Dienstag, 1. Juli 2008

Von der Fanzone zum Radl-Paradies: Grüne
fordern Sperre des Rings bis September

  • Naherholungsgebiet zwischen Oper und Rathaus
  • Wiens Bürgermeister Häupl und ÖVP winken ab

"Ich könnte mich daran gewöhnen, hier am Ring zu sitzen" - Mit diesen Worten hat die Klubchefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, eine Pressekonferenz eröffnet, die an einem eher ungewöhnlichen Ort stattfand: Mitten auf der Ringstraße. Diese ist bis zum Ende der Abbauarbeiten für die EM-Fanzone noch gesperrt. Nach Ansicht der Grünen soll das länger so bleiben, nämlich vorerst einmal bis September.

So lange sollen die Autos von der Ringstraße verbannt bleiben. In dieser Zeit müsse ein Runder Tisch einberufen werden, in dem die zukünftige Nutzung des Boulevards geklärt werden soll, hieß es. Wobei die Grünen keinen Hehl aus ihrem Wunsch machen, den Ring dauerhaft für Autos zu sperren. Nur Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahnen und auch Fiaker sollten den Ring benützen dürfen.

Eine eigene Radspur auf dem Ring
Die neue Verkehrsorganisation soll schrittweise eingeführt werden. Zunächst könnte laut Grünen der Radverkehr ab September auf die Straße verlegt werden, bei gleichzeitiger Reduktion der Autospuren auf zwei gegenläufige Fahrbahnen. Später solle der Ring umgebaut werden, um eine vier Meter breite Fahrradstraße sowie einen großen Gehsteig zu schaffen.

Experten für dauerhafte Sperre
Gröbere Probleme dürfte die Maßnahme nicht machen, zeigte sich zumindest Vassilakou überzeugt: "Die Stadt kann die Verkehrsströme bewältigen." Sie verwies auf die Ansicht von Fachleuten, die bereits in der vergangenen Woche für eine dauerhafte Sperre plädiert hatten.

"Hier haben Kinder Fußball gespielt", erinnerte der Grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch daran, welches Bild der Ring in den vergangenen Wochen geboten hatte. Künftig könnten auf der Straße Veranstaltungen stattfinden oder Cafes aufgebaut werden. Gesperrt werde sollte laut Grünen vorerst der Teilbereich zwischen den Museen und der Universität, also in etwa jener Abschnitt, den auch die Fußball-Meile in Beschlag genommen hat.

Veto von Bürgermeister Häupl
Dass die Grüne Forderung von Erfolg gekrönt wird, darf bezweifelt werden. Bürgermeister Michael Häupl hat bereits abgewunken. Der Verkehrssprecher der Wiener SPÖ, Karlheinz Hora, sprach sich ebenfalls dagegen aus und warnte vor einer zusätzlichen Umweltbelastung durch Umleitungen und damit verbundenen längeren Wegstrecken.

"Ringsperre kommt nicht in Frage", erklärte auch der nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Norbert Walter in einer Aussendung. Der Wiener VP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl hatte allerdings noch vergangene Woche mit dem Vorschlag aufhorchen lassen, zumindest einen Tag im Monat den Ring teilweise zu sperren.

ÖAMTC: Verbreitung von Halbwahrheiten
Die Verkehrsexperten des ÖAMTC warnen, dass bei der Forderung Aspekte unberücksichtig bleiben. So wurden im Juni wesentlich weniger Alltagswege zurückgelegt, als an durchschnittlichen Werktagen. Viele haben sich für die Dauer der Euro Urlaub genommen, andere haben geschäftliche und private Termine, die man ursprünglich in den Innenstadtbezirken wahrnehmen wollte, auf Juli verschoben und die Innenbezirke gemieden. Davon haben im übrigen auch die öffentlichen Verkehrsmittel profitiert, die dadurch in der Lage waren, hunderttausende Fußballfans zufriedenstellend zu befördern. (apa/red)

1.7.2008 12:32