Israel und Hisbollah mit "Leichentausch": 200 tote arabische Milizionäre übergeben
- Auch tote israelische Soldaten werden überführt
- Informationen über seit Jahren vermissten Navigator
·Israel: Übergänge zu
Gazastreifen geöffnet
Ermittlungen zu Olmert-
Korruptionsaffäre in USA
·Hisbollah akzeptiert
Gefangenentausch
Deal mit Israel mithilfe
der UNO ausgehandelt
Israel und die pro-iranische libanesische Hisbollah-Miliz haben ein Abkommen zum Austausch von Gefangenen unterzeichnet. Die gemeinsame Erklärung sei im Beisein eines Beamten der Vereinten Nationen unterzeichnet worden, teilte die israelische Regierung mit. Israel will fünf Kämpfer der Hisbollah freilassen und Leichen toter Milizionäre übergeben. Im Gegenzug soll die Hisbollah zwei im Sommer 2006 gefangen genommene Soldaten freilassen. Sie sind vermutlich tot. Ein deutscher Vermittler hatte das Abkommen vorbereitet.
Israelische Beamte, die nicht namentlich genannt werden wollten, sagten, der Austausch könne bereits Mitte Juli stattfinden. Medienberichten zufolge könnte der Austausch über Deutschland abgewickelt werden. Die Gefangennahme der beiden israelischen Soldaten war im Sommer 2006 der Auslöser des 34 Tage währenden Libanon-Kriegs. Die israelische Regierung glaubt, sie sind tot. Die Hisbollah wies dies als Spekulation zurück.
Unter den Kämpfern, die Israel freilassen wollte, war auch der zu mehrfach lebenslanger Haft verurteilte Samir Kantar. Er hatte 1979 im Norden des Landes einen israelischen Polizisten und einen weiteren Israeli vor den Augen von dessen vierjähriger Tochter getötet. Das Mädchen wurde danach zu Tode geprügelt. Das Verbrechen erschütterte ganz Israel. Kantar hat die Vorwürfe immer bestritten.
Seit 22 Jahren vermisst
Ein israelischer Unterhändler war Rundfunkberichten zufolge nach Europa geflogen, um von einem deutschen Vermittler Informationen über den seit 22 Jahren vermissten Soldaten Ron Arad entgegenzunehmen. Israel verlangt von der Hisbollah seit Jahren Aufklärung über das Schicksal des Luftwaffennavigators, dessen Maschine 1986 im Libanon abgestürzt ist. Im Gegenzug soll Israel Informationen über vier iranische Diplomaten übermitteln, die 1982 im Libanon verschwanden. Der israelische Regierungssprecher Mark Regev sagte indes, es gebe noch keine Informationen zum Verbleib Arads.
Für Israel unterzeichnete nach offiziellen israelischen Angaben Unterhändler Ofer Dekel das Abkommen. In politischen Kreisen in Beirut hieß es allerdings, Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hätten die Vereinbarung unterzeichnet. Demzufolge übergibt Israel die Leichen von 200 beim Eindringen in den Norden des Landes getöteten Arabern.
(APA/red)
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