Dienstag, 1. Juli 2008

Kinostart "10 Fragen an den Dalai Lama" :
Neuer Dokumentarfilm von Rick Ray

  • Historische Schwarzweiß-Aufnahmen aus Tibet
  • Vielschichtige Reisereportage - Ab Freitag im Kino

In einem neuen Dokumentarfilm überzeugt der amerikanische Filmemacher Rick Ray mit einem beeindruckenden Porträt des geistigen Oberhauptes der Tibeter. Er gibt einen kompakten Einblick in die Geschichte des chinesisch-tibetischen Konflikts, der zur Zeit weltweit Aufmerksamkeit erregt.

Der vor zwei Jahren entstandene, vielschichtige, aber unaufwendig gedrehte Film gewinnt durch die Unruhen in Tibet und den Freiheitskampf des Himalaya-Volkes gegen die Chinesen kurz vor den Olympischen Spielen ungeahnte Aktualität. Der Streifen wird in den heimischen Kinos ab 4. Juli in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.


Preisgekrönte Reisereportage
Aus seiner Sympathie für den 72-jährigen, 14. Dalai Lama, der längst zu einer globalen Friedensikone geworden ist, doch sich selber lediglich als einfachen Mönch betrachtet, macht Ray kein Hehl. Dennoch wirkt sein engagierter Film, der in den USA bei Festivals schon zahlreiche Preise einheimste, vom Grundton her nie aufdringlich oder belehrend. Ray bietet eine Reisereportage in der Ich-Form, gibt dem Gezeigten als Erzähler Struktur und präsentiert sich auch im Bild. Dabei verbindet er seine eigene Reise geschickt mit dem Lebensweg des Dalai Lama. Sehenswert sind besonders die historischen Schwarzweiß-Aufnahmen aus dem alten Tibet.

Rays Dokumentation ist somit weit mehr als der Titel nahelegt. Freimütig erzählt er, dass er sich kostenlos zum Drehen eines Reisevideos zur Verfügung gestellt hatte, weil die Produktion ein Interview mit dem Dalai Lama versprach. In Indien musste der Filmemacher aber feststellen, dass nichts organisiert war. Nur aufgrund seiner Hartnäckigkeit und der Gunst des Schicksals erhielt er schließlich doch noch eine 45-minütige Audienz bei dem Friedensnobelpreisträger (1989) in dessen Exil-Sitz in Dharamsala in Nordindien. Der Dalai Lama taucht allerdings erst spät in dem Film auf. Vorher macht Ray mit imposanten Landschaftsaufnahmen, Szenen aus Klöstern und dem Alltagsleben der Tibeter mit Land und Leuten und vor allem den Grundzügen des Buddhismus bekannt.


"Großer Lehrer, dessen Weisheit so tief wie der Ozean ist..."
Kindheit und Jugend des 1937 mit zweieinhalb Jahren als Reinkarnation des Dalai Lama entdeckten Bauernsohns Lhamo Dhondrup schildern vor allem die historischen Aufnahmen. Sie zeigen die Inthronisation des kleinen Jungen im Potala-Palast in Lhasa, Tenzin Gyatso wird sein Mönchsname, der Ehrentitel Dalai Lama bedeutet in etwa: "Großer Lehrer, dessen Weisheit so tief wie der Ozean ist". Dokumentiert wird ebenso die zunehmende Unterdrückung der Tibeter durch die Chinesen, die Begegnungen des Dalai Lama mit Mao, die Flucht nach der chinesischen Invasion nach Indien, die Gründung einer demokratischen Exilregierung und der Einsatz für sein Volk und den Fortbestand der tibetischen Kultur. Dabei jubeln dem sympathischen Mönch mit dem schalkhaften Humor, der Umfragen zufolge der beliebteste Mann der Deutschen ist, bei seinen Auftritten die Massen zu; Stars wie Richard Gere und Politiker wie Bill Clinton unterstützen seine Botschaft der Toleranz und des Mitgefühls.

Doch der Film macht auch deutlich, dass sein Nein zu jeder Form von Gewalt und seine unerschütterliche Dialogbereitschaft mit China - trotz des von ihm beklagten "kulturellen Völkermordes" an den Tibetern - bei vielen seiner wutgeladenen jungen Landsleute kaum noch Beifall finden und eine Abspaltung droht. Schlichte, schlüssige und liebevolle Worte findet der Dalai Lama schließlich auf die zehn fundamentalen Fragen des Filmemachers, wobei seine Natürlichkeit und Friedfertigkeit, sein Warnen vor Gier, Hass und Selbstsucht nach der eindringlich geschilderten Vorgeschichte umso berührender wirken.

Noch lebt der Dalai Lama und damit auch die Chance auf eine friedliche Einigung mit den Chinesen. Nach seinem Tod ist der Tradition nach der Panchen Lama, der zweithöchste Geistliche der buddhistischen Gelugpa-Schule, berufen, die Wiedergeburt des 15. Dalai Lama zu bestätigen, berichtet Rick Ray. Dieser wurde jedoch 1995 als Sechsjähriger mit seiner Familie verschleppt und blieb bis heute trotz zahlreicher Anfragen von Menschenrechtsorganisationen an die chinesische Regierung verschwunden. China setzte einen eigenen Kandidaten als Panchen Lama ein, der von den Tibetern aber nicht als Reinkarnation anerkannt wird. Vielleicht - auch das macht der Film sehr deutlich - wird der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso also der letzte gewesen sein.

(apa/red)

1.7.2008 16:51