"Pflege absichern wie einen Beinbruch": Helfer fordern Konzept für leistbare Pflege
- Caritas-Chef Küberl: Zuschuss für alle Betroffene
- ÖVP: Sozialminister treibt Familien in die Armut

·ÖVP wittert Versagen der SPÖ bei Pflege
Studie zur Evaluierung des 24-Stunden-Modells
·Mehr Kompetenzen für 24-Stunden-Pflege
NR: Betreuer dürfen bald auch füttern und spritzen
Die Kritik an einer unzureichenden Finanzierung der 24-Stunden Pflegebetreuung daheim hält weiter an. Die ÖVP urgiert den Fall der Vermögensgrenze, die FPÖ bekräftigte ihre Forderung nach einer bundesweiten Genossenschaft für unselbstständige Pfleger. Caritas-Präsident Franz Küberl will eine erschwingliche Pflege für jene 95 Prozent der Betroffenen, die nicht 24 Stunden, sondern nur acht oder zwölf Stunden täglich Betreuung brauchen. Diakonie-Direktor Michael Chalupka fordert eine Lösung und keine leeren politischen Versprechungen.
Die Grüne Seniorensprecherin Sabine Mandak warf den Ländern grobe Säumigkeit beim Ausbau des Pflege- und Betreuungsangebots vor. Der Bund sei über den Finanzausgleich zwar Zahlmeister, habe aber keine Ahnung, ob die Länder ihr Betreuungsangebot überhaupt ausweiten und vernetzen.
ÖVP-Sozialsprecher Werner Amon kritisierte neuerlich SP-Sozialminister Erwin Buchinger, die Familien in die Armut zu treiben, anstatt sie zu entlasten. Das starre Festhalten an Vermögensgrenzen zeige, dass Buchinger eine unsoziale und herzlose Politik betreibe. Offenbar müssten Familien erst zu Sozialfällen werden, bevor sie Förderung und damit soziale Sicherheit erhalten.
SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp kontert, die ÖVP habe die Forderung der Sozialdemokraten nach Erhöhung des Pflegegeldes "wie so oft blockiert".
Caritas: Pflege für alle Betroffene
Caritas-Präsident Franz Küberl fordert die Regierung auf, ihre Hausaufgabe zu machen: Nämlich Pflege auch für jene 95 Prozent der Betroffenen erschwinglich zu machen, die nicht 24 Stunden, sondern zum Beispiel acht oder 12 Stunden täglich Betreuung - und damit Zuschuss brauchen. Küberl will erreichen, dass Pflege und Betreuung als Lebensrisiko betrachtet wird, "das in derselben Weise abgesichert sein muss wie ein Blinddarmdurchbruch oder einen Beinbruch zu erleiden", sagt er im Ö1-Morgenjournal.
Diakonie: Lösungen statt Versprechungen
Langfristig und gesamthaft zu denken verlangt auch die evangelische Diakonie von den Politikern. Direktor Michael Chalupka ruft dazu auf, im neuen Wahlkampf keine Versprechen zu machen, sondern an einem Gesamtkonzept für eine leistbare Pflege für alle zu arbeiten - auf verschiedenen Stufen, von einer Tagesbetreuung bis hin zu einer Betreuung in der Nacht und im Extremfall 24 Stunden. "Da erwarte ich mir Lösungen von den politischen Parteien und keine leeren Versprechungen."
Volkshilfe: Pflegegeld erhöhen
Ähnlich sieht es auch Geschäftsführer Erich Fenninger von der SPÖ-nahen Organisation Volkshilfe. Die Regierung solle gleich etwas für alle knapp 400.000 Pflegegeldbezieher tun, nämlich die Summen erhöhen. Da seien die Rund-um-die-Uhr-Betreuungsfälle dann ohnehin inbegriffen. "Mehr Geld für die Pflegebedürftigen, mehr Unterstützung für die pflegenden Angehörigen, und Ausbau der mobilen Dienste durch die Finanzierung der Länder", fordert Fenninger.
Hilfswerk: Eine Frage des Willens
Und auch die Ideen von Walter Marschitz vom ÖVP-nahen Hilfswerk gehen eher in Richtung Gesamtpaket: "Ich könnte mir vorstellen, dass man ein Pflegepaket außer Streit stellt." Marschitz verweist auf Vorarbeiten zur Erhöhung des Pflegegelds für Demenzkranke und behinderte Kinder, was alle Beteiligten wollten. "In dem Zusammenhang könnte man auch die Förderung anpassen." Das sich das in der Nationalratssitzung im September noch ausgeht, sei "nur eine Frage des guten Willens", so Marschitz.
Seitens des Sozialministeriums hieß es, dass man die Studie über die Förderungen erst Ende Juli präsentieren werde. SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha meinte, die für 24. September angesetzte Nationalratssitzung biete die Gelegenheit, die versprochene Pflegegelderhöhung noch vor der Auflösung des Nationalrats zu beschließen. Die Erhöhung sei für 400.000 Pflegegeldbezieher, die zu 90 Prozent von ihren Angehörigen betreut werden, unerlässlich und müsse "zwischen fünf und neun Prozent betragen". (apa/red)
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