AUA-Aktienkurs mit dramatischem Abfall:
Koalitionskrise könnte Verkauf stoppen
- Investmentbanken setzten die Aktie auf "Sell"
- SPÖ-Erwartungen an Aufsichtsrat am 28. Juli

·Insider-Geschäfte
in der AUA-Führung?
Neue Ermittlungen gegen Ötsch und Michaelis
·Privatisierung der
ist AUA angelaufen
Investmentbanker gehen auf große Käufersuche
·FORMAT: Ötsch gibt beim AUA-Verkauf Gas
Privatisierung schon im August abgeschlossen?
·Luftfahrt: "Karten werden neu gemischt"
AUA-Chef Alfred Ötsch
im NEWS-Interview
Die Aktie der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA) ist schwer unter Druck gekommen. Zwischenzeitig stürzte der Kurs um 10 Prozent ab. Am Ende des Tages notierte die Aktie bei 2,86 Euro, 8 Prozent tiefer als am Vortag. In der kriselnden Koalition gibt es keinerlei Einvernehmen über den Privatisierungskurs. Das könnte jetzt die gerade anlaufende Partnerwahl für die Fluggesellschaft stoppen.
Internationale Analysten haben die Aktie auf "Sell" gesetzt. Goldman Sachs nahm das 6-Monats-Kursziel von 3,40 auf 3,00 Euro zurück. Die Analysten erwarten für 2008 einen Verlust von 0,48 Euro je Aktie. Für 2009 und 2010 werden Verluste von 0,59 bzw. 0,36 Euro je Aktie befürchtet. Die Experten der UBS sehen den Kurs bald gar nur mehr bei 2,40 Euro. Die Fluglinie sei im Wettbewerb mit Billigfluglinien strategisch schlecht positioniert, hieß es. Gegen Ende des Geschäftsjahres 2008 könnte die AUA zudem eine weitere Kapitalerhöhung benötigen, glauben die UBS-Analysten.
In Wien war in informierten Kreisen zu hören, dass die Airline auf jeden Fall bis Ende des Jahres mit ihrem Kapital auskommt.
Koalitionskrach ein Verkaufshindernis?
Wegen des Koalitionskrachs und damit Stillstands in der Regierungspolitik könnte aber die Partnersuche für die Austrian ins Stocken kommen. Diese Befürchtung wurde in Eigentümerkreisen geäußert.
In der jetzigen Stimmungslage der Regierung sei die Annahme eines Optionenberichts ebenso offen wie der vor dem formalen Verkaufsstart notwendige neue Privatisierungsauftrag an die Staatsholding ÖIAG, heißt es. Die ÖIAG ist mit 42,75 Prozent Hauptaktionärin der AUA. Aus ÖIAG-Besitz sowie aus Besitz von anderen österreichischen Anteilseignern sollen Anteile abgegeben werden, favorisiert wird von den meisten die Lufthansa.
Ab Herbst neuer AUA-Partner?
Nach bisherigen Plänen sollten Ende Juli zum möglichen AUA-Partner entscheidungsrelevante Grundlagen vorliegen, bis Ende September sollten Empfehlungen an die Eigentümer da sein. Damit sollte nach den bisherigen Überlegungen im Herbst der neue AUA-Partner da sein. Ob dieser Zeitplan hält, sei derzeit sehr ungewiss, heißt es. Die Zweifel mehrten sich.
Anlegerschützer Wilhelm Rasinger vom Interessensverband für Anleger (IVA) hegt "große Sorgen", was das weitere Procedere in Sachen AUA betrifft. Durch die politischen Uneinigkeiten über den Privatisierungskurs könnte wertvolle Zeit vertan werden, meinte Rasinger heute zur APA. Anhaltende Verunsicherung sei schlecht für Mitarbeiter und Anleger der Airline. Es drohe damit eine weitere Wertvernichtung. Der internationale Gegenwind nehme für die Airlinebranche zu.
"Tolpatschige Verhandlungen"
SP-Finanzsprecher Christoph Matznetter übte Kritik vor allem an den AUA-Chefs und an der ÖIAG: Seit dem Scheitern "der tolpatschigen Verhandlungen" mit Scheich Al Jaber werde die AUA schlecht geredet. Die Folge sei die dramatische Kursentwicklung der Aktie auf nur noch 2,80 Euro. In ihm entstehe zunehmend der Eindruck, dass das AUA-Management und die ÖIAG-Führung daran mitwirkten.
Matznetter sprach von einem massiven Schaden für die Steuerzahler und die anderen Aktionäre, "die mit dieser Kursentwicklung um ihre Vermögenswerte gebracht würden." Er fordert von Vorstand und Aufsichtrat, die Airline in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen.
Matznetter fordert "Wachstumsstrategie"
Derzeit habe er aber "eher den Eindruck, dass die Führung ausschließlich darauf hinarbeitet, die AUA dem größten Konkurrenten Lufthansa zu einem Preis weit unter dem Unternehmenswert billigst zu verkaufen". Matznetter erwartet, dass beim Aufsichtsrat am 28. Juli alle möglichen Optionen vorgelegt werden. Er will vor allem eine "Wachstumsstrategie" für die AUA sehen.
Zu prüfen sei vor allem der Effekt auf den Wirtschaftsstandort. So lange diese Hausaufgaben nicht erledigt seien, könne es aus Sicht der SPÖ jedenfalls keine Entscheidung geben.
Der SP-Finanzsprecher erwartet sich von VP-Finanzminister Wilhelm Molterer, dass er beim Wifo ein Gutachten beauftragt, um alle standortrelevanten Fragen rund um die diskutierten Lösungen für die AUA zu klären. (apa/red)

