Mittwoch, 16. Juli 2008

Superstar Ronaldinho wird Rot-Schwarzer:
Brasilianer wechselt von Barca zum AC Milan

  • Euphorie: "Ronaldinho - das Wunder ist in Mailand"
  • Trauer bei Barcelona darüber hält sich in Grenzen

Ronaldinho hat nach medizinischen Tests den angekündigten Wechsel vom FC Barcelona zum AC Milan unter Dach und Fach gebracht. Der 28-jährige Brasilianer unterzeichnete beim italienischen Fußball-Traditionsclub einen Dreijahresvertrag. Die Mailänder hatten sich zuvor mit "Barca" auf eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro geeinigt. Vier Millionen davon fließen jedoch nur im Falle von Erfolgen der Italiener nach Katalonien.

In Mailand wurde der Transfer als "Super-Coup" bejubelt. "Ronaldinho - das Wunder ist in Mailand", schrieb die Zeitung "La Gazzetta dello Sport" und prophezeite dem in der abgelaufenen Saison an den Champions-League-Plätzen vorbeigeschrammten Berlusconi-Club glorreiche Zeiten mit dem "Samba-Sturm" um Ronaldinho, Pato und Kaka.

Dem in Barcelona ausgemusterten Ronaldinho bereiteten außerdem Hunderte Milan-Fans einen triumphalen Empfang. 3.000 Dauerkarten wurden innerhalb einer Stunde verkauft. "Jetzt beginnt ein neues Leben für mich, ich bin überglücklich und will den Milan-Fans viel Freude bereiten", sagte der Edeltechniker nach dem Abschluss der sechsmonatigen Transferverhandlungen und versprach noch im selben Atemzug: "Ich werde alles geben."

Als "Sanatorium" für gestrauchelte brasilianische Stürmerstars hat sich Milan bewährt. Auch der bei Real Madrid abgeschriebene Ronaldo blühte bis zu seiner schweren Knieverletzung im Winter in der Lombardei noch einmal auf.

"Die Seifenoper ist aus"
In Barcelona hielt sich die Trauer über Ronaldinhos Abschied in engen Grenzen: "Ciao, Ciao Ronnie! Die Seifenoper ist aus", titelte die Zeitung "Sport". Schwache Leistungen und regelmäßige Ausflüge ins Nachtleben hatten Ronaldinhos Ruf geschädigt. Zuletzt wurde der Weltfußballer von 2004 und 2005 in den spanischen Medien als "Gordinho" (Dickerchen) verhöhnt, weil er um die Hüften etwas zugelegt hatte.

Auch die "Aktie Ronaldinho" verlor in den vergangenen beiden Jahren dramatisch an Wert. "Barca" hatte noch vor drei Jahren die Ablösesumme für den Wunderkicker auf 155 Millionen Euro hochgeschraubt. Für den nun vollzogenen Wechsel kassieren die Spanier bis zu 25 Millionen und somit um mindestens fünf Millionen weniger als sie noch 2003 für den Brasilianer nach Paris St. Germain überwiesen hatten (30 Millionen).

"Ronaldinho verlässt Barca in allen Ehren", bedankte sich Barcelonas Club-Präsident Joan Laporta dennoch bei Ronaldo de Assis Moreira (bürgerlicher Name), der großen Anteil an den zwei Meistertiteln (2005, 2006) und dem Champions League-Sieg 2006 gehabt hatte.

ManCity geht leer aus
Der Wechsel nach Mailand war für Ronaldinho eine Herzensangelegenheit. Er schlug ein höheres Angebot des englischen Premier-League-Clubs Manchester City mit einer Ablösesumme von 32 Millionen Euro aus, sein Agent und Bruder Roberto de Assís verzichtete auf seine Transfer-Provision in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro.

"Ich wollte immer zu Milan, entschuldigt, dass es so lange gedauert hat", beteuerte der Profi aus Porto Alegre. Neben Regierungschef, Club-Besitzer und Ronaldinho-Fan Silvio Berlusconi ist auch Trainer Carlo Ancelotti mit dem Transfer zufrieden. "Ronaldinho motiviert uns umso mehr. Wir wollen ihn wieder zum besten Stürmer der Welt machen", verkündete der Milan-Coach.

Auch in Brasilien freut man sich über den Wechsel. Anders als Barcelona wollen die Mailänder den 82-fachen Nationalspieler für die Olympischen Spiele in Peking freigeben. Mit dem Ronaldinho-Transfer hat der Lokalrivale von Meister Inter Mailand sein Einkaufsprogramm abgeschlossen. Man habe daher auch kein Interesse mehr an einer Verpflichtung von Arsenals Emmanuel Adebayor oder Chelseas Andrej Schewtschenko. (apa/red)

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16.7.2008 17:26