Anna Netrebko: Ihre schönste Aussicht
- Das letzte Interview vor der Babypause

Das letzte Interview vor der Babypause über Kindererziehung, Neustart und die Salzburger Festspiele.
NEWS: Wie erlebten Sie Ihr letztes Konzert in Wien vor Ihrer Babypause?
Netrebko: Es war ein wunderbares Konzert es hat riesigen Spaß gemacht, wieder mit Rolando und Plácido zu singen. Bertrand de Billy ist ein großartiger Dirigent, das Orchester was fantastisch. Und das Publikum war wirklich unglaublich. Meine Freunde und Familie haben das Konzert im russischen Fernsehen übertragen gesehen und waren begeistert. Dabei hatte ich zwischendurch befürchtet, dieses Konzert vielleicht überhaupt nicht singen zu können. Als ich im Frühjahr die Manon an der Wiener Staatsoper sang, hatte ich nach der Aufführung plötzlich große Probleme mit meiner Stimme. Ich wusste nicht, was los war. Dann stellte sich heraus, dass ich
Eisenmangel im Blut hatte. Ich nahm das Eisen, und meine Stimme funktionierte wieder.
NEWS: Bekamen Sie da nicht große Angst, dass Sie Ihre Stimme ganz verlieren könnten?
Netrebko: Ich bin nicht eine von diesen Sängerinnen, die glauben, dass sich durch eine Schwangerschaft alles verändert. Bis auf diesen Eisenmangel war alles sehr leicht. Aber sollte sich meine Stimme doch verändern, dann werde ich auch mein Repertoire anpassen.
NEWS: Hat sich für Sie persönlich etwas verändert?
Netrebko: Ich bemerke nur, dass mir die Leute jetzt noch zuvorkommender begegnen. Man war immer sehr nett zu mir, aber jetzt nehmen sie noch mehr Anteil und sind noch entgegenkommender.
NEWS: Gounods Juliette werden Sie heuer in Salzburg nicht singen können, schmerzt das?
Netrebko: Jetzt werde ich mich einmal auf etwas anderes konzentrieren, und das mit großer Freude (lacht).
NEWS: Werden Sie nächstes Jahr die Juliette in Salzburg singen?
Netrebko: Wenn mir die Produktion gefällt, dann werde ich sie vielleicht in einem der nächsten Festspielsommer singen (lacht). Aber ich bin mir sicher, dass sie mir gefällt. Denn ich mag Bartlett Shers Arbeit sehr. Er ist ein toller Regisseur.
NEWS: Welche Vorstellungen werden Sie in Salzburg besuchen?
Netrebko: Roméo et Juliette und Don Giovanni natürlich. Rusalka und Otello. Und einige Konzerte, wie das von Ian Bostridge, der ist ein toller Sänger. Aber ich weiß noch nicht, ob ich auch Karten bekomme. Wie Sie wissen, ist es oft sehr schwierig, in Salzburg Karten zu bekommen.
NEWS: Auch für Sie?
Netrebko: Das ist auch für Könige nicht leicht.
NEWS: Weshalb sind die Salzburger Festspiele so wichtig?
Netrebko: Jeder will während der Festspiele in Salzburg sein. Die besten Musiker und Künstler kommen hierher, um etwas Neues zu schaffen. Und meistens gelingt das auch. Es ist spannend, die experimentelle Arbeit zu sehen. Und deshalb ist es so wichtig.
NEWS: Werden Sie mit der Traviata wieder nach Salzburg kommen?
Netrebko: Das glaube ich nicht, aber an der Met soll diese Produktion kommen.
NEWS: Ist es besonders aufregend für Sie, wenn Erwin Schrott sein Salzburger Debüt feiert? Sie schafften hier Ihren absoluten Durchbruch.
Netrebko: Natürlich fiebere ich mit ihm mit und bin für ihn da. So ein Salzburg-Debüt ist etwas ganz Besonderes. Er ist ein großartiger Sängerdarsteller, und ich bin mir sicher, dass diese Produktion ein toller Erfolg für alle Beteiligten werden wird.
NEWS: Elina Garanca und Karel Mark Chichon, Sie und Erwin Schrott sind Partnerschaften zwischen Künstlern von Vorteil?
Netrebko: Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Wir leben noch nicht lange zusammen. Alles ist noch ganz neu für uns. Aber wir sind sehr glücklich. Natürlich ist so ein Leben nicht einfach. Erwin ist sehr beschäftigt. Seine Auftritte sind schon seit langem geplant. In den letzten Monaten habe ich ihn nicht oft gesehen. Aber ich will nicht, dass er wegen mir etwas absagt. Und er versucht, so viel wie möglich mit mir zusammen zu sein, und ich bemühe mich ebenso.
NEWS: Werden Sie Ihr Leben verändern, wenn Ihr Kind da ist?
Netrebko: Ein Kind zu haben bedeutet eine große Verantwortung. Ich werde auf jeden Fall schauen, dass mein Kind nicht mehr Zeit mit dem Kindermädchen verbringt als mit mir.
NEWS: Wie lange werden Sie überhaupt nicht singen?
Netrebko: Ich werde definitiv zwei Monate nach der Geburt nicht singen. Aber das macht niemand. Dann werde ich langsam wieder zu üben beginnen.
Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 28/2008
