Vom Kommunisten zum Islam-Verfechter: Philosoph Garaudy feiert 95. Geburtstag
- Lieferte wichtige theoretische Beiträge für die KPF
- Übertritt zum Islam sollte Problemlösung bieten

Der französische Philosoph Roger Garaudy sorgte mit seinem Büchern immer für Kontroversen. Sein Werdegang vom Christentum über den Kommunismus zum Islam sorgte überall für Aufsehen. Zuletzt waren die Aufregungen um seine Person von etwas delikaterem Kaliber. Weil er die Existenz der Gaskammern leugnete, wurde Garaudy, der in den nächsten Tagen 95 Jahre alt wird, 1998 zu einer Geldstrafe von rund 18.300 Euro verurteilt. Seitdem ist es still um den Philosophen, Kulturwissenschaftler und Publizisten geworden, der lange Zeit eine Schlüsselrolle im europäischen Kommunismus spielte.
Einst schrieb der Sohn eines Buchhalters in Marseille so viel, dass die Verlage mit dem Drucken kaum nachkamen - Essays, Romane und politisch-wissenschaftliche Werke. Die Vorträge des Erfolgsautors wurden vom Publikum, darunter vielen Jugendlichen, gestürmt, denn Garaudy war ein Freigeist, der sich zur Selbstentfaltung und Selbstverantwortung jedes Individuum bekannte.
Eintritt in die Kommunistische Partei
Garaudy war Philosophie-Professor, als er während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen in ein Konzentrationslager verschleppt wurde. Nach 30 Monaten Haft konnte er fliehen. 1947 trat er in die kommunistische Partei Frankreichs ein. Er galt lange als einflussreicher marxistischer Theoretiker und orthodoxer Kommunist. Doch 1956 schwenkte er auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in das Lager der Reformer über. In seinem Streben nach einer Spiritualisierung der Politik näherte sich der Protestant nicht nur dem Katholizismus. Er versuchte gleichzeitig, Marxismus und Christentum auszusöhnen. Während Garaudy noch 1956 beim Aufstand in Ungarn vor einer "Faschistisierung" gewarnt hatte, begrüßte er den "Prager Frühling" von 1968. Im Jahr 1970 schließlich wurde Garaudy von der Partei ausgeschlossen.
In "Der letzte Ausweg. Die Feminisierung der Gesellschaft" sah er 1981 eine neue Lösung gesellschaftlicher Probleme. Im gleichen Jahr wollte er als Grüner und Kernkraftgegner französischer Präsident werden. Ein Jahr später trat Garaudy, der noch 1976 bekennender Christ war, zum Islam über. In seiner Sympathie zum islamistischen Extremismus ging er zuletzt sogar soweit, die Gaskammern als Auschwitz-Lüge zu bezeichnen. In den arabischen Ländern wurde er daraufhin zum Bestseller - wie einst hierzulande vor mehr als vierzig Jahren.
(apa/red)
