Freitag, 17. Oktober 2008

Er bringt Bewegung in die Architektur: Toyo Ito mit Friedrich-Kiesler-Preis ausgezeichnet

  • Vitionär: Auf dem Weg zur Architektur der Dynamik
  • Nachhaltigkeit statt Orientierung an Trends & Moden

Der japanische Architekt Toyo Ito wurde mit dem Friedrich Kiesler Preis 2008 geehrt. Ito gilt als Architekt, der sich der Übersetzung von kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen im Medium Architektur verschrieben hat, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Für Wien als "Bauherrin" bedeute dies eine "Erinnerung, auch eine Mahnung" zu einer mutigen Architektur-Politik.

Sein Wunsch sei stets, "die Architektur der Stabilität in eine Architektur der Dynamik" zu verwandeln, betont Ito, der das Preisgeld von 55.000 Euro zum Aufbau eines Kommunikationszentrums für junge Architekten in Japan verwenden will. Das Werk Friedrich Kieslers hat ihn schon vor langer Zeit beeindruckt. Es beinhalte "eine Erweiterung der menschlichen Sinne", die damals ohne Computer kaum vorstellbar waren. "Er hat unsere heutige Zeit vorhergesehen".

Auf dem Weg zur Bewegung
Wie damals Kiesler setzt auch Toyo Ito "nicht auf unmittelbare Wirkung in Trends und Moden, sondern auf Nachhaltigkeit", zieht der Secessions-Präsident Andras Palffy Parallelen. Das "klassische Verständnis von Funktion" erfährt in seinen Bauten einen Wandel, er löst Hierarchien auf, um "Räume konzeptuell mehrdeutig zu definieren".

Besonders deutlich wird seine "Forderung nach architektonischer Flüssigkeit" in seiner Mediathek in Sendai, die in ihrer Elastizität einmalig sei. "Ito sind vor allem jene Regeln wichtig, denen das Wohnen und Benutzen von Raum unterliegt." Sowohl in seinen Bauten als auch in seinen Theorien, gehört Itos Werk damit "zum Einschlägigsten und Avanciertesten unserer Zeit".

Bisherige Lebensstationen
Ito wurde 1941 im von Japan annektierten Korea geboren, schloss sein Studium der Architektur 1965 an der Universität Tokio und gründete 1971 sein eigenes Büro. Zu Beginn seiner Karriere entwarf Ito zahlreiche Privathäuser, etwa 1976 für seine Schwester das Gebäude "White U" mit U-förmigem Grundriss, das nur für eine bestimmte Lebenssituation - die Trauer um ihren verstorbenen Mann - gebaut und 1998 wieder abgerissen wurde.

In Tokio hinterließ er seine Handschrift etwa 1986 mit dem "Tower of Winds", einem Belüftungsturm, der nachts zu einer Lichtskulptur wird, die die Daten über Lärm- und Windverhältnisse abbildet. Seither gestaltete Ito auch zahlreiche kulturelle Gebäude, wie das Matsumoto Performing Arts Center in Nagano (2004) oder den Serpentine Gallery Pavillon in den Londoner Kensington Gardens (2004), und ist derzeit mit der Planung des Taichung Metropolitan Opera House beschäftigt. (apa/red)

17.10.2008 12:47