Montag, 30. Juni 2008

Döner an der Donau: Neuer Türke lockt mit Urlaubsfeeling und authentischer Küche

  • Christoph Wagner über Izgaralar und Adana-Spieße
  • NEWS: "Sofra" vielleicht Wiens "Türke Nummer eins"

Im Moment sind die beiden Hauptattraktionen des "Sofra" noch die überdimensionalen Plasmabildschirme, von denen aus ein vorwiegend türkischstämmiges, aber von Österreichern wohluntermischtes Publikum in bis zuletzt durchaus begründetes Fußballfieber versetzt wird.

Doch schon bald wird, so steht es zu hoffen, nicht mehr der Fernseher, sondern "der schön gedeckte Tisch" - genau das bedeutet das Wort "Sofra" nämlich - im Mittelpunkt dieses funkelnagelneuen Restaurants an der Donau stehen, dessen Architektur verblüffend an ein Schiffsdeck erinnert. "Käpt'n" und Mitbesitzer Riza Demir, langjähriger Bankettchef des Wiener Hotels Intercontinental, brachte neben großgastronomischem Know-how auch etliche qualifizierte Mitarbeiter mit und gebietet auf einer Lokalfläche von stolzen 1.180 Quadratmetern in Küche und Keller nunmehr über einen Staff von 25 Leuten.

Wie in Istanbul
Die Speisekarte lässt kaum etwas aus, das der türkische oder auch der in der Türkei urlaubende Wiener Gast an der Donau vermissen könnte. Der Bogen reicht von einer opulenten Frühstückskarte mit zahlreichen mediterranen Rührei-Variationen über das in der Türkei klassisch besonders üppige Mezeler-(Vorspeisen)-Angebot, das von gebratenen Melanzani in Knoblauchjoghurt über Fisolen im tomatisierten Olivenöl-Sud bis zu Spinatstrudel und Shrimps in Kräuterschalottensauce reicht.

Als Zwischengänge bieten sich die "Hamurlu Vemekler" (Teigschiffchen mit pikanten Füllungen von getrocknetem Rindfleisch bis Knoblauchwurst) an. Die Hauptspeisen kommen, ob Fisch ob Fleisch, großteils vom (mit punktgenauer Akkuratesse gehandhabten) Holzkohlengrill. Daneben werden auch der unvermeidliche Döner sowie etliche aparte Schmorgerichte wie "Milchkalbsrücken in scharfer Kräutersauce" oder "Bohnengulasch mit Lammfleisch" angeboten.

Wir kosteten zunächst die wirklich feinen hausgemachten gefüllten Weinblätter nebst einer kleinen "Flotte" an Teigschiffchen, bei denen es sich eigentlich um Teigtorpedos oder Teigzigarren handelte.

Dazwischen verblüffte mich eine Kuttelsuppe mit deutlichen Anklängen an den Geschmack jenes meisterhaften Vorbilds, das ich einmal in dem hübschen kleinen Fayencenrestaurant über dem Bazar von Istanbul kosten durfte. Die türkische Kunst des "Izgaralar" - nämlich des behutsamen Holzkohlengrills - wird hier nicht nur von der Küche beherrscht, sondern Patron Riza Demir scheint auch den Fleischeinkauf entsprechend im Griff zu haben. Der Lammlungenbraten auf dem Grillteller hätte zarter nicht sein können, und der Adana-Spieß schmeckte, als hätte man ein gut gewürztes Beef Tatar auf einen Spieß gesteckt und kurz gebraten.

Lockender Halbmond
Dass die Türkei ein Land mit einer der größten Weinbauflächen der Welt ist, wird freilich, wie in den meisten orientalischen Restaurants, auch hier nicht wirklich spürbar. Denn die Muslime machen aus ihren Weintrauben fast ausschließlich Rosinen und einen eher unauffälligen Wein namens Villa Doluca. Kurzum: Der Weinservice ist in jeder Weise ausbaufähig, während der Service selbst schon jetzt zwischen professionell und gutwillig angesiedelt ist. Das erklärte Ziel, Wiens "Türke Nummer eins" zu werden, scheint, nicht zuletzt mangels großer Konkurrenz, durchaus in erreichbarer Nähe. Das schönste Restaurant an der Donau ist das "Sofra" dank seiner formidablen Aussichtsterrasse auf die Donau City schon heute.

Und wenn man es sich einbildet, so ist die geschwungene Spitze des Seidler-Tower ja dem türkischen Halbmond wahrlich nicht unähnlich.

Türkiye!
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Bild: Auf dem Weg zu Wiens "Türke Nummer eins": Riza Demir auf der
Terrasse seines "Sofra".

Lesen Sie die gesamte Geschichte im NEWS 26/08!

Quelle: news.at

30.6.2008 08:55