Sonntag, 20. Juli 2008

Al-Maliki kritisiert Obamas Abzugspläne:
Irakisches Verwirrspiel um Medienberichte

  • Angebliche Zustimmung des Premier wird dementiert
  • Falsche Übersetzung sei an Spiegel-Bericht schuld

Ein irakischer Regierungssprecher hat einen Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zurückgewiesen, wonach Ministerpräsident Nuri al-Maliki den Plan des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama für einen Truppenabzug unterstütze. Maliki stehe persönlich nicht hinter einem konkreten Zeitrahmen für den Abzug der US-Soldaten, teilte Sprecher Ali al-Dabbegh in Bagdad mit.

Laut dem "Spiegel" hatte Maliki Obamas Absicht, die US-Truppen binnen 16 Monaten aus dem Irak abzuziehen, mit den Worten kommentiert: "Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten." Die US-Soldaten sollten das Land "so bald wie möglich" verlassen, sagte Maliki demnach weiter.

Missverständnis
Das Magazin habe Maliki jedoch missverstanden, sagte Dabbegh. Es sei "falsch übersetzt" worden. Der Regierungschef unterstütze lediglich generelle Abzugspläne auf der Grundlage von Gesprächen mit Washington und der Sicherheitslage im Irak. Erklärungen des Regierungschefs oder anderer Kabinettsmitglieder dürften nicht als Unterstützung "für welchen Kandidaten" auch immer im Rennen um die US-Präsidentschaft verstanden werden, betonte der Sprecher.

Das Wahlkampflager Obamas hatte die Interview-Äußerungen Malikis begrüßt. Dagegen erklärte das Weiße Haus, es habe nach Bekanntwerden des Interviews Kontakt mit Malikis Büro aufgenommen. Ein Sprecher des scheidenden republikanischen Präsidenten George W. Bush sagte, der irakische Premier sei nach wie vor der Meinung, dass eine Entscheidung über einen Truppenabzug auf einer Verbesserung der Sicherheitslage basieren müsse. Der Senator und Präsidentschaftskandidat der Demokraten Obama traf am Samstag in Afghanistan ein, nächste Station seiner derzeitigen Auslandsreise sollte der Irak sein.
(apa/red)

20.7.2008 10:09