Bernhard Kohl erobert die Radsport-Welt:
Österreicher klettert auf Tour-Rang zwei
- Nur 7 Sekunden hinter dem neuen Führenden Schleck
- 26-Jähriger schlüpft ins Trikot des besten Bergfahrers

·Zukunft Bernhard Kohls liegt in Belgien
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Stars aus Österreich
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France 2008 in BILDERN
·'Le Tour' verkommt
zu Doping-Festspielen
Etappensieger Ricco gab
positive EPO-Probe ab
Nur sieben Sekunden haben Bernhard Kohl von einer Top-Sensation für den österreichischen Sport getrennt. Der 26-jährige Radprofi aus Wolkersdorf verpasste auf der 15. Etappe der Tour de France von Embrun zur Bergankunft in Prato Nevoso in Italien (183 km) das Gelbe Trikot des Spitzenreiters, das Max Bulla 1931 als bisher einziger Österreicher getragen hatte, nur um wenige Meter.
Als Gesamt-Zweiter hinter dem neuen Spitzenreiter Fränk Schleck (Luxemburg) durfte sich Kohl aber mit der Übernahme der Führung in der Bergwertung trösten. Er trägt das rot-gepunktete Trikot als erster Österreicher. Tagessieger wurde der Australier Simon Gerrans vor drei Fluchtgefährten und Kohl (+4:03), der als Fünfter die Verfolger anführte. Der ÖRV-Profi durfte bei seiner erst zweiten Tour erstmals zur Siegerehrung. "Ein Wahnsinn, ich bin total überwältigt, das habe ich mir in der Früh erträumt. Das Bergtrikot und Gesamt-Zweiter der Tour, ich kann es noch gar nicht fassen, das ist unglaublich", meinte der ÖRV-Meister von 2006.
Kohl mit Chance auf gelbes Trikot
Der Niederösterreicher hatte im Finish des elf Kilometer langen Schlussanstieg in die 1.440 m hoch gelegene Skistation seine Chance auf Gelb erkannt. Der Australier Cadel Evans vermochte im Gelben Trikot ebenso wie Fränk Schleck dem Tempo eines Quartetts mit dessen CSC-Teamkollegen Carlos Sastre (ESP), Denis Mentschow (RUS), Alejandro Valverde (ESP) und Kohl nicht zu folgen.
Der Gerolsteiner-Profi mit Wohnsitz in Kärnten kurbelte in der Folge mit aller Kraft, wurde zwei Kilometer vor dem Ziel von seinem Fanclub mit seinem Vater Christian vehement angefeuert. "Ich habe im Funk gehört, dass Gelb möglich ist und habe alles gegeben, was in meinem Körper steckt, meine Fans haben mir große Motivation gegeben", sagte Kohl, der nach Rang vier in Hautacam erneut einen Spitzenplatz schaffte.
Evans fällt auf Rang drei zurück
Für das "Maillot Jaune" reichte es aber (vorerst) noch nicht ganz. Evans, der Gesamt-Zweite des Vorjahres, büßte als 13. 4:50 Minuten ein und rutschte um eine Sekunde hinter Kohl auf Rang drei zurück. Doch Fränk Schleck, 2006 Sieger in L'Alpe d'Huez, hielt als Neunter den Rückstand mit 4:41 Minuten etwas geringer und übernahm die Tour-Führung. Erstmals in seiner Karriere und auch dank der Arbeit seiner CSC-Saxo-Bank-Equipe des Dänen Bjarne Riis, die zu Beginn der Steigung mit hohem Tempo die Mitfavoriten aus der Reserve gezwungen hatte und danach durch die Schleck-Brüder und Sastre für ein unrhythmisches Rennen sorgte. "Ich musste Mentschow und Kohl ziehen lassen, ich bin nur ein Mensch, keine Maschine, aber es hat zur Führung gereicht", sagte Schleck.
Kohl war mit Rang zwei nicht unzufrieden. "Vielleicht ist das taktisch gar nicht so schlecht", sagte der Gerolsteiner-Kapitän. Damit ersparte sich die Entdeckung der heurigen Tour - die Premiere im Vorjahr hatte er als 31. beendet (7. Etappenrang) - den Druck des Spitzenreiters und seinem Team die Pflicht, das Rennen zu kontrollieren.
Österreicher erkämpft sich rot-gepunktetes Trikot
Das rot-gepunktete Trikot war mehr als eine Entschädigung. Kohl stockte sein Konto als Sechster auf dem Col Agnel (2.774 m) auf 69 Punkte auf und lag damit schon vor der Bergankunft der ersten Kategorie in Italien uneinholbar in Front. Er übernahm das Kletterer-Trikot, das zuvor sein Teamkollege Sebastian Lang getragen hatte. Davor war der Spitzenreiter dieser Wertung, der Italiener Riccardo Ricco, des Dopings überführt worden.
Vier Ausreißer hatten sich schon nach zwölf Kilometern davongemacht und sie kamen durch. Egoi Martinez (2.), Jose Luis Arrieta (beide ESP/4.), Danny Pate (USA/3.) und Simon Gerrans (AUS) hatten mehr als 16 Minuten Vorsprung herausgeholt - das reichte, um die Asse auf Distanz zu halten.
Oscar Perreiro erleidet schweren Sturz
Auf der Fahrt ins Piemont (Provinz Cuneo) gab es mehrere Ausfälle, auch von prominenten Fahrern. Der Tour-Sieger von 2006, der Spanier Oscar Perreiro erlitt bei einem Sturz über die Leitplanke auf der Abfahrt vom Col Agnel einen Oberarmbruch, der vierfache Etappensieger Mark Cavendish (GBR), der zuvor schon den Giro bestritten hatte, war in Sinne einer guten Olympia-Vorbereitung (Bahnrennen) nicht mehr angetreten und Stijn Devolder (BEL), der Gewinner der Österreich-Rundfahrt 2007, gab auf.
(apa/red)
