Ein Brasilianer ist jetzt frisch gebackener Europameister: Marcos Senna von Villarreal
- 31-jähriger Staubsauger spielte eine starke EURO
- Als Doppelstaatsbürger entschied er sich für Spanien

Er ist der erste Brasilianer, der Fußball-Europameister wurde: Marcos Senna. Wie das möglich ist? Ganz einfach: Der 31-Jährige ist brasilianisch-spanischer Doppelstaatsbürger. Nach dem Sieg gegen Deutschland war er aber zu "hundert Prozent Spanier", wie er bereits vor dem Finale erklärt hatte. Beim 1:0-Sieg im Endspiel Spanien gegen Deutschland zeigte Senna erneut, wie wichtig er für das Team von Coach Luis Aragones ist. Selbst wenn er niemals den Kultstatus eines Topstars wie Fernando Torres oder David Silva erreichen wird.
Im Grunde ist es ja ein wenig kurios, dass ausgerechnet dem im Juli 1976 geborenen Senna Anfang 2006 die spanische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, so dass er bereits an der WM-Endrunde in Deutschland teilnahm. Im Grunde nämlich verkörpert er nicht jenen Spielertyp, weswegen - zumindest vom Klischee her - nach einem Brasilianer geangelt wird. Der bald 32-Jährige (Geburtstag 17. Juli) ist kein Samba-Tänzer auf dem grünen Rasen, sondern ein trockener Fußball-Pragmatiker.
Gerade das hatte Spanien bei der EURO 2008 im Mittelfeld dringend nötig. Dabei spielt der kräftige Mittelfeldstratege so, wie er es nie wollte. "Ich selbst sah mich als zauberhaften Spielmacher", sagte er einmal, "ich war extrem dünn und dribbelte die ganze Zeit." Aber: "Ich hielt mich für etwas eleganter und beweglicher, als ich es wirklich war." Diese Erkenntnis brachte ihn dazu, als Profi seine wahren Stärken zu pflegen. Er blieb zwar im Mittelfeld, suchte das Heil aber in der Defensive.
Platz zwischen Abwehr und Mittelfeld
Bekannt ist er für seinen trockenen Stil mit einem harten Schuss. Aber auch die Passbälle kommen bei ihm meist punktgenau. Denn selbstverständlich verfügt er auch über eine ausgezeichnete Technik. Im Konzept von Luis Aragones fungierte er als eine Art Puffer zwischen der Abwehr und dem kreativen Mittelfeld. Die Eleganz überließ er seinen Kollegen Xavi oder Andres Iniesta.
Er selbst definiert sich als "Schutzschild" hinter den offensiv orientierten "Centrocampistas". "Sie haben die Freiheit", sagt Senna, "ich muss dafür Wache schieben." Etwas despektierlicher wurde er auch schon "Wasserträger für die spanischen Stars" genannt.
Arschawin bei Senna abgemeldet
Doch ist Marcos Senna natürlich mehr als das, im Grunde nämlich der heimliche Dirigent im spanischen Aufbauspiel: Er hält den Kreativkräften den Rücken frei. Während sie zu tricksen versuchen, ist er der Staubsauger, der die Bälle holt oder den Spielmachern der Gegner das Leben schwer machte. Im Halbfinale musste etwa Russlands Andrej Arschawin daran glauben.
Dass Senna schon an die 30 Jahre alt war, als sich erstmals ein Nationaltrainer für ihn interessierte, lag auch daran, dass er sich kurz nach seinem Wechsel nach Europa zweimal schwer am Knie verletzte. Im Jahr 2002 war er von AD Sao Caetano zu Villarreal gegangen. Bald fiel er längere Zeit aus, 2004 musste er auch wegen eines positiven Dopingtests für weitere drei Monate aussetzen. Er hatte für die Regeneration nach einer seiner Knieverletzungen verbotene Steroide verpasst bekommen.
Alles außer Argentinien
Die Entscheidung, für Spanien zu spielen, fällte der Brasilianer ebenso nüchtern, wie er spielt: "Ich habe mich für Spanien entschieden, weil meine Chancen bei Brasilien null waren." Besonderer Patriotismus sei da gar nicht vonnöten: "Ich fühle mich nicht mehr als Spanier als als Brasilianer. Ehrlich gesagt habe ich nichts für Spanien empfunden, bevor ich 2002 hierherkam. Aber ich hatte auch nichts gegen dieses Land, wie zum Beispiel gegen Argentinien."
Außerdem ist auch seine wahre (oder erste) Heimat nicht das reine Paradies. Das bekam Marcos schon als 18-Jähriger zu spüren. Damals brachte seine vier Jahre jüngere Freundin den gemeinsamen Sohn Vitor zur Welt. Ihre Eltern verboten es dem Vater, sein Kind und das Mädchen zu sehen. Senna: "Weil ich ein Schwarzer bin." (apa/red)
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