Montag, 21. Juli 2008

Neue US-Vorzeigefamilie im NEWS-Porträt: Obama als Wiedergeburt der Ikone Kennedy

  • Auftritt in Berlin, intakte Familienidylle und Jugend
  • Barrack Obama wirbt mit einer neuen politischen Ära

"Er ist einfach cool. Und zwar auf die gleiche Art und Weise, wie es John F. Kennedy war", bringt Geoff Nunberg das Erfolgsrezept des jungen Senators Barack Obama auf einen schlichten Punkt. Nunberg, führender Kommunikationsforscher der USA, analysiert die Auftritte beider: "So wie Kennedy hält Obama während seiner Reden den Körper ruhig, wechselt die Position nicht. Er bewegt nur seine Arme, doch immer dicht am Körper. So strahlt er Sicherheit und Mitgefühl aus." Die Ähnlichkeit mit Ikone JFK sei "frappant".

Obama nützt das geschickt aus: Wie Kennedy wird er nächste Woche in Berlin auftreten. "Ich bin ein Berliner", sagte dieser dort 1962 und schrieb Geschichte. Der Satz stand für die unumstrittene Führungsposition der USA in der freien Welt. Dorthin sehnen sich die Amerikaner zurück. Die Blessuren des Irak-Alleingangs sollen heilen, die Freundschaft aufleben. Am besten mit Obama, den 75 Prozent der Deutschen wählen würden. So des Senators Plan.

Der 47-Jährige war noch nicht geboren, als der 43-jährige John F. Kennedy 1961 als Präsident der USA angelobt wurde. Auch ein Satz aus dieser Rede wurde Legende: "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könntet". - So wie 2008 Obama trieb 1960 eine gigantische Welle der Begeisterung den Senator aus Massachusetts an die Spitze der Supermacht. In der aktuellen Version klingen die Parolen - wie "Wir können es schaffen" - einfacher. Doch wie JFK wirbt Obama mit einer neuen politischen Ära für sich, als Gesicht "einer neuen Generation", die für Bürgerrechte und für internationale Kooperation steht.

JFK Remix 2008
So wie Obama war Kennedy der Parteielite auch lange suspekt. Er wäre der jüngste US-Präsident der Geschichte, der erste Katholik im Amt - zu viel des Risikos, hieß es lange. Wenige Tage vor der Kandidatenkür, am Parteikongress der Demokraten in L. A. im Juli 1960, stand seine Nominierung noch nicht fest. Doch er siegte fulminant und verlagerte seine Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten aus dem Kongressgebäude ins Memorial-Coliseum-Stadion. JFK setzte Maßstäbe. Er war ein Star.

Kein Präsidentschaftskandidat hat seither diesen Schritt gewagt. Obama tut es. Auch er wird seine Kandidatur in einem Sportstadion entgegennehmen. Am 28. August sollen 75.000 Besucher im Invesco Field in Denver die Kür feiern. Es mag sein, dass in Obamas Rede die Worte "Ich habe einen Traum" fallen. Denn am 28. August vor 45 Jahren sagte Martin Luther King diesen legendären Satz. Doch die zentrale historische Anspielung, die Obamas Auftritte fokussieren, bleibt JFK.

Spielende Kinder im Weißen Haus, eine First Lady, die Jackie Kennedys Stil gekonnt zitiert, vor allem die Sehnsucht nach einer Führungsfigur, die mit jugendlicher Leichtigkeit die unerträgliche Schwere von Wirtschaftskrise und Irak-Krieg abwirft. JKFs Erbe ist Obamas Kapital.

"Ein Mann wie mein Vater"
Aufs Podest hob ihn die Einzige, die das konnte: Caroline Schlossberg-Kennedy. Im Jänner schrieb sie in der New York Times unter dem Titel "Ein Mann wie mein Vater", dass nur Barack Obama behaupten kann, der neue John F. Kennedy zu sein. Caroline war drei Jahre alt, als ihr Vater Präsident wurde. Die 51-Jährige überlebte als Einzige der Bilderbuchfamilie bis heute. Ihr Bruder John starb 1999 bei einem Flugzeugabsturz, Jackie 1994 an Krebs. Derzeit managt die Kennedy-Tochter Obamas Kampagne, Onkel Ted Kennedy unterstützt ihn.

Offen bleibt, ob Barack Obama fünfzig Jahre später tatsächlich jene Lücke füllen wird können, die JFK nach seiner Ermordung 1963 hinterließ. Al Gore lobte dessen Fähigkeit, "Millionen von Jugendlichen neu für Politik zu begeistern", und erinnert sich daran, wie er als Jugendlicher durch Kennedy für Politik begeistert wurde.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS 29/08!

21.7.2008 07:26