Tausende Ärzte demonstrieren in Wien:
Protestzug über Ringstraße zum Parlament
- Groß-Demo trotz abgesagter Gesundheitsreform
- Ärzte-Manifest an Nationalratspräsidium übergeben

Tausende Ärzte haben in Wien ihren Protest gegen die gescheiterte Gesundheitsreform kundgetan. Angeführt von Ärztekammerpräsident Walter Dorner gab es Buhrufe für die Sozialpartner und Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky. Die Ärzte waren von der Oper über den Ring zum Parlament gezogen. Dorner hatte dort ein "Manifest für gute Gesundheit in Österreich" abgeliefert.
Die Ärztekammer zählte rund 7.500 Kundgebungsteilnehmer aus ganz Österreich. Nach Polizei-Angaben waren es 5.500. Zwischenfälle gab es keine. Die Ärzte führten blaue Luftballons und Aufkleber mit dem Schriftzug "Seids krank?" mit sich. Die meisten der Mediziner trugen ihre weiße Berufskleidung.
Dorner übergab im Parlament das Gesundheitsmanifest der Kammer an den Zweiten Nationalratspräsident Michael Spindelegger. Darin wird auf den hippokratischen Eid und die Genfer Erklärung des Weltärztebundes verwiesen, wonach die ärztliche Tätigkeit am obersten Gebot der Gesundheit der Patienten auszurichten sei. Diese ethischen Grundsätze seien durch die Regierungsvorlage zur Gesundheitsreform in Gefahr. Therapiefreiheit und Schweigepflicht würden ausgehöhlt, einer Ökonomisierung des Gesundheitswesens Vorschub geleistet.
"Eine Reform kann es nur mit uns Ärzten geben, nie gegen uns geben", sagte Dorner: "Ich glaube, dass die Österreicher das beste Gesundheitswesen verdienen, und nicht das billigste." Er hoffte auf einen Sinneswandel der Parlamentarier, für die er - im Gegensatz zu den anderen Ansprechpartnern im Gesundheitswesen - auch Lob übrig hatte.
Dorners Warnung: "Die Gefahren einer Verschlechterung sind auch im Herbst gegeben." Man müsse in den kommenden Monaten wachsam sein, denn auch eine neue Regierung müsse sich der Hinterlassenschaft Kassensanierung widmen: "Ich fürchte, es wird Nachbeben geben, und auf diese sollten wir auf alle Fälle vorbereitet sein."
(apa/red)
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