Olympia für Pekinger mit vielen Auflagen verbunden: Gutes Benehmen wird verlangt
- Warteschlangen sollen Drängeln bei Warten ersetzen
- Sicherheit in der U-Bahn wie auf Flughäfen gefordert

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Der Enthusiasmus der Pekinger für die Olympischen Spiele ist ungebrochen, auch wenn das Sportereignis für sie mit vielen Einschränkungen und Pflichten verbunden ist. Das Spucken sollen sie sich abgewöhnen und das Rauchen auch. Autofahren ist während der Olympischen Spiele nur noch jeden zweiten Tag erlaubt, dafür wird das Schlangestehen an den Busstationen zur Olympischen Disziplin.
In Fernsehspots wird schon seit Monaten für das gute Benehmen der Pekinger getrommelt. Gezeigt wird unter anderem eine Frau mit Schirm, die einer Passantin während eines Regengusses freudig Unterschlupf bietet. Oder ein junger Mann, der Zeitungspapier auslegt, bevor er auf eine Parkbank steigt.
Die Erziehungskampagne zeigt bereits deutliche Auswirkungen. An zahlreichen Busstationen stehen die Pekinger geduldig in Warteschlangen, um Drängeln beim Ein- und Aussteigen zu vermeiden. "Zuerst dachten wir, das ist nur eine Regierungskampagne, aber mittlerweile haben wir erkannt, dass es sich um eine effiziente Maßnahme handelt, die jedem nützt, und wir machen es gerne", wird ein Fahrgast im offiziellen Magazin des Olympia-Organisationskomitees zitiert. An 85 Prozent aller Busstationen wird offiziellen Angaben zufolge bereits Schlange gestanden.
Mehr Rücksicht im Verkehr
Einer Studie der Pekinger Universität zufolge wird im Verkehr generell mehr Rücksicht genommen. Der Anteil der bei Rot über die Kreuzung fahrenden Radfahrer hat sich von elf Prozent im Jahr 2006 auf nur drei Prozent im Vorjahr verringert. Bei den Fußgängern fiel der Rückgang von elf auf 2,5 Prozent noch deutlicher aus. "Das liegt in unserer Natur. Wir wollen uns den ausländischen Gästen von der besten Seite zeigen", kommentiert ein Pekinger den Erfolg der Benimmkampagne.
Doch nicht alle Erziehungsmaßnahmen werden so gut aufgenommen. So wird das "Spuckverbot" auf den Straßen von den Pekingern weiterhin genüsslich missachtet, obwohl einmal Spucken 50 Yuan (4,57 Euro) Strafe kostet. Und das Anfang Mai in den Pekinger Lokalen eingeführte Rauchverbot hat sich bisher vor allem darin niedergeschlagen, dass die Aschenbecher von den Tischen entfernt wurden. Geraucht wird weiterhin. Kein Wunder, hat China doch einen der größten Raucheranteile der Welt. 350 Millionen der 1,1 Milliarden Raucher leben in China.
Mühsames U-Bahn-Fahren erwartet
Skeptisch sehen viele Hauptstadtbewohner auch die scharfen Sicherheitsvorkehrungen in der Pekinger U-Bahn. Wie am Flughafen wird das Gepäck der Passagiere durchleuchtet, um Anschläge zu verhindern. Wer Flüssigkeiten mit sich führt, muss ihre "Ungefährlichkeit" beweisen, indem er sie trinkt. "Das wird doch Attentäter sicher nicht abhalten", kommentiert ein chinesischer Blogger diese Maßnahme sarkastisch. "Die nehmen doch sicher einen Schluck, selbst wenn die Flüssigkeit giftig ist."
Womit wir schon bei einer der "obersten Prioritäten" der Olympia-Organisatoren wären. Sie wollen den schlechten Leumund der chinesischen Küche in Sachen Hygiene mit einem rigorosen Plan zur Lebensmittelsicherheit bekämpfen. Eigens für Olympia wurden alle Restaurants auf einer Vier-Punkte-Skala von A (exzellent) bis D (durchgefallen) nach Hygienestandards bewertet. Die strikten Kontrollen brachten selbst ausländische Gastronomen wie den Betreiber des österreichischen "Cafe Amadeus" in Peking, Peter Schönerklee, ins Schwitzen. Die Kontrollore hätten ihm sogar untersagt, Gläser und Speisegeschirr im gleichen Geschirrspüler zu waschen, empört er sich.
Viele Auflagen
Joseph Kiang, der aus Wien stammende Chef des "Cafe Europa", hat weitere "absurde" Vorschriften vor Olympia kennengelernt. Für 15 Quadratmeter Restaurantfläche sei ein Feuerlöscher nötig, sei ihm mitgeteilt worden. Das wären insgesamt 15 Feuerlöscher für sein Lokal im Pekinger Geschäftsviertel. Der Wirt mit taiwanesischen Wurzeln hofft jedoch, dass es mit dieser Auflage ähnlich sein wird wie mit anderen Olympia-Vorschriften. So wurde ihm aus Umweltgründen der Betrieb seines Schanigartens untersagt, erzählt er lächelnd an einem der vor seinem Lokal aufgestellten Tische. "Ich zahle dem Betreiber des Bürogebäudes ja eine Platzmiete. Also tragen seine Mitarbeiter die Tische vor der angekündigten Kontrolle weg und stellen sie danach wieder auf." (apa/red)