Kanzlerschaft als Selbsterfahrungs-WG:
Heftige Kritik Schüssels an Gusenbauer
- Brief als Demutsgeste gegenüber Regenbogenpresse
- Ex-Kanzler hält erneute Große Koalition für möglich

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ÖVP-Klubobmann Schüssel hat die Kanzlerschaft Gusenbauers mit einer "Selbsterfahrungs-WG" verglichen: "Wir haben jetzt 18 Monate eine Selbsterfahrungs-WG ehemaliger Jusos erlebt", sagte der Ex-Bundeskanzler vom Münchner Magazin "Focus" zu den vergangenen eineinhalb Jahren unter Gusenbauer als Regierungschef angesprochen. Dies sei "ein recht enger Horizont", sagte Schüssel laut einer Vorausmeldung.
Über die im Brief Gusenbauers und des neuen SPÖ-Chefs Faymanns an die "Kronenzeitung" angekündigte, neue Linie der Sozialdemokraten, über EU-Verträge künftig Volksabstimmungen abzuhalten, sagte der Klubchef: "In keinem anderen Land der Welt würde ein Regierungschef eine solche Demutsgeste gegenüber der Regenbogenpresse zeigen. Das finde ich von der Form und vom Inhalt her erbärmlich."
Laut Schüssel ist Österreich "einer der absoluten Gewinner der europäischen Integration". Jedoch: "Wenn wir Abstimmungen über den Euro oder die (EU-)Erweiterung gemacht hätten, wären diese mit Sicherheit nicht mit Ja ausgegangen - so wie im Übrigen auch in anderen Ländern", zeigte sich Schüssel überzeugt. Auf die Frage, ob er während seiner Kanzlerschaft den Österreichern die EU nicht hätte schmackhafter machen können, antwortete er laut der "Focus"-Vorausmeldung: Das Hauptproblem liege hier auf europäischer Ebene.
Schüssel hält demnach eine erneute Große Koalition nach der vorgezogenen Nationalratswahl für möglich. Auf die Frage, ob eine ÖVP/SPÖ-Koalition unter Führung seiner Volkspartei besser funktionieren würde, sagte der Ex-Kanzler: "Große Koalition mit einem veränderten Stil und Team - vielleicht."
(apa/red)
