Samstag, 12. Juli 2008

Isinbajewa springt zu neuem Weltrekord:
Tolle Olympia-Probe für Stabhochspringerin

  • Leichtathletik-Star rechtzeitig vor Olympia auf Touren
  • US-Amerikanischer Weltrekord hielt nicht lange

Als alle anderen Leichtathleten ihre Wettkämpfe im Golden-League-Meeting in Rom bereits beendet hatten, ging es für eine 1,74 m große Dame erst richtig los: Stabhochsprung-Überfliegerin Jelena Isinbajewa sorgte mit ihrem Weltrekordsatz über 5,03 m für den Höhepunkt der 28. Golden Gala und einen perfekten Freiluft-Start in die Olympia-Saison, die sie mit Gold am 22. August in Peking krönen will.

"Ich fühle mich besser als im vergangenen Jahr und im Winter", hatte Isinbajewa bereits im Vorfeld des Meetings im Olympia-Stadion angekündigt, dass ihr Weltrekord von 5,01 m, den sie am 12. August 2005 beim WM-Triumph in Helsinki aufgestellt hatte, ernsthaft in Gefahr sei. Und da beim Sprung über die 5,03 m im zweiten Versuch noch relativ viel Luft zwischen ihr und der Latte war, kündigte die Olympiasiegerin von Athen 2004 unmittelbar nach ihrer Glanzleistung bereits an: "Das war erst der Anfang!"

Doch damit nicht genug, erinnerte sie nach dem 22. Weltrekordsatz ihrer Karriere auch an ihr ultimatives Ziel: "Ich will 36 Weltrekorde aufstellen." Denn damit würde Isinbajewa ihr großes Vorbild, den Ukrainer Sergej Bubka, übertreffen. Wie Bubka wird auch die ehemalige Turnerin von Witali Petrow betreut, der am Freitag den entscheidenden Tipp gegeben hatte, der zur neuen Bestmarke führte.

Amerikanischer Weltrekord hielt nicht lange
"Ursprünglich war mein Plan für Rom, zuerst 4,70 und dann 4,85, 4,95 und schließlich 5,02 m zu springen. Doch nach den 4,95 meinte Witali, dass ich 5,03 m versuchen sollte. 'Du hast schon so oft die 5,02 probiert und nichts ist passiert, deshalb sollten wir etwas ändern', hat er mir gesagt. Und deshalb habe ich mich dann für 5,03 entschieden", verriet Isinbajewa, die auch durch die 4,92 m der US-Amerikanerin Jennifer Stuczinsky, die diesen Amerika-Rekord kurz zuvor in Eugene aufgestellt hatte, besonders motiviert worden war.

"Jetzt werde ich noch höher springen", hatte die erste Trotzreaktion der Russin gelautet, als sie von Stuczinskys Leistung und vor allem den Reaktionen einiger Experten darauf gehört hatte. "Ich war total sauer, weil praktisch jeder der Ansicht war: 'Isinbajewa ist am Ende, wir haben jetzt einen neuen Star'", gestand die ehrgeizige Höhenjägerin aus Wolgograd.

Neue Technik führte zum Erfolg
Isinbajewa, die sich ganz behutsam auf die Olympiasaison vorbereitet und mit Petrow auf die Adaption ihrer neuen Technik besonderen Wert gelegt hatte, steigerte in Rom bereits mit ihrem vierten Versuch die Jahresweltbestleistung (4,95 m) und unterstrich damit einmal mehr ihre Ausnahmestellung. Mit den 5,03 m setzte sie dann noch einen drauf und gewissermaßen ein "Stockwerk" zwischen sich und die aufstrebende Stuczinsky.

"Ich nutze jetzt die Energie des Stabes besser und kann deshalb neue Höhen erreichen, aber vor wenigen Tagen war meine Technik noch katastrophal. Hier habe ich allerdings nun endlich den entscheidenden Schritt geschafft, ich muss mich selber loben. Jetzt fühle ich mich wieder wie die frühere Isinbajewa", gab sie auf der Siegerpressekonferenz in Rom überglücklich zu Protokoll. Die Fragen der Medienvertreter beantwortete die Seriensiegerin dabei in Englisch und Italienisch, da sie ja schon seit längerer Zeit in der italienischen Hafenstadt Formia (rund 110 km südöstlich von Rom) lebt.

Mit dem Sieg in Rom setzte sie ihre seit 4. Juli 2004 in Heraklion/Kreta dauernde Freiluft-Erfolgsserie fort. Seither hat Isinbajewa nur eine einzige Niederlage einstecken müssen: Am 20. Februar hatte sie sich heuer in Bydgoszcz unter dem Hallendach ihrer Dauerrivalin und Landsfrau Swetlana Feofanowa geschlagen geben müssen.

Eindrucksvolle Titelsammlung
Wie überlegen Isinbajewa ist, beweist aber auch ein Blick auf ihre eindrucksvolle Titelsammlung. Neben Olympia-Gold 2004 hängen je drei Goldene der jüngsten drei Freiluft- (2003, 2005 und 2007) sowie Hallen-Weltmeisterschaften (2004, 2006, 2008) in ihrem Trophäenschrank. Dass sie daneben auch noch EM-Gold 2005 in der Halle und 2006 im Freien eroberte, geht angesichts dieser Erfolgsflut meist unter, ebenso wie ihr Weltcupsieg 2006.
(apa/red)

12.7.2008 16:16