G-8-Treffen wird ein Gipfel der Rekorde:
23 Regierungs- und Staatschefs in Japan
- Ziele vom G-8-Gipfel 2005 noch lange nicht erfüllt
- Merkel hofft auf Umsetzung des UN-Klimaabkommen
Von einem G-8-Gipfel zu sprechen, ist eigentlich maßlos untertrieben. Die Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen, die vor mehr als drei Jahrzehnten als Kamingespräche begonnen haben, sind längst zu riesigen Mammutkonferenzen mutiert. Fast jährlich steigt die Teilnehmerzahl. Diesmal wird mit 22 Staats- und Regierungschefs sowie einer Reihe von Vorsitzenden internationaler Organisationen wie der EU, der Afrikanischen Union oder der Weltbank ein neuer Rekord erreicht.
Einen Rekord gibt es auch wieder, was den Sicherheitsaufwand angeht. Das Hotel Windsor liegt malerisch an einem fast kreisrunden Kratersee in den Bergen der nordjapanischen Insel Hokkaido. Um den Tagungsort abzusichern, werden rund 21.000 Sicherheitskräfte aufgeboten - 5.000 mehr als im vergangenen Jahr im deutschen Ostseebad Heiligendamm.
Thematisch knüpft die japanische Präsidentschaft an die Agenda der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem vergangenen Jahr an. Der Klimaschutz und die Entwicklungshilfe stehen erneut im Mittelpunkt. Der Gipfel beginnt am Montagmittag mit einem Treffen mit sieben afrikanischen Staatschefs.
G-8-Ziele von 2005 noch nicht erfüllt
Die G-8 hatte sich 2005 im schottischen Gleneagles darauf verpflichtet, die jährliche Entwicklungshilfe bis 2010 auf 50 Milliarden US-Dollar (31,9 Mrd. Euro) zu verdoppeln. Nach Untersuchungen von Nichtregierungsorganisationen liegen die Mitgliedstaaten auf dem Weg dorthin weit hinter dem notwendigen Pensum zurück.
Im Zuge des Gipfels findet das traditionelle Essen mit Ehepartnern statt, das aber weniger glanzvoll sein dürfte als zunächst erwartet. Denn Topmodel und Chansonette Carla Bruni, die Ehefrau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, ließ ihren Mann nun doch alleine nach Japan reisen, weil die Veröffentlichung ihres neuen Albums kurz bevorsteht.
Während die Staats- und Regierungschefs speisen, beugen sich ihre Unterhändler, die sogenannten Sherpas, über die letzten "eckigen Klammern" in der Abschlusserklärung. So heißen im Diplomatenjargon die noch offenen Punkte. Dabei wird es unter anderem um den Klimaschutz gehen, für den die G-8 ebenfalls ehrgeizige Ziele ins Auge gefasst hat. Die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 werde "ernsthaft erwogen", hieß es in der Abschlusserklärung von Heiligendamm.
Merkel hofft auf UN-Klimaabkommen
Diese Formulierung soll nun mit Leben gefüllt werden. Entscheidende Bedeutung werden dabei den Verhandlungen mit den fünf wichtigsten Schwellenländern - darunter China und Indien - sowie Australien, Indonesien und Südkorea haben. Kanzlerin Merkel erhofft sich weitere Fortschritte auf dem Weg zu einem UN-Klimaabkommen, das 2012 das Kyoto-Protokoll ablösen soll. "Diese Sitzung wird zwischen der Klimaschutzkonferenz auf Bali und dem avisierten Ende der UN-Verhandlungen in Kopenhagen Ende 2009 ein wichtiger Meilenstein sein", sagte sie.
Angesichts der großen Zahl der Gäste bleibt für die Gespräche im engen Kreis der G-8 nur ein Tag in der Mitte, der Dienstag. Innerhalb weniger Stunden müssen alle Themen, die die Welt bewegen, abgehakt werden. Neben Klimaschutz und Entwicklungshilfe werden dabei die Öl-und Lebensmittelpreise im Vordergrund stehen. Während die G-8 beim Ölpreis lediglich ihre Sorge zum Ausdruck bringen und mehr Transparenz auf den Märkten anmahnen kann, werden die Beschlüsse zum Nahrungsmittelbereich konkreter sein.
Für Merkel ist dies das wichtigste Thema. Sie hatte ihren Kanzleramtschef Thomas de Maizière damit betraut, gemeinsam mit mehreren Staatssekretären ein Positionspapier dazu zu entwickeln. Die Kanzlerin hat bereits eine halbe Milliarde Euro Soforthilfe für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zugesagt. Zudem will sie die Entwicklungszusammenarbeit stärker auf das Wassermanagement und die Landwirtschaft zuschneiden und über Standards für die Produktion von Biokraftstoffen diskutieren, um der Verdrängung des Lebensmittelanbaus entgegenzuwirken.
Weiteres Top-Thema: Gentechnik
Auch den landwirtschaftlichen Einsatz von Gentechnik in armen Ländern unterstützt Merkel: "Es wird angesichts der jährlich um 80 Millionen Menschen zunehmenden Weltbevölkerung in vielen Ländern akzeptiert, dass zur Lösung der Ernährungsprobleme auch gentechnisch veränderte Saatgüter oder Lebensmittel ihren Platz haben können", sagte sie.
Für sämtliche Krisenregionen der Welt bleiben der G-8 nur zwei Stunden beim Abendessen. Für jedes der bisher sieben angemeldeten Themen stehen damit im Schnitt weniger als 20 Minuten zur Verfügung. Den Punkten Nordkorea, Afghanistan, Iran und Simbabwe werden am ehesten Chancen eingeräumt, etwas intensiver behandelt zu werden. Zu Simbabwe wollen die G-8-Staaten eine separate Erklärung erarbeiten, mit der der Druck auf das Regime von Robert Mugabe erhöht werden soll. (APA/red)
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