Olympia 2008

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30.7.2008 09:18

China lernt durch Olympia westliche Regeln:
"Ähnlich war es auch in Japan und Korea"

  • Experten sehen aber "keine totale Verwestlichung"
  • Zensur in chinesichen Medien sehr stark verbreitet

Die Olympischen Spiele in Peking leisten nach Einschätzung einheimischer Experten einen großen Beitrag zur Öffnung Chinas gegenüber der westlichen Welt. "Die Olympischen Spiele geben der chinesischen Gesellschaft die Gelegenheit zur Integration in die internationale Gemeinschaft", sagte der chinesische Sozialwissenschaftler Shi Anbin in Peking. Er erwartet eine ähnliche Entwicklung wie in den Olympia-Gastgeberländern Japan (1964) und Korea (1988) - eine stärkere Verwestlichung des Landes.

"Die Olympischen Spiele bieten dem chinesischen Volk eine Gelegenheit zu verstehen, was die westlichen Standards sind, etwa im Bereich der Pressefreiheit", sagte der Medienexperte. Die Olympischen Spiele funktionieren nämlich nach westlichen Regeln. "Es braucht seine Zeit, bis chinesische Beamte und Politiker die westlichen Regeln lernen. Man kann nicht erwarten, dass das über Nacht passiert. Aber man sieht, dass dieser Lernprozess stattfindet", betonte Shi.

Es werde mehr oder weniger das Gleiche passieren wie in Japan und Korea, nachdem dort die Spiele ausgetragen wurden, erwartet Shi. "Die Gesellschaft wird stärker verwestlicht", sagte der Dozent an der Journalismusschule der Pekinger Tsinghua-Universität. Da China aber ein riesiges Land mit einer langen kulturellen Tradition sei, "wird es keine totale Verwestlichung geben". China werde demokratische Standards annehmen, aber nicht im westlichen Sinne. Schließlich gebe es auch innerhalb der westlichen Staaten Unterschiede in der Art der demokratischen Willensbildung, verwies Shi auf die verschiedenen Wahlsysteme in den USA und Österreich.

"Wir wollen unseren Gästen keine negativen Geschichten erzählen", sagte Shi auf die Frage nach der Zensur in den chinesischen Medien. "Ich gebe zu, dass es in China immer noch Zensur gibt, aber im 15. und 16. Jahrhundert gab es auch in Großbritannien noch strenge Zensur, die im Laufe der historischen Evolution verschwand." Es gebe eben einen "Jet-Lag" zwischen China und dem Westen. "China braucht noch etwas Zeit, um den westlichen Standard von Modernisierung zu erreichen. Ich glaube, dass China sein eigenes Modell von Modernität entwickeln wird", fügte er hinzu.

Missverständnisse der Kuturen
Shi verwies in diesem Zusammenhang auf die Missverständnisse zwischen der westlichen und chinesischen Kultur. "Wir glauben, dass Schweigen Gold ist, während ihr immer alles direkt ansprecht", sagte er. Der Pekinger Professor hatte im Zuge der Tibet-Krise scharfe Kritik an der objektiv falschen Berichterstattung mancher westlicher Medien geübt. Allerdings kritisierte er auch die langsame Reaktion und unzureichende Information, die von der chinesischen Regierung und den wichtigsten Medien bereitgestellt wurden.

Ähnlich wie Shi äußerte sich auch der Pekinger Rechtsprofessor und Regimekritiker He Weifang. "In China gibt es den traditionellen Anspruch, die schlechten Dinge in der Familie lieber nicht bekanntzumachen", sagte He. Man behandle die Fremden anders als die eigenen Leute, aber selbst unter Freunden trage man Konflikte nicht öffentlich aus. "Das ist einer der Gründe für die Probleme Chinas mit dem Westen." Ein weiteres sei die Tatsache, dass China immer noch ein sozialistisches Land sei und der Marxismus eigentlich das Ziel habe, den Kapitalismus zu vernichten, fügte der Jurist lächelnd hinzu. (apa/red)

30.7.2008 09:18
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