Adieu Gusi: 'Ach Alfred, sei nicht böse'
- Der Kurzzeit-Kanzler im NEWS-Check

Abschied. Alfred Gusenbauers Ex-SP-Geschäftsführer Josef Kalina schreibt über seine bewegten Zeiten mit dem Kanzler.
Ach Alfred! Was waren das für herrliche drei Monate. Vom Oktober bis in den Dezember 2006. Du und die Partei: zwei Herzen im Dreivierteltakt. Davor so manche Rhythmusstörung. Da ein Bypass, dort ein Schrittmacher, dann liefs wieder eine Zeit. Danach jagt ein Infarkt den anderen. Und jetzt: Herzstillstand. Aus.
Leicht habt ihr es euch nie gemacht, ihr beide. Und Liebesheirat war es wahrlich keine, als du im März 2000 nach dreißigjähriger ununterbrochener Kanzlerschaft als erster Parteivorsitzender die Bewegung auf die harten Oppositionsbänke führen musstest. Caspar hin, Karli her, du hast die SPÖ vor weiteren Spaltpilzen bewahrt, du bist die finanzielle Sanierung energisch angegangen und hast einen Kurs genommen, der es der SPÖ ermöglicht hat, eine Wahl nach der anderen zu gewinnen. Darunter historische Erfolge wie Salzburg und Steiermark sowie der Einzug Heinz Fischers in die Hofburg.
Die verpatzte Generalprobe 2002 lag weniger an der biederen Kampagne und schon gar nicht an Wolfgang Schüssel, der gerade zum zweiten Mal eine Wahl vom Zaun brach. Aber gegen den Grasser-Effekt und die Neugier der Wähler darauf, dass die doch einmal zeigen sollen, was sie können, war kein Kraut gewachsen. Dann unsere gemeinsame Aufholjagd, deine Startklar-Tour, in der du zeigtest, was in dir steckt.
Fatale Fehleinschätzungen. Dann ein Schicksalsschlag nach dem anderen: zuerst die Bawag-, dann die ÖGB-Pleite. Streikfonds weg, Ehre hin. Und schon damals dein fataler Hang zu Fehleinschätzungen. Denn was nützts, zwar grundsätzlich den richtigen, rettenden Kurs einzuschlagen, aber dabei abenteuerliche Abstecher zu unternehmen, die die halbe Mannschaft (FSG) an den Rand der Meuterei bringt. Doch einer verstand es noch meisterhafter als du, noch mehr Menschen gegen sich aufzubringen: Wolfgang Schüssel. Und so siegtest DU! Ich denke, du glaubtest das wirklich, damals und bis heute. Und blendest damit die wahlentscheidende Bedeutung der Themen und des Wunsches nach einer neuen Art des Regierens aus. Sonst hättest du unmöglich die tiefe Symbolik des Umfallens bei den Studiengebühren und der Nichtstornierung der Teurofighter so missachten können. Bis heute wirken diese Themen so stark, dass sie, was deine Person betrifft, immer noch all die unbestreitbaren sozialen Errungenschaften deiner Regierung überlagern: Die Arbeitslosigkeit sank unter der SPÖ-geführten Regierung auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Die Sozialpartnerschaft wurde wiederbelebt, was wohl auch zum Allzeithoch an Beschäftigten beigetragen hat. Jede/r Jugendliche hat ein Recht auf eine Ausbildung in einer Lehrwerkstätte. Die Mindestpensionen wurden deutlich angehoben. Und, und, und ...
Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 28/2008
