Erste César-Retrospektive in Paris: Jean Nouvel bringt sich in Fondation Cartier ein
- Zum zehnjährigen Todestag des Bildhauers César
- Vergrößerungen von Daumen, Brüsten und Händen
·Aus dem Drang zum kreativen Experiment
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Zum zehnjährigen Todestag des französischen Bildhauers César hat die Pariser Fondation Cartier den Stararchitekten Jean Nouvel gebeten, erstmals eine Ausstellung zu kuratieren. Unter dem Titel "César. Anthologie von Jean Nouvel" hat der französische Architekt 87 Arbeiten ausgewählt, die einen Überblick über das Gesamtwerk des Objektkünstlers geben.
César schweißte Schrottteile zu fantasievollen Plastiken zusammen; zuletzt mischte er mit seinen farbigen Kunststoffbrüsten die internationale Künstlerszene auf. Nouvel war ein enger Freund des Künstlers, der eigentlich César Baldaccini hieß und die nach ihm benannte Trophäe des französischen Filmpreises geschaffen hat. Die bis zum 26. Oktober dauernde Ausstellung ist die erste große Retrospektive seit dem Tod des Künstlers im Jahr 1998.
"Wir gingen öfters zusammen auf Urlaub. Ich war sein Küchenjunge. Seine große Spezialität waren Spaghetti mit Basilikum", erklärte der Architekt, der vor wenigen Monaten für sein Lebenswerk mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Nouvel und César diskutierten jedoch nicht nur über Kochrezepte, sondern auch über die Skulpturen des Bildhauers. Eine Arbeit, die für Nouvel von "einzigartiger Ausdruckskraft" ist und das Konzept eines "Tausendsassas" widerspiegelt, der sich damit amüsierte, mit verschiedenen Materialien und Techniken gleichzeitig zu spielen.
Filigrane Zwitter-Insekten
Aus diesem Grund ist die Ausstellung nicht chronologisch aufgebaut, sondern nach Objekttypen untergliedert. Sie beginnt mit seinen filigranen und eisernen Zwitter-Insekten aus den 1950er Jahren, bevor sie zu seinen "Empreintes" und "Expansions" übergeht, Vergrößerungen von Körperteilen wie Daumen, Brüste und Hände. Höhepunkt sind jedoch seine spektakulären "Compressions dirigées", durch eine Metallpresse zusammengedrückte Autokarosserien und -teile. Mehr als 15 dieser zu großen Paketen zusammengedrückten Autos stehen im Untergeschoß der Stiftung in Reih und Glied hintereinander, wie Soldaten beim morgendlichen Appell.
Nouvel kennt jeden Winkel der Stiftung, denn er hat 1994 die mehrstöckige Glas- und Metallkonstruktion entworfen. "Ich kenne das Gebäude auswendig", erzählte Nouvel weiter. Auch der etwas verwilderte Garten wurde als Ausstellungsraum benutzt, in dem für mehr als drei Monate nicht mehr nur Kastanienbäume stehen, sondern auch ein bis zu sechs Meter hoher Bronzedaumen und mehr als 500 Papierballen aus Zeitungspapier. Die Szenografie ist klar und spielt mit der Transparenz des Gebäudes, ein Markenzeichen Nouvels.
César nahm in der Geschichte der Fondation eine wesentliche Rolle ein. Er schlug dem heutigen Direktor des Museums, Alain-Dominique Perrin, zu Beginn der 80er Jahre die Gründung eines "freien und andersartigen" Ausstellungsortes vor. Dieser Vorschlag wurde 1994 schließlich in Form der heutigen Fondation umgesetzt. Bereits die erste Eröffnungsausstellung war César gewidmet. (APA/red)
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