Sonntag, 20. Juli 2008

Die Kraft von morgen ist im Aufschwung:
Erneuerbare Energien sind ein Anleger-Tipp

  • Die Branche fährt seit 2002 sagenhafte Gewinne ein
  • FORMAT zeigt, wie man von der Ökoenergie profitiert

Beim großen Nachbarn Deutschland stehen die Zeichen auf Sturm - im positiven Sinne. Denn an der Küste nordwestlich von Helgoland entsteht um eine Milliarde Euro ein neuer Windpark namens "Meerwind", der einmal eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgen soll. Österreich hat mit seinen rund 700 Anlagen, die zum Großteil in der Parndorfer Haide ihre Räder drehen, noch viel aufzuholen. Doch eines zeigen die Investitionen in den Wind: Erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Solar sind schon lange nicht mehr alternativ, sondern eine Alternative zu Öl und Gas.

Generell profitieren erneuerbare Energien - falls effizient gefördert - immer dann, wenn der Ölpreis rasant nach oben schnellt. So erwirtschaftete der PPVX-Index, der sich aus Solartiteln zusammensetzt, im vergangenen Jahr plus 150 Prozent. Seit Auflegung im Oktober 2002 sind es sagenhafte 7.677 Prozent. Im Vergleich dazu schaffte der Amex Oil 2007 nur 17,2 Prozent, auf Fünfjahressicht waren es 149 Prozent. Doch während Öl 2008 noch weiter stieg, stürzten die Solarwerte im ersten Halbjahr um 30 Prozent ab. Max Deml, Chefredakteur von "Öko-Invest": "Der Solaraktien-Index ist viel zu schnell nach oben gegangen, weil durch den Hype der Klimaschutzprodukte in die spärlich vorhandenen Solartitel investiert wurde. Jetzt hat sich die Branche gesundkorrigiert. Langfristig werden erneuerbare Energien noch stark wachsen."

Genügend Energie gebe es aufseiten der Sonne, die im Gegensatz zu den Ölreserven noch Milliarden Jahre vor sich hat. Deml: "Im Prinzip müsste man nur einen kleinen Teil der Sahara mit Solaranlagen vollpflastern, und der Bedarf der gesamten Menschheit wäre abgedeckt. Nur mit der Leitung nach Amerika wird das schwierig." Derzeit ist eine konkurrenzfähige Produktion noch nicht möglich.

Ökofonds für Anleger
Produkte auf erneuerbare Energien sind nicht gerade üppig gesät. Investieren in Einzeltitel wie Solar World, Vestas Wind Systems oder auch Q-Cells ist möglich, besser für Anleger sind jedoch Ökofonds, die eine breite Palette von Aktien zu erneuerbarer Energie im Portfolio haben. Da gilt es allerdings, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn nicht immer ist Öko drin, wenn es draufsteht.

Der "Sarasin New Energy"-Fonds (LU0121747215) setzt auf Wind, Wasser, Biomasse, Sonne und Geothermik und schaffte in den vergangenen drei Jahren eine Rendite von 84,5 Prozent. Im Portfolio finden sich Titel der Solarriesen Q-Cells und Solarworld, des Windturbinenherstellers Vestas Wind Systems, aber auch Aktien des heimischen Wasserkrafterzeugers Verbund. Ähnlich aufgestellt ist der "Vontobel Global Trend New Power"-Fonds (LU0138259048), der es im gleichen Zeitraum auf 94,8 Prozent brachte und vor allem in amerikanische und deutsche Unternehmen investiert, die eine umweltverträgliche und ressourcenschonende Energieproduktion ermöglichen.

Alternativen bei Biotreibstoff
Nachdem Biodiesel und Ethanol aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen in Diskussion geraten sind - laut einer Studie der Weltbank hat die Herstellung von Pflanzen-Treibstoff die Nahrungsmittelpreise um 75 Prozent in die Höhe getrieben -, wird bereits intensiv nach Alternativen gesucht. Zukunftsträchtig sind Algen wegen ihres hohen Ölanteils und der Platz sparenden Aufzucht. Energieexperte Deml: "Von einer kommerziellen Nutzung sind wir wie so oft noch ein paar Jahre entfernt."

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20.7.2008 22:49