"Rache mit Strache ist möglich": FPÖ-Chef H.-C. Strache im Interview mit FORMAT
- "Österreicher kommen zuerst, dann EU-Bürger"
- "Jede Stimme für eine Kleinstpartei ist verloren"

·Im Wahlkampf setzt
Strache auf Bewährtes
FORMAT: FPÖ hat Erfolg mit einfachen Antworten
H.-C. Strache und seine FPÖ befinden sich laut Meinungsumfragen seit längerem im Aufwind. Im Gespräch mit FORMAT erläuterte der Parteichef der Freiheitlichen seine Vorstellung von zwei Ausländerkategorien, seine Ziele bei den Wahlen und was für eine Bedeutung die Bibel hat.
FORMAT: Herr Strache, bei der EURO haben Hunderttausende erlebt, dass gelebte Integration - Stichwort Ümit Korkmaz - funktioniert. Das klang uns eher nach "Daham UND Islam".
Heinz-Christian Strache: Damit kann ich wenig anfangen. Der Islam ist nicht in Europa beheimatet. Ich habe Tausende Dokumentationen, dass Bürger Probleme sehen. Aber: Selbstverständlich kann Integration funktionieren. Es gibt Menschen, die sich anpassen, hier arbeiten, die Sprache lernen und dann am Ende einer erfolgreichen Integrationsleiter zu Recht die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten.
FORMAT: "Daham UND Islam" geht also nicht?
Strache: Schon, sofern sie sich anpassen. Es kann aber nicht sein, dass ein Religionskrieg zu uns getragen wird, dass hier Hassprediger zum Dschihad aufrufen. Zu Gebetsräumen und Religionsfreiheit sage ich ja, aber Moscheen mit Minaretten sind selbstverständlich kulturfremd. Eine Studie der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop hat gezeigt, dass mehr als 50 Prozent der Menschen mit islamischem Ursprung nicht integrationswillig sind. Deshalb sagen wir, es braucht soziale Verantwortung für Österreicher zuerst.
Menschen zweiter Klasse
FORMAT: Nehmen Sie auch EU-Bürger aus der sozialen Verantwortung aus?
Strache: Österreicher kommen zuerst, dann EU-Bürger und danach Bürger von Staaten außerhalb der EU. Für Rot und Schwarz sind Staatsbürger mittlerweile Menschen zweiter Klasse, für uns ist das nicht so. Staatsbürger sollen besondere Rechte haben, weil sie auch besondere Pflichten haben. Diese Differenzierung soll bei allen sozialen Sonderleistungen festgeschrieben werden.
FORMAT: Sie wollen eine eigene Krankenversicherung für In- und Ausländer. Sollen auch Wissenschaftler und Manager aus der EU weniger Leistung erhalten?
Strache: Es braucht drei unterschiedliche Modelle. Jeder, der zu uns kommt, muss erst mal eine Zeit lang arbeiten. Und je länger er hier ist, je länger er arbeitet und je mehr er einzahlt, desto mehr Anspruchsrechte erhält er bis zur Staatsbürgerschaft.
FORMAT: Sollen die Beiträge für Ausländer trotz niedrigerer Leistung gleich hoch wie jene von Österreichern sein?
Strache: Selbstverständlich. Sie erhalten ja auch die hochwertigste Leistung. Sie kommen ja zu uns, weil sie hier Vor- und keine Nachteile haben. Aber unser System ist heute leider so missbrauchsanfällig, dass die Leute wie die Motten vom Licht angezogen werden und von unserem Sozialsystem profitieren wollen, ohne etwas leisten zu müssen.
Christliche Werte
FORMAT: Woran ist die große Koalition gescheitert?
Strache: Sowohl ÖVP als auch SPÖ haben ihre Werte verloren. Die sogenannte christlich-soziale Partei hat heute weder mit christlich noch mit sozial etwas zu tun.
FORMAT: Mit den christlichen Werten hat es die FPÖ aber auch nicht so.
Strache: Aber sehr wohl. Wir halten das Prinzip der christlichen Nächstenliebe sehr hoch. Denn die Nächstenliebe beginnt ja beim Nächsten, der Familie und der eigenen Bevölkerung, und nicht beim Übernächsten. Und wenn dann noch Geld übrig bleibt, kann man gerne auch andere unterstützen. So wie es in der Bibel steht.
FORMAT: In der Bibel wurde aber nicht nach dem Reisepass unterschieden.
Strache: Da hat es noch keine Reisepässe gegeben, aber es war auch der Nächste im direkten Umfeld gemeint.
FORMAT: Warum ist so wenig über die Eckpunkte der blauen Wirtschaftspolitik bekannt?
Strache: Also entschuldigen Sie, wir haben ein herrliches Wirtschaftsprogramm. Die anderen Parteien beginnen schon wieder, von uns abzuschreiben. Unser Motto lautet: Leistung muss sich wieder lohnen. Es kann nicht sein, dass kleine und mittlere Unternehmen im Wettbewerb mit den Global Playern kaum mehr mithalten können, weil die großen steuerpolitisch bevorzugt werden. Deshalb fordern wir Investitionsbegünstigungen, eine Abschaffung von Mindestkörperschafts- und Bagatellsteuern oder steuerfreie Betriebsübergaben.
"Rache mit Strache"
FORMAT: Wie viele Stimmen wird Ihnen Dinkhauser wegnehmen?
Strache: Jede Stimme für eine Kleinstpartei ist eine verlorene Stimme. Dinkhauser ist eine Eintagsfliege, wie Hans-Peter Martin oder das BZÖ.
FORMAT: Da hätte man die FPÖ bei den letzten Wahlen auch nicht wählen dürfen.
Strache: Ganz im Gegenteil. Wir sind schon bei den letzten Wahlen eine politische Kraft gewesen. Dinkhauser mag ein regionales Phänomen sein, aber auf Bundesebene gibt es den H.-C. Strache, der sozialer Rebell ist. Ich sage: Rache mit Strache ist möglich.
FORMAT: Wie lautet Ihr Wahlziel?
Strache: Wir wollen so stark wie möglich sein, ein Zweier vorne wäre gut für Österreich.
Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen FORMAT 08/29!
Norbert Wicki14:21
Der Buwog-MythosDer Schweizer Vermögensberater hatte neben Grasser weitere Kontakte in Österreich
Wikileaks14:25
Rückschlag für AssangeGericht fällt Entscheidung: Internet-Aktivist darf nach Schweden überstellt werden
U-Ausschuss Korruption14:59
Eklat um Tetron-AktenInnenministerium vergaß auf Übermittlung. Befragungen bis auf Weiteres beendet
