Neuwahlen verzögern AUA-Privatisierung:
FORMAT über Fluglinie im Wirbel der Politik
- Ohne einen neuen Partner muss die AUA abspecken
- Insolvenzangst breitet sich bei den Mitarbeitern aus

·Luftfahrtkrise: AUA fliegt teurer & weniger
Lufthansa droht mitten in Hauptreisezeit Streik
·AUA ohne Al Jaber
"keine Katastrophe"
Analysten: Fluglinie nicht auf Investor angewiesen
In der Zentrale der ÖIAG löste die Aufkündigung der Regierungskoalition keinen Jubel aus. Der Noch-Kanzler hatte der Staatsholding Zustimmung für einen AUA-Privatisierungsauftrag signalisiert. Beim Ministerrat am 6. August hätte der Startschuss zum Verkauf des nationalen Carriers fallen sollen. Dass jetzt eine SPÖ im Wahlkampf ihr Okay dazu geben wird, ist wenig wahrscheinlich. Abgesehen davon, dass der Auftrag sowieso nur bis zum Ende der Legislaturperiode gültig wäre.
Der neue Spitzenkandidat der Roten, Werner Faymann, hat in seiner Funktion als Verkehrsminister der ÖIAG gegenüber zwar angedeutet, "offen für sinnvolle Lösungen" zu sein. Der parteiinterne Druck auf Faymann ist allerdings groß: So lehnen etwa Staatssekretär Christoph Matznetter oder der oberösterreichische SP-Chef Erich Haider den Rückzug des Staates auf einen Minderheitsanteil bei der AUA glatt ab.
Im Falle der AUA könnte eine strikte Anti-Privatisierungslinie jedoch auch heißen: Am Ende nicht als Retter der rot-weiß-roten Heckflosse dazustehen, sondern als Totengräber der Staatsairline. Die - absehbare - Verzögerung des Verkaufsprozesses wird die AUA in eine noch prekärere Schieflage bringen. In ihrer Gewinnwarnung Ende April ging die Fluggesellschaft von 70 bis 90 Millionen Euro Jahresverlust 2008 aus. Mittlerweile wird auch ein dreistelliges Minus nicht mehr ausgeschlossen.
Ein echter AUA-Crash kann drohen
Heuer wird sich ein Deal nicht mehr ausgehen. Je später ein Partner einsteigt, desto größer wird jedenfalls die Gefahr. Müssen Ötsch und Michaelis auf eine neue Regierung warten, dann gibt es allerfrühestens im November grünes Licht für die Privatisierung. Und dann geht sich heuer kein Deal mehr aus. Auf Basis der aktuellen Geschäftsplanungen reicht die Liquidität noch bis über das Jahresende. Sollten die Passagierzahlen ab Herbst wegen der stetig steigenden Ticketpreise noch dramatischer einbrechen als von den Branchenexperten ohnehin schon prognostiziert, dann droht sogar ein echter AUA-Crash.
Ohne Partner muss die AUA abspecken
Die ÖIAG hat bereits die Investmentbank Merrill Lynch beauftragt, einen Käufer für die AUA ausfindig zu machen. Der Berater Boston Consulting bewertet gerade die Szenarien mit allen möglichen Partnern - wobei nur Lufthansa und Air France / KLM realistisch infrage kommen. Wenn sich der Einstieg eines großen Carriers, der Synergien mitbringt, in die Länge zieht, ist aber ein Notfallplan unvermeidlich, Schrumpfungsprozess inklusive. Mitarbeiter der AUA gehen von massiven Langstrecken-Streichungen aus, denen auch die Destinationen Toronto, Washington und Tokio zum Opfer fallen werden. "Gegen Jahresende könnte die Sicherung der Liquidität oberste Priorität haben. Maßnahmen, die erst in drei Jahren Gewinne versprechen, wären dann nicht so wichtig", heißt es aus dem Aufsichtsrat.
Insolvenzangst bei AUA-Mitarbeitern
AUA-intern nähert sich die Stimmung langsam dem Tiefpunkt. Viele Beschäftigte sind überzeugt, dass ein Verkauf an die Lufthansa - wann immer - längst besiegelt ist. Und dass die Deutschen die AUA nur ohne ihre Nettoschulden in Höhe von knapp einer Milliarde Euro übernehmen werden: Das wäre nur über eine vorherige Insolvenz zu bewerkstelligen.
Ganz so schlimm muss es nicht kommen. In ÖIAG-Kreisen ist man zuversichtlich, dass Air France / KLM im Hinblick auf die Ostfantasie oder ein Interessent wie die russische Aeroflot im Hinblick auf ein EU-Standbein doch eine hübsche Summe auf den Tisch legen würden, was die Position gegenüber der Lufthansa stärkt. Mit einem sehr niedrigen Preis hat man sich jedoch schon abgefunden.
Den gesamten Bericht lesen Sie im neuen FORMAT 28/2008

