Samstag, 12. Juli 2008

Waren Irans Raketentests nur übertrieben?
USA sprechen von veralteter Ausrüstung

  • Angeblich Mittelstreckenraketen-Version von 1998
  • Laut Pentagon nur kurze und mittlere Reichweite

Bei den iranischen Raketentests in dieser Woche ist nach Erkenntnissen von US-Experten keine neue Langstreckentechnik zum Einsatz gekommen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Freitag, bei den abgeschossenen Raketen habe es sich eher um "alte Ausrüstung" gehandelt. Gleichwohl werde in den Raketentests ein Versuch des Iran gesehen, seine Nachbarstaaten einzuschüchtern.

Nach iranischer Darstellung kam bei den Raketentests am 9. Juli und am 10. Juli eine neue Version der Shahab-Rakete mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern zum Einsatz. Dies würde bedeuten, dass der Iran damit Israel ebenso erreichen könnte wie die Türkei, Pakistan oder die arabische Halbinsel.

Ein US-Regierungsbeamter sagte hingegen, es habe sich um acht oder neun Raketen kurzer und mittlerer Reichweite gehandelt. David Wright von der Union of Concerned Scientists sagte, der Iran übertreibe oft die Angaben zur Fähigkeit seiner Raketen. Die Experten eines unabhängigen Blogs zu Fragen der militärischen Sicherheit, ArmsControlWonk.com, schrieben, die in Filmaufnahmen erkennbare Länge und der Durchmesser der Raketen seien mit einer erstmals 1998 demonstrierten Version identisch, die eine Reichweite von 1.200 Kilometern habe.

Der Iran erwartet indes im Atomstreit mit dem Westen nach eigenen Angaben keinen Angriff der USA oder Israels. Keines dieser Länder wolle in eine neue Nahost-Krise verwickelt werden, sagte Außenminister Mottaki am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Der Iran drohte Israel und den USA im Fall eines Angriffs mit massiven Vergeltungsschlägen. "Sollten die USA oder Israel irgendwelche Kugeln oder Raketen auf unser Land abschießen, wird das iranische Militär auf das Herz Israels und 32 US-Stützpunkte in der Region zielen, bevor sich der Staub dieses Angriffs gelegt hat", zitierte die iranische Nachrichtenagentur FARS einen Vertrauten des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Khamenei.
(apa/red)

12.7.2008 18:40