Mittwoch, 9. Juli 2008

Gaby Schaunig wirft Kärntner Handtuch:
SPÖ-Chefin hat genug von Jörg Haider

  • Schritt war "für persönliche Hygiene" erforderlich
  • Landesrat Reinhart Rohr als Nachfolger nominiert

An der Spitze der Kärntner SPÖ ist völlig überraschend zu einem Wechsel gekommen: Gaby Schaunig (43) gab ihren Rückzug aus der Politik bekannt, zu ihrem Nachfolger als Landesparteichef und stellvertretender Landeshauptmann wurde der Villacher Landesrat Reinhart Rohr (48) nominiert. Schaunig gab "persönliche Gründe" für ihre Entscheidung an, vor allem wolle sie aber nicht mehr "in der Umgebung Jörg Haiders und seines Umfeldes" tätig sein. Ihr Nachfolger Rohr fühlt sich für die kommenden Wahlkämpfe gerüstet.

Der Rücktritt Schaunigs kam auch für fast alle führenden Parteifunktionäre überraschend. Auch Rohr erfuhr laut eigenen Angaben erst bei einer Betriebsbesichtigung von Schaunigs Vorhaben. "Mein Schritt ist ganz persönlich motiviert, das ist eine ganz persönliche Entscheidung von mir," versicherte diese in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz unmittelbar nachdem sie im Parteipräsidium ihr politisches Ausscheiden bekanntgegeben hatte.

"Politische Unkultur"
Als Hauptgrund für ihren Abschied nannte Schaunig immer wieder die Person Jörg Haider. Der Schritt sei "für meine persönliche Hygiene" unbedingt erforderlich gewesen. Sie wolle nie "so verbissen und so verhärmt werden" wie der Landeshauptmann. Durch diesen habe eine "politische Unkultur" Einzug gehalten. Sie habe sich schon einige Zeit mit ihrem Schritt beschäftigt, aber die Wahlrechtsreform in Kärnten - Senkung der Grundmandatshürde - noch durchbringen wollen, sagte Schaunig und verwies auch auf ihren Beitrag "zur Klärung der Situation auf Bundesebene".

Rohr für Wahlkampf gerüstet
Ihr Nachfolger Rohr, der kommende Woche als Landeshauptmannstellvertreter angelobt und danach möglichst rasch auf einem Sonderparteitag zum Parteichef gekürt werden soll, sieht sich sowohl für den Nationalrats- als auch den Landtagswahlkampf für die Wahl im März kommenden Jahres gerüstet und kam auch gleich auf seinen Hauptgegner zu sprechen: "Ich wünsche mir, dass der Kärntner wieder außer Landes fahren kann, ohne dass er sich rechtfertigen muss, dass er aus dem Haider-Land kommt." Die Bereitschaft zur Übernahme der Parteispitze begründete Rohr mit den Worten: "Ich liebe dieses Land, ich liebe die Menschen, mir liegt Kärnten am Herzen." (apa/red)

9.7.2008 07:23