Montag, 14. Juli 2008

Österreicher bleiben weiterhin EU-Muffel:
Laut aktuellster Umfrage sogar Schlusslicht

  • Nur 28 Prozent bescheinigen Union "positives Image"
  • Kommissions-Vertretung spricht von "Feuer am Dach"
    PLUS: Wie halten Sie es mit der Europäischen Union?

Die Vertretung der EU-Kommission in Österreich sieht angesichts der Ergebnisse der letzten Eurobarometer-Umfrage "allen Grund für sofortiges Handeln", um ein besseres Verständnis für Europathemen zu erreichen. Die Umfrage aus dem Frühjahr hatte unter anderem ergeben, dass nur 28 Prozent der Österreicher der EU ein "positives Image" zuschrieben, was innenpolitisch für gehörigen Wirbel gesorgt hatte. Es sei "Feuer am Dach", die Politik müsse der Bevölkerung "sachlich fundierte Informationen geben", sagte Karl Georg Doutlik, Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich, bei der offiziellen Präsentation der Studie.

Die Studienautoren beklagten, dass die Ergebnisse in der öffentlichen Wahrnehmung auf nur diese eine Zahl der Bewertung des Images der EU reduziert worden seien. Außerdem müsse man die Zeit der Befragung beachten (März und April dieses Jahres), damals sei die Debatte um eine Volksabstimmung des EU-Vertrages von Lissabon auf dem Höhepunkt gewesen.

Interpretationskorrektur vonnöten
Bei den 28 Prozent handle es sich lediglich um die Frage des Images der EU, betonte Harald Pitters vom Gallup-Institut, das die Umfrage durchgeführt hatte. Dies sei in der öffentlichen Diskussion in die Frage der Zustimmung zur EU umgedeutet worden, was ihn schon sehr verwundert habe.

Experten: "Stimmung schon schlecht"
Gleichzeitig wolle man freilich nichts beschönigen, so die Experten. "Die Stimmung ist schon schlecht", sagte Pitters. Allerdings verwies er wie auch Studienautorin Heike Hausensteiner darauf, dass die Österreicher "stabil skeptisch" seien. Für Doutlik ist "Feuer am Dach", vor allem angesichts der im Herbst anstehenden Neuwahlen und der EU-Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Hier müsse "Sacharbeit geleistet werden", um dem Informationsdefizit der Bevölkerung etwas entgegenzusetzen. Auch Pitters befürchtet, dass sich der Trend angesichts des bevorstehenden Wahlkampfes bis Herbst nicht umkehren wird.

Österreich generell "rote Laterne" in EU-Umfragen
Die Frage des Images ist laut Pitters allerdings die einzige, bei welcher Österreich das Schlusslicht innerhalb der EU-Staaten bilde. In allen anderen Fragen liege Österreich an dritt- oder viertletzter Stelle. Auch bei der Frage, ob die EU-Mitgliedschaft eine gute Sache sei, liegt Österreich mit lediglich 36 Prozent Zustimmung (minus 2 Prozent gegenüber Herbst 2007) an viertletzter Stelle. Noch schlechter bewerten dies lediglich die Ungarn (32 Prozent), Briten (30 Prozent) und die Letten (29 Prozent). An der Spitze liegen die Niederlande, dort halten 75 Prozent der Bevölkerung die Mitgliedschaft in der Union für eine "gute Sache", gefolgt von Irland und Luxemburg (je 73 Prozent). Der Schnitt der EU-27 liegt bei 52 Prozent. (apa/red)

14.7.2008 13:12