"Indiana Jones"-Kristallschädel gefälscht:
Auch Exemplare in USA und England unecht
- Azteken waren nicht die Urheber der Kunstwerke
- Schädel wurden mit neueren Werkzeugen bearbeitet

·Indy im Königreich des Kristallschädels
KLICK: Harrison Ford mit
Hut zurück im Dschungel
Die Legende um die geheimnisvollen Kristallschädel der Azteken steht vor der endgültigen Entzauberung: Knapp drei Monate nachdem bekannt wurde, dass ein in Paris ausgestellter Kristallschädel nicht von den Azteken stammt, entlarvten Experten nun zwei ähnliche Ausstellungsstücke in London und Washington als Werke von Fälschern.
Die Schädel im British Museum in London und der Smithsonian Institution in Washington stammten nicht aus dem Südamerika der präkolumbianischen Zeit, sondern müssten als "relativ moderne Anfertigung" angesehen werden, schrieben Wissenschafter der beiden Museen in einem am Mittwoch im "Journal of Archaelogical Science" veröffentlichten Beitrag. Die Stücke wiesen Bearbeitungsspuren von Werkzeugen des Industriezeitalters auf.
Mehr als 130 Jahre beflügelten die angeblich von Azteken stammenden Kristallschädel die Fantasie von Forschern und Weltuntergangspropheten. Der Legende nach haben die zwölf über die Welt verteilten Schädel magische Kräfte - nach der Wiedervereinigung aller zwölf Stücke mit einem angeblich existierenden 13. Kopf sollen sie die Welt vor dem Untergang bewahren können, der nach dem Maya-Kalender angeblich am 21. Dezember 2012 bevorstehe. Die Legende bekam einen ersten Knacks, als französische Forscher einen im Pariser Museum Quai Branly ausgestellten Schädel im April als Fälschung enttarnten, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stamme. Die Nachricht wurde ausgerechnet bekannt, als der neue "Indiana Jones"-Film "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" in die Kinos kam.
Moderne Werkzeuge entlarvt
Nun müssen die Fans des Mystischen es verkraften, dass auch die Stücke aus London und Washington keine aztekischen Zauberkräfte besitzen. "Die beiden Schädel wurden vermutlich keine zehn Jahre, bevor sie das erste Mal zum Verkauf angeboten wurden, hergestellt", heißt es in der aktuellen Studie. Wie bei dem Pariser Schädel führten unter anderem Spuren moderner Werkzeuge auf die Spur der Fälscher. Der 1897 gekaufte 15 Zentimeter hohe Schädel aus London und das 1992 von der Smithsonian Institution erworbene Stück mit rund 25 Zentimetern Höhe seien mit Werkzeugen geschliffen worden, die vor der Landung der Europäer in Südamerika nicht auf dem Kontinent existierten.
Auf dem Washingtoner Stück fanden die Forscher zudem eine Spur von Siliziumkarbid - ein Stoff, der natürlich nur in Meteoritengestein vorkommt, in modernen Poliermitteln jedoch ein häufiger Inhaltsstoff ist. Spuren in dem Quarz des Londoner Schädels weisen der Studie zufolge außerdem darauf hin, dass das Gestein aus den Alpen, Brasilien oder Madagaskar stammt. (apa/red)
