"Metropolis"-Original ist stark ramponiert:
Entdeckter Filmklassiker kämpft mit Verfall
- Originalversion aus 1927 in Argentinien entdeckt
- Einige Szenen des Originals weiterhin verschollen

Die in einem argentinischen Filmmuseum entdeckte, weitgehend komplette Originalversion von Fritz Langs monumentalem Stummfilmklassiker "Metropolis" ist in einem beklagenswerten Zustand. Die 1927 aus Deutschland nach Argentinien gelangte Originalfassung habe wie damals üblich aus hochexplosivem Nitrat bestanden, sagte die Leiterin des Museo del Cine in der Hauptstadt Buenos Aires, Paula Felix-Didier vor Journalisten. Deshalb sei Anfang der 1960er Jahre eine verkleinerte 16-Millimeter-Kopie angefertigt worden. Die Originalfilmrollen im besseren 35-Millimeter-Format seien daraufhin wohl leider zerstört worden.
Aus diesem Grund sei die Qualität des gefundenen Filmmaterials nur sehr mäßig, könne jedoch durch eine gründliche digitale Restaurierung wohl noch erheblich verbessert werden, meinte Felix-Didier weiter. Die Szenen würden aber durch die notwendige Vergrößerung an Schärfe verlieren und deshalb im Vergleich zu der 2001 im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden erstellten Fassung von deutlich schlechterer Qualität sein.
Dieser Unterschied zwischen den Szenen werde schon deutlich zu bemerken sein, sagte die Filmexpertin. Die Murnau-Stiftung kümmert sich seit mehr als 40 Jahren um den Erhalt des deutschen Filmerbes. Sie besitzt auch die Rechte an "Metropolis" und hatte die Echtheit des Fundes am Vortag bestätigt.
Restaurierung in Deutschland
Bei einer Pressekonferenz wurden vier der seit Jahrzehnten als verschollen geltenden Szenen vorgeführt. Das Material solle nun in den kommenden Wochen in Deutschland restauriert werden, da Argentinien das nötige Fachwissen fehle, sagte Felix-Didier.
Einige wichtige Szenen der Originalversion von 1927 fehlen aber offenbar auch in den in Buenos Aires gefundenen Filmrollen. So hätten deutsche Experten vor allem Passagen vermisst, in denen ein Mönch in der Apokalypse lese. Vielleicht würden die ja eines Tages in irgendeinem afrikanischen Land entdeckt, scherzte Felix-Didier. Die Ufa hatte Langs Epos bei der Uraufführung am 10. Jänner 1927 in Berlin in ungekürzter Form gezeigt. Wenige Monate später wurde der Film nur noch in deutlich gekürzter Fassung gezeigt.
Meilenstein der Filmgeschichte
"Metropolis" gilt als Meilenstein der Filmgeschichte und diente zahlreichen Science-Fiction-Filmen als Vorbild. Lang hatte seinen Klassiker mit großem Aufwand unter anderem in den traditionsreichen Babelsberger Studios bei Berlin gedreht. Der Streifen mit seiner in einer futuristischen Stadt angesiedelten Vision einer klassenlosen Gesellschaft vor dem Hintergrund einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte erlangte weltweite Berühmtheit.
(apa/red)
