Osteuropa schwimmt gegen den Strom:
Konjunkturschwäche im Osten kaum spürbar
- Boom beendet, Wachstum bleibt aber weiterhin stark
- Hohe Inflation in Osteuropa bereitet aber Sorgen

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"Der Boom ist vorbei, aber das Wachstum bleibt stark und die Inflation wird sich abschwächen." So fasst Osteuropa-Experte Peter Havlik vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) den jüngsten Konjunkturausblick für die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas zusammen.
Insbesondere die neuen EU-Mitgliedsländer erweisen sich gegenüber der weltweiten Konjunkturabschwächung als resistent, das BIP-Wachstum verlangsamt sich hier nur mäßig. "Von einer Wirtschaftskrise ist weit und breit keine Spur. Fast überall geht das Wachstum heuer leicht nach unten, aber 2008 ist bereits der Tiefpunkt. Das unterscheidet uns von der EU", sagte Studien-Co-Autor Josef Pöschl.
Für Ungarn, dessen Wirtschaft im vergangenen Jahr mit einem BIP-Wachstum von nur 1,3 Prozent praktisch stagnierte, "ist das Schlimmste vorbei", sagte Havlik. "Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist der Wachstumseinbruch im Baltikum." Während sich das Wachstum der ungarischen Wirtschaft heuer auf 2,5 Prozent und bis 2010 auf 4,3 Prozent beschleunigen dürfte, wird Estland nach Ansicht der WIIW-Experten heuer eine Vollbremsung hinlegen - nur noch ein halbes Prozent BIP-Plus nach 7,1 Prozent im Vorjahr. Ähnlich sieht die Prognose für Lettland aus, wo sich das Wachstum von 10,3 auf 2,5 Prozent einbremsen wird.
Wirtschaftswachstum auf 5,2% verlangsamt
Insgesamt verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum in den zehn neuen EU-Mitgliedsländern heuer auf 5,2 Prozent (2006: 6,2 Prozent). Für 2009 wird noch eine weitere Abschwächung auf 4,9 Prozent erwartet. Spätestens 2010 soll es aber wieder aufwärts gehen, der jährliche BIP-Zuwachs soll sich dann bei etwa 5 Prozent einpendeln.
Starke Inflation
Anlass zur Sorge gibt die starke Inflation, die weltweit zunimmt. In den zehn neuen EU-Ländern ist sie etwa doppelt so hoch wie in der gesamten EU, in Russland und der Ukraine noch höher. Schuld daran sind in erster Linie die gestiegenen Lebensmittelpreise, die vor allem in den ärmeren Ländern einen größeren Anteil an den Warenkörben haben. In Tschechien trug die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für Lebensmittel zum Preisauftrieb bei, die Inflation stieg dort auf 8 Prozent.
Zentralbanken fürchten Inflation kaum
Die Zentralbanken der Länder reagieren auf die Beschleunigung der Inflation jedoch gelassen. Die Realzinssätze seien entweder sehr niedrig oder sogar negativ, etwa in der Ukraine oder Russland, berichtet Havlik. Die Zentralbanken erwarten eine Wachstumsverlangsamung und daher auch Entspannung der Inflation - und die WIIW-Experten teilen diese Erwartungen. "Nach unserer Einschätzung ist der große Anstieg der Inflation in diesen Ländern aber bereits vorüber", so Havlik. Zusätzlich inflationsdämpfend wirke die Aufwertung der lokalen Währungen gegenüber Euro und Dollar.
Zu einem zusätzlichen Inflationsdruck könnte es jedoch in Rumänien, Russland und der Ukraine kommen, wo die Löhne wesentlich schneller steigen als die Inflation.
(apa/red)

