Osteuropa als goldenes Shopping-Pflaster: Modebranche im Westen an ihren Grenzen
- Großen & kleinen Ketten bleibt nur Weg gen Osten
- Schillernde Shoppingtempel schießen aus dem Boden

·GRAFIK: Mehr Platz für Shopping-Boom
FORMAT: Neue Einkaufs-Flächen für Osteuropa
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H&M weiter Marktführer, Diskonter schwächeln
Thomas Seikmann wollte nie für andere arbeiten. "Ich ziehe lieber mein eigenes Ding durch", erzählt der Salzburger. Und so hängte er den gut dotierten Job in der Immobiliencompany der Gebrüder Soravia an den Nagel und gründete seine eigene Gesellschaft. Seit Februar 2006 steht der 44-Jährige gemeinsam mit seinem Studienfreund Manfred Schlager, einst Chef der Werbeagentur Publicis, der Wiener Dayland-Group vor - einer Immobiliengesellschaft, über die Projekte in ganz Europa, vornehmlich im Osten, realisiert werden. Das erste steht auch schon auf festen Beinen: Im Herbst öffnet "Roses", Kroatiens erstes Designer-Outlet, seine Pforten.
Das Einkaufszentrum wird von einem 2,6 Millionen Menschen zählenden Einzugsgebiet profitieren und neben Kroaten Touristen aus Österreich, Slowenien und Italien anlocken. Im September eröffnen die ersten siebzig Markenläden, fünfzig weitere folgen im Herbst 2009. Imposante 120.000 Quadratmeter wird das neue Shoppingparadies umfassen. Seikmann: "Reisende aus den EU-Ländern erhalten bis zum EU-Beitritt Kroatiens die Mehrwertsteuer zurück." Und die liegt dort bei 22 Prozent.
Projekte in Ost- und Südosteuropa
Die beiden Österreicher sind nicht die Einzigen, die in Osteuropa ein goldenes Pflaster für gute Textilhandelsgeschäfte wittern. Weil in West- und Mitteleuropa die Mode- und Lifestylebranche den Wachstumszenit weitgehend erreicht hat, konzentrieren sich die Unternehmen noch stärker auf Projekte in Ost- und Südosteuropa. Nicht nur die Newcomer, sondern auch die Etablierten wie Peek & Cloppenburg (P&C). Der stark wachsende deutsche Modefilialist startete kürzlich sogar mit einer Testfläche in Serbien. Nun steht die Expansion nach Bulgarien auf dem Programm. Die Schaltzentrale für Osteuropa übersiedelt P&C gerade nach Wien.
500 Shoppingcenter geplant
Die begehrtesten Standorte für westliche Handelsketten sind die großen Einkaufszentren. Zwischen Tschechien und Weißrussland sind für die nächsten drei bis vier Jahre knapp 500 Shoppingcenter geplant, die eine Fläche von 14 Millionen Quadratmetern umfassen. "Innerhalb der vergangenen drei, vier Jahre hat sich die Shoppingcenter-Fläche in Osteuropa verdoppelt, und sie dürfte sich in den nächsten drei, vier Jahren noch einmal verdoppeln", erzählt RegioPlan-Geschäftsführerin Hanna Bomba-Wilhelmi.
Expansion im Eiltempo
Die Gründe für das rasante Wachstum sind vielschichtig: In Prag und Budapest findet beispielsweise eine Nachverdichtung bestehender Handelsstrukturen statt, in Städten wie Sofia und Belgrad sowie in kleineren Städten Osteuropas - so genannten Sekundärstädte - kommt die Neugestaltung der Handelsstruktur erst so richtig in Schwung. In beiden Fällen ist die Nachfrage nach Marken aus aller Welt enorm. "Das Markenbewusstsein der Osteuropäer ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen", betont Thomas Reichenauer, Geschäftsführer der McArthurGlen-Designer-Outlets in Salzburg und Parndorf. Und der Wiener Luxusretailer Friedrich Jonak sagt: "Osteuropäer haben ein größeres Verlangen nach Marken".
Handelskonzepten, die wie der Textilriese P&C auf die starke Präsenz bekannter Marken setzen, wird im Osten besonders guter Erfolg vorausgesagt.
Betuchte Konsumenten
Osteuropa produziert immer mehr Millionäre und verfügt mittlerweile auch über eine gut situierte Mittelschicht. Mit jährlichen Wachstumsraten von vier Prozent und mehr zählen die neuen EU-Länder und die übrigen Reformstaaten in Zentral- und Osteuropa derzeit eindeutig zu den wirtschaftlichen Zugpferden des Kontinents. In der Tschechischen Republik stieg etwa das Pro-Kopf-Einkommen zuletzt auf rund 18.000 Dollar an und hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.
Internationale Handelsketten im Vormarsch
Vor allem große Modefirmen wie H&M, Inditex (Zara), C&A und Peek & Cloppenburg profitieren von dieser Entwicklung und schlagen ihre Zelte verstärkt in Osteuropa auf, vornehmlich in Shoppinganlagen und Stadtzentren. Die traditionsreiche Düsseldorfer Modekette P&C ist beispielsweise in zwölf europäischen Ländern präsent, acht davon liegen in Osteuropa. Der Stockholmer Moderiese H&M, der mit seinen Läden in mehr als dreißig Ländern der Erde aktiv ist, hat zuletzt angekündigt, einen Gutteil seiner 190 für heuer geplanten Geschäfte in Osteuropa zu eröffnen. Und die spanische Handelskette Inditex - mit Marken wie Zara, Oysho und Bershka die weltweite Nummer eins der Branche - zählt in Russland bereits seit Jahren zu den Top-Playern.
Luxusgüterindustrie profitiert
Auch die Luxusgüterindustrie profitiert vom Wohlstand der Russen. So prüft die Nobelmarke Louis Vuitton (LV) dort gerade Standortmöglichkeiten. Zurzeit ist Louis Vuitton in Russland mit nur drei Geschäften präsent. "Der russische Markt entwickelt sich sehr vielversprechend", betonte LV-Chef Yves Carcelle in seinem letzten FORMAT-Interview Mitte Februar. Auch Namen wie Armani, Chanel, Dolce & Gabbana, Hermès und Versace prägen bereits die alten Stadtzentren aufstrebender russischer Metropolen wie Sankt Petersburg und Moskau.
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