Donnerstag, 10. Juli 2008

Junge Erwachsene weltweit sehr gläubig:
44 Prozent bezeichnen sich als hochreligiös

  • Studie: 13 Prozent haben mit Glauben nichts im Sinn
  • Einstellungen schwanken je nach Gesellschaft stark

Junge Erwachsene weltweit sind religiöser, als es aus westeuropäischer Perspektive vielfach erscheint. 85 Prozent der jungen Erwachsenen bezeichnen sich als religiös, 44 Prozent sogar als hochreligiös. Nur 13 Prozent haben mit Gott und Glauben nichts im Sinn. Das geht aus einer in Gütersloh veröffentlichten Sonderauswertung des internationalen "Religionsmonitors" der deutschen "Bertelsmann"-Stiftung hervor, wie Kathpress meldet.

Laut Studie schwanken die religiösen Einstellungen der jungen Erwachsenen allerdings je nach Gesellschaft extrem stark. Zumindest in dieser Altersgruppe gebe es offenbar nicht die für die Jugendkultur angenommene weltweite Vereinheitlichung, betonen die Wissenschaftler. Die Ergebnisse des "Religionsmonitors" deuteten eher auf auseinanderdriftende Bewegungen hin.

Israelis sehr religiös
Während junge Israelis zwischen 18 und 29 Gott stärker für sich entdecken als die älteren Generationen, spielen diese Fragen für ihre russischen und österreichischen Altersgenossen praktisch keine Rolle, betonen die Wissenschaftler. Junge Leute etwa in Brasilien oder den USA seien religiös hoch motiviert, viele junge Europäer würden religiösen Fragen eine weit geringere Bedeutung beimessen. Zu der aus Anlass des katholischen Weltjugendtags in Australien veröffentlichten Teilstudie wurden religiöse Einstellungen in 21 Ländern erfragt.

Differenzen unter Angehörigen
Große Unterschiede diagnostiziert die Studie auch unter Angehörigen ein- und derselben Konfession. Während sich von den jungen Katholiken in Europa nur 22 Prozent als hochreligiös bezeichnen, sind es außerhalb Europas 68 Prozent. Noch deutlicher ist die Kluft unter Protestanten. 80 Prozent aller Protestanten außerhalb Europas können laut Studie als hochreligiös gelten und 18 Prozent als religiös. Dagegen sind in Europa gerade 7 Prozent hochreligiös, während sich 68 Prozent auf einem mittleren Niveau einordnen - ihre Religiosität hat keine zentrale Bedeutung auf ihren Alltag.

Laut Studie bekannten sich 78 Prozent der 18- bis 29-jährigen weltweit dazu, dass ihnen das private Gebet sehr wichtig (59 Prozent) oder wichtig ist. 81 Prozent sind überzeugt, dass es Gott gibt und dass das Leben nach dem Tod weitergehen wird.

48 % besuchen Gottesdienst
Weltweit bekennt sich zudem jeder zweite junge Erwachsene (48 Prozent) dazu, regelmäßig und häufig an Gemeinschaftsgebeten oder Gottesdiensten teilzunehmen, weitere 27 Prozent tun dies seltener oder unregelmäßig. Für 24 Prozent ist die öffentliche Glaubenspraxis vollständig oder weitgehend unwichtig. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern: In Nigeria ist es für 93 Prozent üblich, mindestens einmal täglich zu beten. Ähnlich weit verbreitet ist das Gebet in Guatemala (88 Prozent), Indien (75 Prozent), der Türkei (74 Prozent) und Marokko (72 Prozent). Weitgehend unüblich ist das Gebet dagegen bei jungen Österreichern, Russen und Franzosen.

Wenig Gläubige in Russland
99 Prozent der jungen Marokkaner glauben an Gott und ein Weiterleben nach dem Tod. Auch bei den jungen Guatemalteken, Nigerianern, Türken und Brasilianern liegt die Zustimmung bei über 90 Prozent. In Israel, Indonesien und Italien sagen rund 80 Prozent Ja zu Gott und zum Weiterleben nach dem Tod. Und selbst in den Staaten, in denen unter den jungen Leuten eine sehr große religiöse Skepsis herrscht, wie Österreich und Frankreich, finden sich rund 30 Prozent, die an Gott glauben, während dies in Russland nur 20 Prozent der jungen Erwachsenen tun.

Religion und Sexualität
41 Prozent der Befragten weltweit sprechen der Religion einen hohen Einfluss auf die Sexualität zu. Am niedrigsten ist er für die Protestanten in Europa (7 Prozent), für die jungen Katholiken Europas beträgt der Wert 14 Prozent, für die Orthodoxen 12 Prozent. Anders sieht dies jedoch außerhalb Europas aus: Dort sehen 67 Prozent der Protestanten einen Zusammenhang zwischen Religiosität und Sexualität. Erkennbar niedriger ist er für die jungen Katholiken (52 Prozent).

Andere Untersuchungen - so etwa die jüngst vom Österreichische Institut für Jugendforschung veröffentlichte Jugendwertestudie - schildern die jungen Österreich nicht so religionsskeptisch wie der "Religionsmonitor". Laut Jugendwertestudie glauben 69 Prozent der jungen Österreicher an Gott.

(apa/red)

10.7.2008 13:47