Donnerstag, 3. Juli 2008

Siegfried Wolf setzt voll auf Österreich:
"Es zählt, den besten Job zu machen"

  • NEWS-Interview: Mächtigster Manager Österreichs
  • Über Magna-Expansion, Jobs in Österreich & Russland

Der Magna-Boss, der die Verantwortung für 84.000 Mitarbeiter und 17 Milliarden Euro Umsatz trägt, erledigt seinen Job lieber hinter den Kulissen. Seine Freundschaft zu den Reichsten und
Einflussreichsten der Welt hängt er nie an die große Glocke. Denn Wolf weiß genau, dass in der Wirtschaft nur eines zählt: den besten Job zu machen. Das macht seinen Erfolg aus und ihn zu einem der mächtigsten Manager des Landes. Für die Grazer Automobilfertigung zog er eben vier Großaufträge an Land. Während sämtliche großen Autozulieferer in Schwierigkeiten geraten, fährt Magna Erfolge ein.
Im NEWS-Exklusivinterview spricht Wolf über sein Erfolgsgeheimnis und seine Expansion nach Russland.

NEWS: Magna holt vier bedeutende Aufträge nach Graz: den Rapide von Aston Martin, Boxster und Cayman von Porsche, Mini SAV von BMW und den Sportwagen Peugeot 308 RC Z.
Siegfried Wolf: Das sind schöne Erfolge, aber für uns kein Grund, uns auszuruhen.

NEWS: Warum gelang es Magna, alle großen Aufträge der letzten Monate an Land zu ziehen?
Wolf: Wir haben sehr stark investiert, um führendes Know-how im Haus zu haben und bei der Entwicklung ganz vorn zu sein. Zudem hat Magna durch ganz flache Strukturen die notwendige Flexibilität. Wir fördern unternehmerisches Denken unter den Mitarbeitern und bieten den Kunden Problemlösungen an. Das erfordert großen Einsatz von Mitarbeitern und Management gleichermaßen. Deshalb war es uns so wichtig, die Arbeitsplätze in Graz zu erhalten.

NEWS: Wie lange leistet sich Magna die Produktion in Österreich, wo man doch im Osten billiger produzieren könnte?
Wolf: Kurzfristig könnte man vermutlich den Gewinn mit einer Produktionsverlagerung steigern. Aber die Magna-Jobs bleiben in Österreich. Das Management trägt den 14.000 Mitarbeitern in Österreich gegenüber Verantwortung. Diese Leute und ihre Familien verlassen sich auf uns. Nur wenn dieses Vertrauensverhältnis stimmt, schaffen wir die höchste Qualität.

NEWS: Ist der Standort Österreich auch konkurrenzfähig?
Wolf: Wir brauchen mehr Flexibilität, sowohl im Denken als auch im Handeln. Ohne unsere Leiharbeiter, die befristete Verträge eingegangen sind, hätten wir die Ausnahmeproduktion des BMW X3 nicht annehmen können. Diese ausgezeichneten Leiharbeiter wissen auch, dass es befristet ist und wir sie für Großaufträge wieder rufen.

NEWS: Macht es einen Unterschied, ob eine Firma bzw. ein Produkt aus Österreich kommt oder nicht?
Wolf: Österreich hat einen sehr guten Ruf und versteht mit anderen Kulturen umzugehen. Wenn wir uns auf diese Stärken konzentrieren und gegenseitig unterstützen, sind wir vorn dabei. Österreichs Wirtschaft wird geschätzt. Wir haben Handschlagqualität. Wir müssen uns mehr zutrauen und handeln.

NEWS: Sie sprechen damit auch Russland an?
Wolf: Russland ist einer der größten Wachstumsmärkte, und das nicht nur für die Automobilindustrie. Für Magna ist es einer der Zukunftsmärkte, in dem wir jetzt stark investieren.

NEWS: Seit einem Jahr ist Oleg Deripaska Miteigentümer bei Magna. Was hat sich geändert?
Wolf: Magna ist dieselbe Firma geblieben. Aber wir haben großartige Unterstützung bei unserer Expansion in Russland. Da die Bürokratie noch eine große ist, hilft hier unser russischer Partner sehr.

NEWS: Wird es neue Magna-Werke oder Übernahmen geben?
Wolf: Sowohl Übernahmen als auch neue Werke. Wir arbeiten ja bereits gut mit den beiden russischen Herstellern GAZ und AvtoVaz zusammen. Wir wollen aber auch internationale Hersteller begleiten, die nach Russland kommen. Wir sehen gute Chancen für Magna.

Gesamtes Interview lesen Sie im aktuellen NEWS 27/08

3.7.2008 14:03