Nadal siegt in einem denkwürdigen Finale:
Match gegen Federer geht in Geschichte ein
- Spanier setzt sich erst nach fast 5 Stunden durch
- Federers Siegesserie in hochklassiger Partie beendet

·Federer gegen Nadal
geht in nächste Runde
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Spiele der Tennis-Stars
·Spannende Action
am "heiligen Rasen"
Grand-Slam-Turnier von Wimbledon in BILDERN
·Wimbledon: Sieger und Finalisten seit '90
PLUS: Finalergebnisse und aktuelle Preisgelder
Sie sind erst 22 und 26 Jahre alt, haben aber spätestens in ihrem 18. Duell endgültig Tennis-Geschichte geschrieben. Rafael Nadal und Roger Federer lieferten einander beim traditionsreichsten Tennisturnier der Welt in Wimbledon ein Finalmatch, das ein Drehbuch-Autor besser nicht schreiben hätte können. Schließlich blieb es dem um vier Jahre jüngeren Spanier vorbehalten, den wie er selber sagte "besten Spieler aller Zeiten" 6:4,6:4,6:7(5),6:7(8),9:7 zu besiegen.
Bereits zu Beginn schien alles für den 22-jährigen Mallorcaner zu laufen, der die ersten zwei Sätze für sich entschied, den zweiten sogar nach 1:4-Rückstand. In Satz drei kam es dann zur ersten Regenpause.
Nach einer 81-minütigen Unterbrechung ging der dritte Satz ins Tiebreak, in dem sich Federer durchsetzte. Ebenso wie im vierten Satz. Das Spiel steigerte sich nicht nur in seiner Dramatik, unglaubliche Ballwechsel der zwei Weltbesten ihrer Zunft begeisterten die Zuseher, die mit Standing Ovations die Spieler in einen fünften Satz begleiteten, in dem beim Stand von 2:2 noch einmal für 25 Minuten Regen einsetzte.
Beim Stand von 7:7 gab Federer dann sein Servicegame ein wenig symptomatisch für die Begegnung mit einem (von insgesamt 52) unerzwungenen Fehlern ab. Nadal verwertete seinen vierten Matchball, um als erster Spanier seit Manuel Santana 1966 die prestigeträchtigste Trophäe des Tennissports in die Höhe zu stemmen. Während für Federer eine sechs Jahre dauernde Unbesiegbarkeit auf Rasen zu Ende ging, schraubte Nadal seine Bilanz auf 24 Siege en suite.
Königliche Glückwünsche für Nadal
So war es der "Tennis-Pirat" aus Mallorca, der sich mit unglaublich aggressivem Grundlinienspiel und perfekter Athletik als erst zweiter Spanier nach Manuel Santana 1966 in die Siegerliste des Rasen-Klassikers eintrug. Mit Björn Borg 1980 war es erst einem Champion zuvor gelungen, nach den French Open an der altehrwürdigen Church Road zu triumphieren. Daher ließ es sich Nadal nicht nehmen, nach verwandeltem Matchball als erster Spieler überhaupt in die Box der Royals zu klettern.
Dort holte er sich die Glückwünsche von Prinz Felipe und Prinzessin Letizia ab, ehe er zurück auf seinem Sessel mit Tränen kämpfte. "Das war das emotionalste Match in meinem Leben. Hier zu gewinnen, ist für uns Spanier nur sehr schwer vorstellbar." Aber auch im Moment des Erfolges zollte er seinem Gegner großen Respekt: "Ich gratuliere Roger. Wie er immer fightet, ist unglaublich."
Bitterste Niederlage für Federer
Federer konnte seine Enttäuschung nicht verbergen: "Es ist ein Disaster und wahrscheinlich die bitterste Niederlage seit langem. Die Niederlage in Paris war nichts dagegen." Vor wenigen Wochen überließ Nadal dort seinem Dauerrivalen nur vier Games. Aber auch der zwölffache Grand-Slam-Sieger ließ es sicht nicht nehmen, seinem Freund respektvolle Worte zu überliefern: "Ich kann Rafael für diese großartige Leistung nur gratulieren."
Die beiden pflegen - bei aller Rivalität - über den Tennisplatz hinaus eine enge Freundschaft, telefonieren auch öfter miteinander. Dementsprechend gehen die beiden miteinander um. Mit der Tatsache, dass er Teil von einem der denkwürdigsten Finali der Majorgeschichte ist, konnte sich Federer freilich nicht trösten: "Vielleicht kommt dieses Gefühl irgendwann. Jetzt ist es aber schwer, was Positives mitzunehmen."
Federer-Dominanz beendet
Der Weltranglisten-Zweite hatte mit seinem 24. Sieg en suite soeben Federers fünf Jahre dauernde Dominanz in Wimbledon beendet und dem Schweizer nach 65 Siegen auf Rasen in Folge die erste Pleite zugefügt. Die Nummer eins der Welt wäre der erste Spieler der offenen Ära bei den All England Championships gewesen, der die prestigeträchtigste Trophäe sechsmal in Folge in die Höhe stemmt. Fünf Titel hintereinander am "heiligen Rasen" hatte bisher nur Borg von 1976 bis 1981 geholt.
Jener Borg, der vor 27 Jahren ebenfalls nach fünf Wimbledontitel in Folge ebenfalls gegen einen 22-Jährigen und ebenfalls gegen die Nummer zwei der Welt verloren hatte. Ein gewisser John McEnroe, der damals die schwedische Tennis-Legende entzauberte, war begeistert: "Das war eines der großartigsten Spiele, die ich je gesehen habe. Die Dramatik, die Qualität und wie es endete - so ein außergewöhnliches Tennis wird es - milde ausgedrückt - nur schwer wieder zu sehen geben."
(apa/red)
