Obama stellt Konzept gegen den Terror vor:
Al-Kaida in Afghanistan in die Knie zwingen
- Dafür militärisches Engagement im Irak reduzieren
- Klares Bekenntnis zu Politik der militärischen Stärke

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama will im Fall seiner Wahl den Irak-Krieg "verantwortungsvoll" beenden und sich stattdessen auf den Militäreinsatz in Afghanistan konzentrieren. In einer außenpolitischen Rede in Washington bekräftigte er die Absicht, innerhalb von 16 Monaten alle Kampfbrigaden aus dem Irak abzuziehen und mindestens zwei solcher Einheiten zusätzlich nach Afghanistan zu schicken. Weiter will sich Obama um größere Beiträge der Verbündeten in Afghanistan "mit weniger Beschränkungen" bemühen.
Auch Obamas republikanischer Rivale John McCain kündigte im Fall seines Wahlsieges eine "umfassende Strategie" für Afghanistan an. In einer Rede in New Mexico sprach er sich für eine Truppenaufstockung in dem Land um drei Kampfbrigaden aus und für verstärkte internationale Verpflichtungen. "Unsicherheit in Afghanistan ist ein Problem für die Welt, und die Welt sollte die Kosten teilen", sagte McCain. Er beklagte, es gebe keine einheitliche Kommandostruktur in Afghanistan und einige NATO-Länder hätten Restriktionen, wohin ihre Soldaten in Afghanistan geschickt werden könnten. "Das ist keine Art, einen Krieg zu führen", sagte McCain.
"Zeit für verantwortungsvollen Rückzug gekommen"
Obama erklärte in seiner Rede, der Krieg im Irak lenke die USA "von fast jeder Bedrohung ab, mit der wir konfrontiert sind". Er verringere "unsere Sicherheit, unser Ansehen in der Welt, unser Militär, unsere Wirtschaft und die Ressourcen, die wir für die Herausforderung des 21. Jahrhunderts brauchen". Die Zeit für einen "verantwortungsvollen" Rückzug sei gekommen. Obama kündigte im Fall seiner Wahl einen US-Beitrag von zwei Milliarden Dollar (1,25 Mrd. Euro) als Teil eines "bedeutsamen internationalen" Programms zur Unterstützung der mehr als vier Millionen vertriebenen Iraker an.
Es sei nicht hinnehmbar, dass fast sieben Jahre nach den Anschlägen vom 11. September in den USA "die Terroristen, die uns angegriffen haben, noch auf freiem Fuß sind", sagte Obama. Osama bin Laden und sein Stellvertreter Ayman al Zawahiri sendeten Botschaften an ihre Anhänger und planten weitere Terroranschläge. Die Taliban kontrollierten Teile Afghanistans, und das Terrornetzwerk Al-Kaida habe seine Stützpunkte nach Pakistan ausgeweitet. Und trotz allem stünden im Irak fünfmal mehr US-Soldaten als in Afghanistan, sagte Obama weiter.
Krise laut Bush in Afghanistan mit größerem Ausmaß
Nach den Worten von Präsident George W. Bush hat die Gewalt in Afghanistan ein größeres Ausmaß erreicht, als es derzeit im Irak der Fall ist. In Afghanistan sehe es jetzt ähnlich aus wie vor zwei Jahren im Irak, als dort die Gewalt einen Höhepunkt erreichte, sagte Bush bei einer Pressekonferenz in Washington angesichts der Offensive der Taliban in den vergangenen Wochen mit steigenden Opferzahlen. Er bekräftigte zugleich, dass die US-Truppen aus dem Irak entsprechend der Situation im Lande abgezogen würden und nicht auf der Basis eines "künstlichen" Zeitplans.
"Alle Elemente der amerikanischen Macht nutzen"
Als weitere Punkte seiner außenpolitischen Strategie nannte Obama die Sicherung von Atomwaffen und Atommaterial vor Terroristen und sogenannten Schurkenstaaten, wirkliche Energiesicherheit und einen "Neuaufbau unserer Bündnisse, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden". Zum Iran sagte Obama, es solle kein "Werkzeug der Staatskunst" vom Tisch genommen werden, um das Land am Atomwaffenbesitz zu hindern. Er werde "alle Elemente der amerikanischen Macht" nutzen, um das iranische Regime unter Druck zu setzen, erklärte der Senator.
Obama profitiert im Wahlkampf von der Tatsache, dass er den unpopulären Irak-Einsatz von vornherein abgelehnt hatte. Die Rede wie auch die bevorstehenden Besuche im Irak und in Afghanistan werden von Beobachtern als Versuch Obamas gewertet, sich den Wählern als künftiger Oberbefehlshaber vorzustellen. Einer in der "Washington Post" veröffentlichten Umfrage zufolge gibt es unter den Wählern nämlich noch Zweifel an Obamas militärischer Kompetenz. Nur 48 Prozent der Befragten sagten, sie könnten sich Obama als guten Oberbefehlshaber vorstellen. 72 Prozent sagten dies hingegen von seinem republikanischen Gegenkandidaten, einem Vietnam-Veteran. 47 Prozent sagten, sie hielten eher McCain für fähig, mit dem Irak-Krieg umzugehen. Nur 45 Prozent sagten dies von Obama.
Allerdings führt der Demokrat weiter klar in den Umfragen zur Präferenz bei der Präsidentschaftswahl. In einer Erhebung des Instituts Quinnipiac kam Obama auf 50 Prozent Zustimmung, McCain nur auf 41 Prozent.
(apa/red)
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