Macht und Einfluss der Kronen Zeitung:
Herausgeber Hans Dichand macht Politik
- Bereits mehrfach wurden Politiker medial hingerichtet
- SPÖ suchte zuletzt Kooperation, ÖVP Konftrontation

·"Krone ist so typisch wie Trabi für die DDR"
Ex-Bild-Chefredakteur über Politik & Boulevard
·Die Hauptschuldige ist hiermit gefunden
"Krone" laut Plassnik für
EU-Skepsis verantwortlich
Wenn man den Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl in der "Krone" blättern sieht, ist das eigentlich nichts Ungewöhnliches. Vor allem dann nicht, wenn es Jörg Haider, Helmut Zilk und Erwin Pröll auch tun. Und ganz bestimmt dann nicht, wenn es im Zuge einer Werbekampagne der "Kronen Zeitung" passiert. Für eine solche standen die oben genannten Herren nämlich im vergangenen Jahr als Testimonials zur Verfügung. Das aber nicht ganz freiwillig, denn die Plakatsujets waren Fotomontagen - eine Zustimmung der Politiker gab es nicht, Klagen aber auch nicht.
Schon damals zogen Medienexperten den naheliegenden Schluss, dass es sich selbst mächtige Politiker im Land mit der einflussreichsten Tageszeitung nicht verscherzen wollen. Das ist bezeichnend für Österreich, für die Verzahnung von Medien und Politik, und ein Ausdruck des seit fast 50 Jahren gewachsenen Verhältnisses zwischen "Krone"-Herausgeber Hans Dichand und dem politischen System. Denn regelmäßige Treffen mit dem 87-jährigen Herausgeber gehören quer durch alle politischen Couleurs zur guten Gepflogenheit. Der neue SPÖ-Chef Werner Faymann ist also nicht der einzige Politiker, der mit Herrn Dichand bei Kaffee und Kuchen über die Lage der Nation und womöglich auch der eigenen Partei spricht. Ein SPÖ-Politiker fragt gar provokant: "Wen, glauben Sie, hat Wilhelm Molterer nach dem Platzen der Koalition getroffen?"
Publizistische Dichand-Kampagnen
In Österreich ticken manche Uhren anders. Dichands publizistische Kampagnen für oder gegen politische Projekte oder Personen sind so legendär wie gefürchtet. Beispiele gibt es viele: So wurden Ex-ÖVP-Chef Erhard Busek und der ehemalige SPÖ-Innenminister Caspar Einem wegen ihrer liberalen Haltung regelrecht medial hingerichtet. Auch der ehemalige ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel musste sein schwarz-blaues Projekt gegen den Willen Dichands, der sich im Jahr 2000 mit allen Mitteln für eine große Koalition eingesetzt hatte, durchsetzen. Und das durchaus erfolgreich, weshalb auch Schüssel bis heute als Beweis dafür gilt, dass eine Politik gegen die "Kronen Zeitung" auch in Österreich möglich ist.
Umgekehrt verteilt Dichand aber auch seitenweise Bestnoten an seine Lieblinge: Diese Ehre wurde Jörg Haider, Karl-Heinz Grasser, den "Rebellen" Hans-Peter Martin (der eifernde EU-Kritiker ist - obwohl Abgeordneter - Kolumnist der "Krone") und besonders auch Leserbriefschreiber Faymann zuteil. Mit zuletzt besonderem Effekt: Sein EU-Schwenk via "Krone" gipfelte in einer Staatsaffäre, Neuwahlen waren das so nicht geplante Ergebnis.
ÖVP auf Konfrontationskurs
In der ÖVP ist man seit Schüssels erfolgreichem Kampf gegen den Herausgeber in der Muthgasse selbstbewusster geworden: "Wir nehmen Dichands Meinung zur Kenntnis, halten sie aber für falsch", gibt ein ÖVP-Mitarbeiter trotzig die Wahlkampflinie der Schwarzen vor. Allerdings war der damalige Konfrontationskurs Schüssels gegen die "Krone" nur deswegen erfolgreich, ist der Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell überzeugt, weil Schüssel die gesamte Volkspartei geschlossen hinter sich wusste. Wenn das nicht der Fall ist - wie im Fall Busek oder Einem -, sei ein Kampf gegen die "Krone" nur schwer zu gewinnnen.
Krone-Unterstützung für SPÖ
Molterer gegen die "Krone". Das weiß auch Kanzlerkandidat Molterer. Denn der auflagenstärksten Tageszeitung des Landes dürfte im kurzen Wahlkampf 2008 eine wahlentscheidende Bedeutung zukommen. Das Blatt, das täglich bis zu drei Millionen Leser erreicht und über 40 Prozent Reichweite verfügt, lässt keinen Zweifel daran, dass SPÖ-Chef Faymann der neue Kanzler werden sollte. Beinahe täglich wird die ÖVP im Allgemeinen und Außenministerin Ursula Plassnik im Speziellen (siehe Kasten links unten) für ihre klare Pro-EU-Linie abgestraft. Für den schwarzen Wahlkampfmanager Hannes Missethon kein Grund, in Ehrfurcht zu erstarren. Er traut den Wählern zu, den Kampagnen-Journalismus Dichands zu durchschauen: "Die Wähler haben ein gutes Grundgespür für das, was richtig und was falsch ist." Und Ex-ÖVP-Chef Busek meint, dass die Macht der "Krone" "als Amtsorgan des Populismus" überbewertet wird: "Würde die Politik tatsächlich Politik machen, bräuchte sie sich nicht vor der, Krone' in den Staub zu werfen."
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