Menschenrechtler warnt vor Boykott der olympischen Spiele: "Katastrophe für uns"
- Enttäuschung über Zerwürfnis mit Westen sehr gros
- "Für die Chinesen ist es eine Herzensangelegenheit"

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Menschenrechtsexperten in China warnen eindringlich vor einem westlichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking. "Das wäre eine Katastrophe für unsere Arbeit und würde uns um zehn Jahre zurückwerfen", sagte ein westlicher Rechtsexperte in Peking. "Das trifft nur die Schwachen und schafft weitere Feindschaft." Der Experte befürchtet sogar gewalttätige Auseinandersetzungen, sollten westliche NGOs während der Olympischen Spiele Protestaktionen in Peking durchführen.
Die Enttäuschung in China über das Zerwürfnis mit dem Westen im Vorfeld der Olympischen Spiele sei sehr groß, auch unter Kritikern des kommunistischen Regimes, erläuterte der Experte, der mit Blick auf sein sensibles Tätigkeitsgebiet anonym bleiben wollte. "Olympia ist für die Chinesen eine Herzensangelegenheit, auch die Systemkritiker und Vertreter aller politischen Richtungen sind dafür. Auch für die aufstrebende Mittelklasse ist Olympia eine wichtige Angelegenheit. Daher wäre ein Boykott ein Schuss ins Knie", warnte der Experte. Tatsächlich sind einer vom Pekinger Staatsfernsehen veröffentlichten Umfrage zufolge 94,9 Prozent der Chinesen für die Olympischen Spiele.
Die westlichen Regierungen sollten lieber in einer konzertierten Aktion die chinesischen Botschafter in ihren jeweiligen Ländern zu sich zitieren, und nachdrücklich auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage drängen, schlägt der Experte vor. Protestkundgebungen westlicher NGOs in Peking während der Spiele könnten dagegen böse enden. "Es gibt schon so viel heißes Blut, vor allem unter den Studenten, dass es Angriffe und Auseinandersetzungen geben könnte", sagte er.
Mehr Sicherheitspersonal
"Die ausländischen Botschaften bereiten sich schon darauf vor und haben zusätzliches Sicherheitspersonal angefordert", meinte der Experte, der auch Kritik am Vorgehen von Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch übte. Diese würden ihre Berichte über China nicht einmal in die Landessprache übersetzen und müssten sich daher den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihnen nur darum gehe, China an den Pranger zu stellen, statt im Land selbst etwas zu verändern.
Auch der Regimekritiker He Weifang kritisiert die Dämonisierung Chinas im Westen. "Während der Tibet-Krise war ich in Deutschland und verfolgte die deutsche Medienberichterstattung mit. Sie vermittelte den Eindruck, dass China ein teuflisches Land ist", sagte der Pekinger Jus-Professor. Auf chinesischer Seite wiederum gebe es wegen der Dominanz der westlichen Kultur Minderwertigkeitsgefühle. "Deswegen zeigen wir oft Stärke und Feindseligkeit, aus einer Art Selbstschutz."
"Die Chinesen sind sehr pragmatisch"
Wirtschaftsvertreter sehen die Lage etwas gelassener. "Die Chinesen sind sehr pragmatisch", sagt ein westlicher Unternehmer in Peking. Er verweist auf die Boykottaufrufe gegen den französischen Handelskonzern Carrefour, nachdem es beim Olympischen Fackellauf in Paris zu anti-chinesischen Ausschreitungen gekommen war. "Carrefour hat daraufhin einfach die Preise gesenkt und die Menschen sind weiter in die Einkaufszentren gekommen." (apa/red)