Wieder Manipulations-Affäre im Fußball: Ist
SK Sturm in neuem Wettskandal verwickelt?
- FORMAT: Ex-Spieler und Ex-Trainer unter Verdacht
- Staatsanwaltschaft hat wenig Interesse an der Sache

Das Eröffnungsspiel der Bundesliga-Saison zwischen Sturm Graz und Rapid war ein sauberes Match. Klarer Favorit war der Wiener Meister, der bei den heimischen Wettanbietern vor Spielbeginn mit einer durchschnittlichen Siegesquote von 2,5 notierte. Nach der unerwarteten 2:0-Führung der Grazer in der ersten Halbzeit schnellte dieser Satz jedoch innerhalb kürzester Zeit fast auf das Zehnfache und bescherte all jenen Zockern, die rechtzeitig auf die Grazer gesetzt hatten, einen hübschen Gewinn.
LautAffäre FORMAT exklusiv vorliegenden Unterlagen gingen jedoch nicht alle Bundesliga-Spiele der letzten Jahre so sauber über die Wettbühne. Dabei soll vor allem Sturm Graz immer wieder in auffällige Wettmanipulationen verwickelt gewesen sein. Aber nicht nur: In einer vertraulichen Analyse des weltweit führenden Wettüberwachers Betradar werden diesbezüglich auch die Vereine GAK, Ried, Pasching, Altach und der Regionalligist Gratkorn als "sehr kritisch und manipulationsverdächtig" eingestuft.
Im Visier der Mafiajäger
Verfasst wurde die Analyse bereits 2006 für das Landeskriminalamt Steiermark, konkret für die Soko Alpha, eine verdeckte Spezialeinheit, die noch bis vor kurzem für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität zuständig war. Die fünf Kripobeamten der Soko waren nämlich im Zuge ihrer Ermittlungen in Südosteuropa auf eine serbische Bande gestoßen, die ihre kriminellen Einnahmen aus dem verbotenen Glückspiel unter anderem auch durch manipulierte Fußballwetten weißwusch. Wobei sie eine konkrete Spur zuerst zu einem illegalen Wettbüro in Deutschland und von dort - über unzählige abgehörte Telefongespräche - wieder zurück nach Österreich führte: namentlich zu Sturm Graz und seinem damaligen Trainer Mihailo Petrovic sowie dem ebenfalls in Serbien geborenen Mittelfeldspieler Bojan Filipovic - die beide über ihren Grazer Anwalt Mathias Strampfer jegliche Verwicklung in einen Wettbetrug energisch bestreiten.
Als großer Hintermann der deutschen Wettmafia agierte dabei ein malaysischer Zockerkönig mit dem Pseudonym "Mike", der inzwischen bereits von einem Frankfurter Gericht wegen "Verabredung zum gewerbs-und bandenmäßigen Betrug" rechtskräftig verurteilt worden ist. Zumal es als erwiesen gilt, dass er versucht hatte, über seinen Mittelsmann Dragan Andic, einen ehemaligen jugoslawischen Nationalspieler, die österreichischen Bundesliga-Spiele Austria Wien - Sturm Graz (25. 2. 2006) und Sturm Graz - Austria Salzburg (4. 3. 2006) zu manipulieren. Dabei übergab Andic laut Urteilsbegründung im Auftrag von seinem Boss an Petrovic und Filipovic "vorab planmäßig einen Betrag von jeweils 5.000 Euro und an einen nicht identifizierten zweiten Spieler 2.500 Euro für die verabredete Spielweise".
Kopf im Sand
Obwohl das Urteil eindeutig ist und seit Anfang Mai der Grazer Staatsanwaltschaft vorliegt, die schon 2006 einen eigenen Akt gegen Petrovic und Filipovic angelegt hat, sieht der zuständige Staatsanwalt Manfred Kammerer kaum Handlungsbedarf. "Das Urteil hat für uns keine bindende Wirkung, und das Studium der Akten hat bisher keine neuen Erkenntnisse ergeben", meint Kammerer.
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