Donnerstag, 10. Juli 2008

Stammzellen ohne Gentechnik erzeugt: Körperzellen wurden zurückprogrammiert

  • Deutschland: Hodenzellen von Mäusen kultiviert
  • Chance maßgeschneiderte Stammzellen herzustellen

Der Münsteraner Stammzellforscher Hans Schöler hat nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" weltweit erstmals Körperzellen zu einer Art embryonaler Stammzellen zurückprogrammiert, ohne direkt in das Erbgut der Zellen einzugreifen. Die Gruppe um Schöler habe dazu Hodenzellen von Mäusen unter bestimmten, nicht näher ausgeführten Bedingungen im Labor kultiviert, berichtete das Blatt von einem Stammzellkongress in Dresden. Die Zellen hätten daraufhin Eigenschaften embryonaler Stammzellen entwickelt.

Bisher war für eine Rückprogrammierung von Körperzellen zu Stammzellen das Einsetzen von mindestens zwei Genen ins Zellerbgut mit Hilfe spezieller Viren nötig. Dieser Schritt birgt stets ein gewisses Krebsrisiko. Die verschiedenen Wege der Rückprogrammierung von Körperzellen könnten einmal die ethisch umstrittene und in Deutschland verbotene Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen ersetzen, die in der Regel dabei zerstört werden. Außerdem birgt die Technik die Chance, maßgeschneiderte Stammzellen mit dem Erbgut des jeweiligen Patienten zu erzeugen.

Herzmuskelzellen gezüchtet
Die neuartigen, aus der Keimbahn gewonnenen Stammzellen (gPS, "germline derived pluripotent stem cells") stünden embryonalen Stammzellen näher als die Zellen (iPS) die der Japaner Shinya Yamanaka mit Hilfe verschiedener Gene hergestellt hatte. Aus Schölers Zellen sind dem Bericht zufolge an der Universität Bonn bereits funktionsfähige Herzmuskelzellen sowie verschiedene Zellen des Nervensystems gezüchtet worden.

Die Arbeit Schölers am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin ist noch nicht in einem wissenschaftlichen Fachjournal publiziert. Er wollte am Donnerstag auf Anfrage zu seinen Versuchen keine Stellung nehmen.

(apa/red)

10.7.2008 13:31