Sonntag, 6. Juli 2008

Reife Leistung: Immer mehr Firmen bauen
auf die Erfahrungen älterer Mitarbeiter

  • Versuch, Wissensschatz über Pension weg zu nutzen
  • Ältere Arbeitnehmer: Die Rechtslage in Österreich

Länger arbeiten ist ein äußerst vielschichtiges Thema. Arbeitsmarktprobleme wurden in Österreich in den letzten Jahrzehnten nämlich vor allem mit dem Instrument Frühpension gelöst. Nicht nur im öffentlichen Dienst gilt sie vielen immer noch als Lebensziel. Doch die Finanzierungsprobleme des Pensionssystems sorgen dafür, dass das Pensionalter eher steigen wird. Nicht unbedingt ein Horrorszenario angesichts der steigenden Lebenserwartung.

Während aber echte Langzeitarbeitslose damit dem AMS länger auf der Tasche liegen oder zu Sozialfällen werden, versuchen Unternehmen gleichzeitig, leistungsfähige 50-Jährige mit Golden Handshakes zu verabschieden. Andere Firmen wiederum haben angesichts des in den nächsten Jahren demografisch drohenden Fachkräftemangels sogar eigene Programme, um das Wissen und die Erfahrung dieser Altersgruppe über deren Pensionierung hinaus für sich zu erhalten.

Anreiz für Schwarzarbeit
Zu den volkswirtschaftlichen und demografischen Realitäten kommt die persönliche Situation, wie etwa der Pensionsschock. Personalexperte Leopold Stieger steht jenen älteren Menschen beratend zur Seite.
Weiters kritisiert er, dass ASVG-Frühpensionisten laut derzeitiger Rechtslage nur geringfügig (341,16 Euro pro Monat) dazuverdienen dürfen, das zwinge Menschen in die Schwarzarbeit oder zum Nichtstun.

Drei-Generationen-Unternehmen
Laut wissenschaftlichen Studien nimmt die Leistungsfähigkeit nicht ab, wenn Mitarbeiter älter werden, sondern verändert sich. Die Persönlichkeit sei gefestigter, die geistigen und sozialen Kompetenzen gewachsen, so die Experten übereinstimmend. "Diese Fähigkeiten müssen allerdings richtig eingesetzt werden und können dann eine große Unterstützung für das Unternehmen sein", weiß Rudolf Karazman, Leiter für Forschung und Entwicklung am Institut für humanökologische Unternehmensführung. "Durch ihre Erfahrung bewahren Ältere in schwierigen oder komplexen Arbeitssituationen einen kühlen Kopf, wenn Jüngere längst an die Decke gehen oder in Verzweiflung geraten", so der Experte.

IBG hat das Konzept der "Generationenbalance©" entwickelt, um Ressourcen der Mitarbeiter für den wirtschaftlichen Erfolg einzusetzen und gleichzeitig auf die Anforderungen älter werdender Kollegen einzugehen. Angestrebt wird eine Balance zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen. "Wenn die Beziehung zwischen Mensch und Arbeit eine positive ist, dann unterstützt die Arbeit selbst die Gesundheit", ist Karazman überzeugt.

Auch Evelin Mayr, Personaldirektorin von HP Österreich, teilt diese Sichtweise: "Wir fördern nicht nur die fachliche, sondern auch die persönliche Entwicklung unserer Mitarbeiter." Neben unterschiedlichen Karriereprogrammen unterstützt HP auch die persönliche Work-Life-Balance mit Fitness-Checks oder Workshops zu Gesundheitsthemen.
Rae Wittrich, 57, seit fünfzehn Jahren HR-Consultant bei HP, hat ein Programm für ältere Mitarbeiter mitentwickelt. "Mitarbeiter, die sehr lange denselben Job machen, versuchen wir flexibel in andere Projekte und Aufgabengebiete einzubin-den", beschreibt sie das Programm.

Rudolf Karazman meint abschließend: "Die Arbeitswelt ist noch nicht entwickelt für die Generation 50 plus. Die Unternehmen müssen verstehen, wie wichtig Wissen und Erfahrungen sind."

Den gesamten Bericht können Sie im neuen FORMAT 27/08 nachlesen.

6.7.2008 15:44