Wegen "Verdacht des schweren Betrugs":
Al Jaber will AUA-Chef persönlich klagen
- Strafanzeigen soll in den nächsten Wochen erfolgen
- Fluglinie reagiert gelassen auf möglichen Rechtsstreit

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AUA-Chef Alfred Ötsch
im NEWS-Interview
Der saudi-arabische Geschäftsmann Mohammed Al Jaber will AUA-Chef Alfred Ötsch jetzt persönlich klagen. "Wir bereiten konkret eine Strafanzeige gegen ihn persönlich vor, die den nächsten Wochen erfolgen soll", sagte Al Jabers Rechtsvertreterin Bettina Knötzl von der Anwaltskanzlei Wolf Theiss.
Inhalt der Klage seien der Vorwurf der unrichtigen Rechnungslegung und der unrichtigen Berichterstattung als Vorstand. Zudem stehe der "Verdacht des schweren Betrugs" im Raum.
"Vollkommen ins Leere"
Die AUA reagiert gelassen auf die angekündigte Strafanzeige gegen AUA-Chef Alfred Ötsch persönlich: "Eine Strafanzeige klingt in der Öffentlichkeit dramatisch, kann aber von jedermann auch ohne faktische Grundlage eingebracht werden", sagte AUA-Sprecherin Livia Dandrea auf Anfrage. Die erhobenen Vorwürfe - u.a. auf unrichtige Rechnungslegung - gingen "vollkommen in Leere, gibt es doch einen vom Wirtschaftsprüfer testierten Geschäftsbericht". Die Gegenseite müssen den Beweis für die Behauptungen antreten.
Dem Scheich bleibe gar nichts anderes übrig, als die behauptete und unbewiesene Arglist "als einziges Argument" vorzubringen. Die Gegenseite habe auch ihre bereits angekündigte Vertragsanfechtung noch nicht eingebracht. Schlussfolgerung aus AUA-Sicht: "Diese Medienkampagne dient insgesamt dazu, von der schwachen Rechtsposition der Gegenseite abzulenken."
Erstaunt über geringen Streitwert
Die Rechtsvertreterin des saudiarabischen Geschäftsmanns Mohammed Bin Issa Al Jaber zeigte sich auch erstaunt über den geringen Streitwert der von der AUA eingebrachten Klage auf Vorlage von Bankgarantien: "Wir waren überrascht, die Streithöhe lautet nur auf 5 Millionen Euro", sagte Knötzl. Ihre Einschätzung: "Da hat offensichtlich jemand kalte Füße bekommen", so Knötzl. Angesichts von Medienberichten habe man mit einem höheren Betrag gerechnet. Im Raum gestanden sei ein Wert von bis zu 150 Mio. Euro.
Das Vorgehen des arabischen Investors mit österreichischem Pass, dessen geplante Investition über 150 Mio. Euro in die AUA geplatzt ist und jetzt ein juristisches Nachspiel hat, erklärt sie so: "Wenn einer belogen wird und dann noch die Größe hat, ein Auseinandergehen im Frieden anzubieten und dann klagt der andere - dann ist die Welt für ihn verkehrt und er wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um diese wieder richtig zustellen."
"Durch List zu Vertrag veranlasst"
Scheich Al Jaber werde im Rahmen der Klagebeantwortung - dafür gibt es eine Frist bis 7. August - eine so genannte Einrede erheben, wonach der Vertrag rückwirkend für ungültig erklärt werden soll. "Dann wäre es so, als hätte der Vertrag nie bestanden", sagte Knötzl. "Wer durch List zu einem Vertrag veranlasst wird, ist diesen zu halten nicht verbunden", verweist die Juristin auf einen entsprechenden Passus.
Al Jaber sei vom AUA-Management ebenso wie alle anderen Aktionäre "hinters Licht geführt" worden. Denn vor Unterzeichnung des Investmentvertrags Mitte März habe die AUA damit geworben, dass die Trendwende nach zwei Verlustjahren gelungen sei. Kurz nach Vertragsschluss am 3. April gab die AUA einen Quartalsverlust in Höhe von 60 Mio. Euro bekannt. "Damit ist es wohl nicht ein saniertes Unternehmen, sondern eher ein Sanierungsfall", so die Al Jaber-Sprecherin.
Vergleich mit einem Hausbau
Die geplante Investition verglich sie mit einem geplanten gemeinsamen Hausbau eines Ehepaares: Die Frau soll zur Finanzierung 150.000 Euro zur Verfügung stellen. Dann kommt sie darauf, dass der Grund in Wahrheit mit einer Hypothek in Höhe von 60.000 Euro oder mehr belastet ist. Reaktion: "Sie wird massiv enttäuscht sein und sich belogen fühlen. Wenn sie dann auch noch geklagt wird, dann wird sie alle rechtlichen Schritte einleiten, die notwendig sind".
(apa/red)

