläuterte Yan.

Zuviel Aufmerksamkeit ist nicht gut
Der Regimekritiker He Weifang warnt indes davor, dass die internationale Aufmerksamkeit für China im Vorfeld der Olympischen Spiele eine Negativspirale auslösen könnte. Grundsätzlich sei Olympia zwar eine gute Chance für China, seine Beziehungen zur Welt zu vertiefen. Allerdings sei das Land nun auch gezwungen, seine negativen Seiten zu zeigen. "Gerade deswegen ergreift die Regierung nun viele Maßnahmen, um diese 'unharmonische Seite' zu beseitigen", sagte der Pekinger Rechtsprofessor in Anspielung auf gegen Dissidenten gerichtete Einschüchterungsversuche. "Das führt dann zu Kritik aus dem Westen, die in China wieder negativ aufgenommen wird und dieses zu weiteren Verschärfungen zwingt. So könnten die Beziehungen Chinas zum Westen durch Olympia schlechter werden."

Die chinesische Führung habe die internationale Tragweite der Olympischen Spiele verkannt, glauben westliche Beobachter in Peking. "Die chinesische Seite hat zum Zeitpunkt der Bewerbung für die Olympischen Spiele nicht gesehen, wie sehr sie in den internationalen Fokus gestellt wird", meint ein Diplomat. "Es ist wie in einem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, wo alles offengelegt wird."

Druck auf Regierung von außen
"Viele Leute im Ausland nutzen die Spiele dafür aus, Druck auf die chinesische Regierung auszuüben", kritisiert die Rechtsexpertin Xiong Qiuhong von der regierungsnahen Pekinger Akademie für Sozialwissenschaften (CASS). Innenpolitisch sei die Lage für die Regierung aber "äußerst günstig", da alle Chinesen für die Olympischen Spiele seien und die Tibet-Krise den Patriotismus weiter gefördert habe. "Es gibt heute weniger Kritik an der Regierung", betonte sie.

Und auch die internationale Wahrnehmung Chinas hat sich jüngst deutlich verändert, meint der britische China-Experte Daniel Bell. Die Kritik an China sei nach dem verheerenden Erdbeben in Sichuan verstummt, sagt er. "Nach so einer großen Naturkatastrophe ist es einfach geschmacklos, wenn man China wegen seiner Menschenrechtsverletzungen kritisiert." (apa/red)

30.7.2008 09:18
[an error occurred while processing this directive]

zurück zur Startseite