G-8-Gipfel befasst sich mit Thema Afrika: Hohe Ölpreise belasten schwarzen Kontinent
- Afrikas Länder fordern Einhaltung der Verpflichtungen
- Sanktionen gegen Simbabwe als Gesprächsthema

·Startschuss für den G-8-Gipfel in Japan
Vor allem Hungerkrise & Klimawandel als Thema
·G-8-Gipfel: Medien
weltweit im Überblick
Tenor: Wenig Grund
zu großen Erwartungen
·G-8-Gipfel 2008: Das
sind die Teilnehmer
Auch sieben afrikanische Staaten sind eingeladen
·G-8-Treffen wird
ein Gipfel der Rekorde
23 Regierungs- und Staatschefs in Japan
·Bono Vox will Schritte
gegen Armut sehen
"Deutschland mit einem wunderbaren Zeichen"
·Die Geschichte zur
Gründung des Gipfels
Vom Kamingespräch
zur Mammut-Konferenz
·Erweiterung der
G-8: Druck wächst an
Gründerstaaten haben
an Bedeutung verloren
Beim G-8-Gipfel in Japan haben sieben afrikanische Länder die sieben größten Industrienationen der Welt und Russland zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen in der Entwicklungspolitik aufgefordert. Sie verlangten, die Versprechungen vorheriger G-8-Gipfel zu konkretisieren, wonach die weltweite Entwicklungshilfe bis 2010 um jährlich 50 Milliarden Dollar (31,9 Mrd Euro) gesteigert und die Armut in der Welt halbiert werden soll. Themen des Treffens der Vertreter Afrikas mit den G-8-Chefs waren außerdem die steigenden Ölpreise und die dramatische Zuspitzung der Nahrungsmittelkrise sowie die politische Krise in Simbabwe. Sanktionen gegen Simbabwe nach den umstrittenen Wahlen waren im Gespräch.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach dem Treffen in Toyako: "Die afrikanischen Länder haben die Befürchtung zum Ausdruck gebracht, dass viele dieser Millenniumsziele schwerer zu erreichen sind, wenn die Rohstoffpreise so ansteigen wie das im Augenblick der Fall ist." Es sei gut, dass die Afrikaner ihr Schicksal verstärkt selbst in die Hand nähmen. Doch hätten sie auch gefordert, "dass wir unsere Versprechen einhalten".
Afrikaner mit schweren Vorwürfen
Afrikaner, die für große Hilfsorganisationen arbeiten, kritisierten die reichen Staaten deutlich mit den Wort "Betrug" oder "Wortbruch": "Es mag mit der Farbe unserer Haut zusammenhängen", äußert Kumi Naidoo aus Südafrika, der Mitbegründer der weltweiten Organisation Global Call to Action Against Poverty (GCAP), einen schweren Vorwurf. Auch seine Kollegin aus Malawi, Caroline Towers Kayira von Actionaid, glaubt nicht, dass die mangelnde Hilfsbereitschaft am Geld liege, "sondern mit etwas anderem zu tun hat". Bei der Rettung der Banken nach der Hypothekenkrise in den USA oder für den Irak-Krieg seien schließlich auch Hunderte Milliarden US-Dollar aufgebracht worden, erwähnen die Hilfsorganisationen.
Versprechen einzuhalten, forderten auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Die Geberländer müssten bis 2010 jährlich 62 Milliarden Dollar (39,6 Mrd. Euro) an Entwicklungshilfe aufbringen, um die Millenniumsziele zu erreichen, sagte Ban am Montag am Rande des G-8-Gipfels. Die reichen Länder müssten angesichts der instabilen Weltwirtschaft ihre Anstrengungen verstärken, die Ziele für Bildung und zur Verringerung von Armut zu erreichen. Hierzu müssten die Staaten aber ihre zugesagte Entwicklungshilfe einhalten. "Neue Versprechen sind nicht nötig", betonte Ban. Und Zoellick sagte: "Dieser G-8-Gipfel muss denen Hoffnung bringen, die ohne Hoffnung sind, denen Essen, die ohne Essen sind."
Deutschland und USA auf Konfrontationskurs
Die Chefs von UNO und Weltbank verlangten außerdem Fortschritte beim Kampf gegen den Klimawandel. Die USA gingen in der Klima-Debatte unterdessen auf Konfrontationskurs zu Deutschland, das den Atomausstieg plant. Angesichts der enormen Wirksamkeit nuklearer Kraftwerke, die keine Treibhausgase produzierten, seien "Atomkraftwerke der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit" der Staaten beim Klimaschutz, sagte Jim Connaughton, Umweltberater von US-Präsident George W. Bush in Toyako. Merkel stellte umgehend klar, dass sie die Nutzung der Kernenergie für keinen entscheidenden Faktor im Kampf gegen den Klimawandel hält. Er habe keineswegs Deutschland ansprechen wollen, betonte Connaughton später in einem Interview der ARD. Deutschland ist in der Atomfrage im Kreis der G-8 isoliert. Die anderen sieben Länder bewerten die Kernkraft durchweg positiv. Grund für die deutsche Position ist der im Koalitionsvertrag von Union und der SPD festgeschriebene Atomausstieg.
CO2-Ausstoß um 30 Gigatonnen reduzieren
Connaughton rechnete vor, dass die bis 2050 angestrebte Halbierung des CO2-Ausstoßes in absoluten Zahlen mehr als 30 Gigatonnen entspreche. Mit 136 neuen Nuklearanlagen könne eine Tonne Ausstoß vermieden werden. Connaughton forderte, die Verringerung von zwei Tonnen über die Kernenergie zu erreichen. Das würde seiner Berechnung zufolge 272 neuen Kraftwerken weltweit entsprechen.
Beim Biosprit forderte Merkel erneut die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards. Das Ziel sei "keine Verdrängung von Nahrungsmitteln durch Biokraftstoffe". Auch an der zweiten Generation der Biokraftstoffe müsse mit Nachdruck gearbeitet werden, sagte Merkel zur Gewinnung von Energie etwa aus Nahrungsresten oder Holzabfällen. Dies werde auch im Gipfel-Dokument deutlich werden.
Öl, Finanzmärkte und Nahrungsmittelpreise
Beim G-8-Gipfeltag am Dienstag werden die Themen Öl, Finanzmärkte und Nahrungsmittelpreise behandelt. Der Klimaschutz sei auch am Mittwoch das zentrale Thema, wenn die G-8 mit den fünf großen Schwellenländern China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika sowie mit Australien, Südkorea und Indonesien zusammentreffen.
Zu den G-8 gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Kanada und Russland. Vertreten bei dem Treffen mit den G-8-Chefs waren Äthiopien, Algerien, Ghana, Nigeria, Südafrika, Senegal und Tansania, außerdem die Europäische Union, Weltbank, UNO und Afrikanische Union.
(APA/red)
Kinderschänder07:53
33 FestnahmenErmittlungen führen zu groß angelegter Aktion gegen mutmaßliche Pädophile
Weltnichtrauchertag 201208:03
38 Prozent rauchenUmfrage in Österreich: Ein Drittel davon greift regelmäßig zum Glimmstengel
