Sonntag, 20. Juli 2008

"Lasse mich nicht vor den Karren spannen":
Fritz Dinkhauser im Alleingang zum Erfolg

  • "Bürgerforum Österreich" mit bis zu 12% an Stimmen
  • NEWS: ÖVP-Rebell könnte Dreierkoalition ermöglichen

Fritz Dinkhauser zeichnet für sich, was die Nationalratswahl angeht, das markige Bild eines Extrembergsteigers im Himalaja-Massiv: "Das ist wie der Aufstieg auf den Nanga Parbat auf 8.125 Meter Höhe, aber ohne Sauerstoff und mit Halbschuhen! Ein Wahnsinn …" Ein paar Tage noch gibt er sich selbst Zeit, wirklich geeignete Sherpas zu finden für den Gipfelsturm ins Wiener Parlament. Der in Brüssel wie Straßburg so gefürchtete EU-Rebell Hans-Peter Martin ist "trotz weiter sachlicher Übereinstimmung" nicht wirklich ein solcher, "weil er sein Mandat im EU-Parlament halten will".

Die Ärzte-Plattform im Raum Wien, Bürgerinitiativen im Burgenland, in der Steiermark, in Oberösterreich und in Salzburg schon eher. Sowie die Plattform "Rettet Österreich" (Sprecher: Karl Nowak, Mödling) mit angeblich 240.000 Sympathisanten. Dinkhauser: "Was alle wissen müssen, die Martins, Nowaks und alle die anderen: Vor einen Karren spannen lasse ich mich nicht! Aber wenn sie mich unterstützen wollen, nehme ich das gerne an. Denn sie alle sind Demokratiebewegungen, die man nicht unterschätzen darf. Meine Sympathien haben sie jedenfalls."

"Große" Hilfe für den Rebellen?
Ab Ende Juli gilt es für Dinkhauser, in Österreich 2.600 beglaubigte Unterstützungsunterschriften aufzutreiben. In Tirol schaffte Dinkhauser im Frühjahr allein knapp 1.000 für den Landtag: "Das hat mir damals auch niemand zugetraut. Warum sollt's nit no amol gelingen?" Sogar von Unterschriften dreier Nationalräte für ihn ist die Rede: "Das dürft kein Problem sein, weder bei ÖVP noch SPÖ, zuletzt haben die Grünen Tirols so der KPÖ die Kandidatur ermöglicht. Also sollt es manchem nit so schwerfallen." Die Vorleistung dazu dürfte, zumindest für die ÖVP zwecks allfälliger Regierungsbildung, schon erbracht sein: "Ohne den Martin" sei die Liste Dinkhauser durchaus "für uns eine Option", hört man in der Wiener ÖVP-Zentrale. "Mit dem Martin natürlich nicht."

Die Schiene ist offenbar gelegt. Dinkhauser hat nach seinem Tiroler Sensationserfolg sein "Bürgerforum" behördlich längst republikweit angemeldet. Sein Einzug in den Nationalrat ist durch die schon fixe Kandidatur allein in Tirol klar. Nur ein (relativ sicheres) Grundmandat bringt ihm im Reststimmenverfahren zusätzlich bis zu vier Sitze. Kandidiert er indes österreichweit, trauen ihm Meinungsforscher mindestens sechs Prozent (acht NR-Sitze), vielleicht sogar bis zu zwölf Prozent an Stimmen zu - das ergäbe bis zu 20 Mandate. Dann ist Dinkhauser tatsächlich auf dem Regierungsspielfeld. Als Ermöglicher von Dreierkoalitionen. Etwa für Schwarz-Grün. Was einflussreiche ÖVP-Länderkreise, wie etwa Niederösterreich, mit größter Sympathie sehen würden.

Auch Gegenstimmen aus der ÖVP
Allerdings, es gibt schon erste schwarze Störmanöver. Just der niederösterreichische ÖAAB-Chef und 2. Nationalratspräsident Michael Spindelegger empfahl Dinkhauser, der nach wie vor ÖVP-Mitglied ist, Dienstag früh, seine Parteimitgliedschaft aufzugeben und die ÖVP zu verlassen. Dinkhausers resche Antwort: "Er ist zwar Präsident, aber nicht der liebe Gott! Er soll besser an seine eigene Vergangenheit als ÖVP-Revoluzzer, seinerzeit in Maria Plain gegen Alois Mock, denken. Es ist also höchst überflüssig, was Herr Spindelegger da so sagt!"

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20.7.2008 07:19